In englischsprachigen Blogs und Magazinen lese ich in letzter Zeit immer wieder von Solopreneuren oder auch Micropreneuren, also Leuten, die Ihr Business im Stile von Tim Ferris als One-Man-Show aufbauen. Obgleich die Möglichkeiten dank Outsourcing und digitaler Business-Tools heute immer größer werden, ein solches Unternehmen zu gründen, hat sich ein entsprechendes Schlagwort hierzulande noch nicht durchgesetzt. „Ein-Mann-Betrieb“ klingt ja auch irgendwie langweilig. Wie dem auch sein, vielleicht bringt ja demnächst jemand eine solche Wortschöpfung. Interessanter ist dabei auch eher, wie man ein Solopreneur-Projekt zum Laufen bringt – und zwar nicht nur auf Sparflamme wie der kleine Krautler von nebenan, sondern kreativ und systematisch mit dem Ziel zu wachsen. Das Online-Magazin „Entrepreneur“ hat dazu kürzlich eine Liste mit folgenden sieben Tipps gebracht, hier als kurze Zusammenfassung:

1. Technologie einsetzen

Ob Newsletter-Versand, Social Media oder digitale Aktivitäten, so viel wie möglich sollte man automatisieren. Per Collaboration-Tools wie GoogleDocs oder Dropbox lässt sich immer leichter mit anderen im Netzwerk zusammenarbeiten. Dazu kommen VOIP-Services und andere Kommunikationstools, mit denen auch die kleinste Firma nach außen hin auf gleicher Augenhöhe mit alteingesessenen Platzhirschen auftreten kann.

2. Outsourcing

Einfach, flexibel und relativ kostengünstig lassen sich diverse Standard-Aufgaben des Solopreneurs outsourcen. Was ansonsten klassische Zeitfresser sind, wir ins Netzwerk augelagert.

3. Chancen suchen

Im Gegensatz zu großen Konzernen hat man als Solopreneur wie generell kleinere Unternehmen, den Vorteil, schnell und flexibel auf neue Chancen eingehen zu können.

4. Wie eine „normale“ Firma auftreten

Warum sollte man als kleine Firma was die Technik des Backoffice betrifft, nicht genauso am Markt auftreten wie ein Konzern? Carol Tice, Autorin des Artikels, empfiehlt dazu beispielsweise Online-Tools zur Rechnungserstellung wie FreshBooks. Auch für deutschsprachige Nutzer gibt es dafür mittlerweile ebenso eine ganze Reihe von Anbietern. Das Ganze spart nicht nur Zeit, sondern verhilft einem auch zu einem einheitlichen professionellerem Auftritt.

5. Investitionen in Wachstum

Ein weiterer Vorteil von Ein-Mann(oder-Frau)-Firmen und Kleinunternehmen liegt darin, dass man zunächst mal keinen großen finanziellen Overhead, also nur sehr geringe Fixkosten hat. Das sollte jedoch nicht dazu verleiten, überhaupt kein Geld ausgeben zu wollen. Denn so schön auch die Fantasien vom sich 100.000-fach selbst verbreitenden viralen Youtube-Spot sind: Marketing kostet nach wie vor Geld.

6. Das Ziel im Auge behalten

Man muss ja nicht den ganzen Tag mit dem Businessplan unterm Arm rumrennen, allerdings sollte man unbedingt jederzeit vor Augen haben, wo man eigentlich hinwill. Der Weg dahin und die Mittel dafür können sich schon ab und an ändern, nur das Ziel gehört klar anvisiert.

7. Rausgehen

Einige Solopreneure bleiben tagein tagaus in ihrem Homeoffice mit der Selbstentschuldigung, sie müssten ja arbeiten. Auf die Dauer könnte dieser Homeoffice-Käfig jedoch gefährlich werden. Carol Tice empfiehlt daher einfach rauszugehen, Kunden zu treffen und Networking-Veranstaltungen zu besuchen. Das erhöht nicht nur den Stapel der Visitenkartensammlung, sondern bringt einen ebenso auf neue Ideen und Geschäftsansätze.

4 Kommentare
  1. Florian
    Florian sagte:

    Hey. Super Artikel. Würde glatt in meinen Blog passen 🙂

    Wir sind zwar eher eine A-Man-And-A-Woman-Show anstatt einer One-Man-Show aber trotzdem haben wir schon fast alles oben genannte umgesetzt. Nur die wichtigen und geheimen Dokumente werden noch nicht in „der Cloud“ gespeichert. Da überwiegt dann doch wieder das deutsche Sicherheitsdenken. Leider…
    Ich glaube es ist grundsätzlich schon schwer, so einen Lebenssti wie Tim Ferris zu führen vor allem, wenn man sich eher auf der Dienstleistungsschiene bewegt. Die Kunden erwarten irgendwie immer, dass man im Büro erreichbar ist.

    Da wir ein reines B2B-Geschäft haben, stehen wir immer in Kontakt zu den Unternehmern selbst. Absolut jeder war bis jetzt ein so genannter Ich-Arbeite-Selbst-Und-Ständig-Unternehmer, die von einem erwarten, dass man selbst auch immer bis 20 Uhr im Büro sitzt…

    In diesem Sinne: Man sollte sich viel mehr trauen. Auch, wenn man dadurch Kunden verliert. In Großem und Ganzen ist man zufriedener. Da bin ich mir sicher…

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  2. Thorsten Kucklick
    Thorsten Kucklick sagte:

    Hallo Florian,
    sich mehr trauen, finde ich gut – und es muss ja nicht zulasten der Kunden sein. Denn: Erwarten die Kunden wirklich, dass man den ganzen Tag im Büro sitzt? Ich denke eher, dass eine gewisse Erreichbarkeit erwartet wird. Und dazu muss man nicht zwingend permanent am Telefon im Büro verbringen.
    Ich nutze zum Beispiel das ebuero, wo alle Anrufe aufschlagen, die bei uns gerade niemand entgegen nehmen kann. Dort gibt es für den Kunden zwar keine ausführlichen Beratungen, aber sein Anliegen wird in der Regel qulifiziert aufgenommen, und ich bekomme sofort eine Mail. So kann ich mich anschließend – von wo auch immer – dem Anliegen widmen und den Kunden zurückrufen.
    Da unsere Telefonate über VOIP laufen, bin ich ich auch andernorts erreichbar, oder ich kann die Kunden von irgendwo zurückrufen über meine normale Festnetznummer.
    Etwas komplexer ist es in meinen Augen mit der inneren Organisation des Unternehmens. Arbeitet man mit Mitarbeitern vor Ort, oder gibt es eine Logistik mit echten Waren, wird das Ganze schon kniffliger. Aber daran arbeiten wir gerade… 😉

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  3. Raphael Bolius
    Raphael Bolius sagte:

    @ Florian: Ich sehe das auch so, meine Kunden haben auch immer 1000 Fragen und wünschen sich eine nahezu ständige Erreichbarkeit. Am liebsten für lau. 😉 Wichtig ist es für Einzelkämpfer aber immer die Zeit, im Auge zu behalten, denn man kann nicht immer gratis zur Verfügung stehen. Als wesentlichstes Instrument zur Kommunikation mit meinen Kunden hat sich daher mein Blog (http://raphael-bolius.com/webdesignblog) herausgestellt, ich kann dort gezielt auf diese Kundenanfragen eingehen und schicke anderen, die das Selbe wissen wollen, dann nur noch den Link. Der Blog zeigt außerdem meine Kompetenz in den einzelnen Bereichen.

    Grundsätzlich sehe ich aber den Markt positiv und wachsend. Für viele meiner Kunden ist es ja so, dass sie sich gar keine Agentur leisten können oder wollen. Das wäre dann ja doch ein wenig „mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Die sind dann bei mir recht gut aufgehoben.

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