Die beste Entscheidung der letzten Jahre in unserem Unternehmen MeinSpiel war zweifelsohne die Hinwendung zum Thema Mass Customization, in unserem Fall mit der individuellen Produktion von Spielen, was einen absoluten Bruch mit unserem vorherigen Geschäftsmodell bedeutete.

Entwickelten wir bis ins Jahr 2007 noch eigene Spiele, um sie jeweils in vier- bis fünfstelligen Stückzahlen neben unserem Online-Shop im Buch- und Geschenkartikelhandel zu vertreiben, ging es nun um kundenindividuelle Produktionen.

Dies sind zwar einerseits ebenso Großauflagen im Auftrag von Firmenkunden, Agenturen oder Verlagen, aber eben auch Kleinstauflagen und Einzelstücke für Privatkunden. Damit entwickeln nicht mehr wir die Spiele, sondern unsere Kunden. Eine komplette Umkehr des Geschäftsmodells also, die sich schließlich in einem ordentlichen Wachstumsschub für unsere Firma auszahlen sollte.

Warum ein Strategiewechsel?

Die individuellen Gründe, warum man sein Geschäftsmodell umkrempelt, können ziemlich unterschiedlich sein. Ausschlaggebend ist aber sicher meistens, irgendwann schlicht zu erkennen, dass das ursprüngliche Geschäftsmodell nicht wie erhofft funktioniert, und man seine Stärken auf anderem Weg besser zum Einsatz bringen kann.

In unserem Fall kamen auch noch Kunden dazu, die teils gänzlich andere Leistungen anfragten und uns damit die entscheidenden Impulse gaben.

Zum einen waren dies sporadisch verschiedene Firmen, die jemanden suchten, der für sie Spiele für Werbezwecke produzierte. Eine Leistung, die wir eigentlich gar nicht offensiv anboten, aber schließlich dennoch erbrachten, ganz einfach weil wir die Abläufe in der Produktion gut kannten, und die Aufträge lukrative Nebeneinnahmen zu unserem dahindümpelnden Handelsgeschäft brachten.

Gleichzeitig kamen diverse Spieleentwickler und andere Kreative mit etlichen Produktideen auf uns zu, die wir in unserer Funktion als Verlag rausbringen sollten. Der Haken dabei: Wir sollten stets alles vorfinanzieren und damit die finanziellen Risiken der teils abenteuerlichen Spielideen tragen.

Insofern lehnten wir hier meistens ab, wobei uns aber die Anfragen eines zeigten: Es ist offensichtlich bei vielen Leuten ein Bedarf da, Produktideen auf kleinem Level umzusetzen, ohne große Investitionen zutätigen.

Die Konsequenzen

Mit den Impulsen unserer Kunden ließen wir uns also darauf ein, künftig auf individuelle Produktionen zu setzen. Im Ergebnis entwickelten wir daraus zwei neue Geschäftsbereiche über die neu entwickelte Plattform MeinSpiel.de:

  • Einzelstücke und Kleinstauflagen von online gestalteten Spielen für Privatkunden und
  • Projektgeschäft mit Großauflagen für Businesskunden.

Heute machen diese beiden Bereiche über 95 Prozent unseres Geschäfts aus, das auf dem Wege organisch gewachsen ist, und damit kaum noch etwas mit dem ursprünglich gegründeten Verlag zu tun hat.

Rückblickend ist sicher alles wirklich gutgegangen, wobei aber zwei Dinge hängen geblieben sind, die man aus meiner Sicht bei einem solchen Schwenk des Geschäftsmodells im Auge haben sollte:

  1. Mit dem Vernachlässigen des Altgeschäfts werden nach und nach immer mehr Erlöse wegbrechen.
  2. Der Aufbau des Neugeschäfts nimmt einige Zeit in Anspruch und frisst weitere finanziellen Ressourcen.

Beides zusammen birgt einen absoluten Engpass in sich, zu dessen Durchschreiten ein schnell wachsendes Neugeschäft, eigener Verzicht oder auch externes Geld erforderlich sind.

Das soll nun kein Abraten von einem solchen Strategiewechsel sein – im Gegenteil. Es sollte nur mindestens eine der genannten Optionen zur Bewältigung des Wechsels in Aussicht stehen und ausreichend sein.

Fazit

Insgesamt ist klar, dass es in bestimmten Situationen besser ist, nicht an alten Erlösströmen hängenzubleiben, sondern sich radikal Neuem zuzuwenden. Sei es nun aus aus wirtschaftlicher Einsicht, oder auch weil einem was anderes ganz einfach mehr Spaß macht.

Um das Neue klar vor sich zu sehen, und den Weg dorthin ebenso, lohnt es sich allemal, einerseits die eigenen Kunden genau zu beobachten, und andererseits ein möglichst klares eigenes Bild des Neuen zu skizzieren. Und dann: Brechstange statt Feinschliff.

Bildquelle: Andrzej Tokarski – Fotolia.com

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