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Es ist teils ein ungeschriebenes Gesetz, dass man für ein Web-Startup ein einzigartiges Produkt bauen muss, was mit großem Programmieraufwand verbunden ist. Doch immer mehr Web-Startups zeigen, dass es auch ohne geht – und das sogar schneller!

In einem interessanten Artikel auf OnStartups beschreibt Ecquire-Mitgründer Tal Raviv, wie Du ein online-basiertes Startup in den Markt bringst, ohne dafür auch nur ein Zeile Code zu schreiben.

In meinen Augen ist dieser Ansatz genau richtig und geeignet für immer mehr Geschäftsideen im Internet. Daher will ich Ravis Gedanken und Tipps dazu hier einmal zusammenfassen.

Fokus auf den Kundenservice statt auf´s Produkt

Als Mindest ist zum Start zunächst einmal wichtiger, sich auf den Kunden, beziehungsweise das Bedienen des Kunden zu konzentrieren als auf das Produkt. Denn das „Produkt“ steht hierbei nicht für die Leistung, die der Kunde am Ende erhält, sondern in den meisten Fällen letztlich für die technologische Plattform, mit der der Kunde bedient werden soll.

Von daher gilt es, als erstes im Auge zuhaben, dem Kunden überhaupt die Leistung in Form einer Problemlösung oder ähnlichem zu bieten, unabhängig von der technologischen Basis.
Dazu ein schönes Zitat:

„Customers don’t care how you get things done – just that you get it done and solve their pain.“

Ersetze Technologie durch Menschen

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Der komplizierteste Teil eines Web-Startups ist nun mal oft die Technologie, für die eigentlich die Programmierer zuständig wären. Wie soll man aber ohne die Technologie auskommen?

Raviv empfiehlt, die wirklich kritischen Teile des Verkaufs- und Leitungsprozesses im Zweifel durch menschliche Arbeit zu ersetzen. Hauptsache, der Kunde bekommt seine Leistung überhaupt. Er bringt dazu das Beispiel von David Quail, der zwar selbst Programmierer ist, aber seine Email-basierte Kalenderverwaltung ohne Programmieraufwand im Markt testen wollte.

Quail nutzte dazu eine einfache CC-Adresse für seine Kunden, und sortierte deren Emails manuell in der Art, wie es auch seine noch nicht fertige Software hätte tun sollen. Ergebnis: seine Kunden waren zufrieden, und er konnte den Service nach und nach den Kundenbedürfnissen anpassen und automatisieren.

Auf Standard-Lösungen setzen

Auch Tal Raviv weiß: Wenn man nur ein wenig recherchiert, lassen wich viele sehr praktikable Online-Tools finden, mit denen man eine Website aufbauen kann, die nach außen aussieht, als würde eine ganze Horde an Programmierern und Designern dahinterstehen.

Individualisierbare Standard-Lösungen sind der Schlüssel dazu. Das können zum Beispiel Web-Formulare, Payment-Anbieter oder Kunden-Support-Tools wie Zendesk sein.

Für nahezu jeden erdenklichen Einsatzzweck gibt es mittlerweile die passenden Tools, solange es nicht zu exotisch werden soll.

WordPress als Website-Basis

Zu den genannten Standard-Lösungen gehört natürlich auch WordPress. Dabei ist WordPress nicht einfach ein Tool für den einen Zweck, sondern eher als Zentrum zu sehen, mit dem die übrigen Tools interagieren. Wordpress selbst lässt sich mit den richtigen Themes und Plugins seinerseits umbauen zu einem Online-Shop, einem Social Network oder zu einer Deal-Seite.

Anstatt wochenlang einen Designer sozusagen „auf der grünen Wiese“ ein komplett neues Design kreieren zu lassen, bieten sich zum Start bei WordPress Premium Themes für umgerechnet rund 40 Euro, die sich zudem weitgehend individualisieren lassen.

Klar muss man sich in das Thema WordPress ein wenig einfuchsen, aber man muss dazu definitiv kein Programmierer sein.

Setze jetzt alles zusammen

Geht man jetzt zurück auf die Leistung, die man für den Kunden erbringen will, ist einfach mal Schritt für Schritt zu durchdenken, welche einzelnen Prozesse dafür abzulaufen haben. Und so weit es geht, sind diese nun mit den beschriebenen Tools und im Zweifel manuell umzusetzen. Vielleicht geht es nicht immer eins zu eins so, wie man es ursprüngliche plante, aber vieles geht halt auf diesem Wege.

Wenn jetzt die ersten Kunden da sind, wird das Bild der Plattform, wo sie sich hin entwickeln muss, viel klarer. Und es zeigt sich, ob es sich überhaupt lohnt, in aufwändige Programmierarbeit zu investieren.

Was werden Investoren davon halten?

Wenn Du irgendwann den Pfad des Bootstrapping verlassen willst, um den weiteren Aufbau durch externe Investoren zu finanzieren, was werden dann die möglichen Geldgeber von einer solchen improvisierten Lösung halten?

Nach Tal Ravivs Einschätzung werden sie das Ganze als clever einstufen, wenn sie ein wenig Ahnung haben.

Und: Es ist zumindest ein Prototyp da, es gibt möglicherweise die ersten kleinen Erfolge im Markt. Das ist Gold wert für Investorenpitches!

Und die Skalierung?

Wie kann ich meine aufgebaute Lösung skalieren, wenn mir plötzlich die Kunden die Bude einrennen? Tal Raviv empfiehlt hier Gelassenheit.

Normalerweise kommen die Kundenscharen nicht über Nacht. Stattdessen werden es eher sukzessive mehr und mehr, wenn es gut läuft. Es wird also genug Zeit geben, einen Übergang von der Startlösung zu einer total individuellen Highend-Lösung zu organisieren.

Zudem wird die Art, wie man die ersten 50 Kunden gewinnt eine andere sein als bei den nächsten 500. Also geht’s jetzt erstmal darum auf den allerersten Kunden zu fokussieren.

Fazit

Ich kann mir vorstellen, dass es zu der von Tal Raviv beschriebenen Herangehensweise sehr viele „Aaaaaaaber“-Sager gibt, die ein solches Konstrukt aus Standard-Lösungen anzweifeln. Denn sicher lässt sich nicht jede erdenkliche Plattform auf diesem Wege aufbauen, zumindest nicht in der Reinform, wie man sie am liebsten hätte.

Doch bewiesen ist mittlerweile vielfach, dass es geht. Und als Gründer ohne wahnsinniges Programmierwissen würde ich bei jedem neuen Projekt eine solche Herangehensweise immer einmal gedanklich durchspielen, um zu sehen, was mit Bordmitteln machbar ist. Der Vorteil, schnell und per Bootstrapping in den Markt gehen zu können, wiegt in meinen Augen die kleinen Nachteile des Nicht-Perfektionismus auf.

Und mehr als das: Der Ansatz schafft auch mehr Flexibilität im Anpassen an die reale Marktsituation, da ich mich nicht auf Gedeih und Verderb an eine große Programmierlösung verschreibe.

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