Bild zu Businessplan-Wettbewerben

Zum Start eines neuen Projektes steht für viele Startups die Frage: Sollen wir uns mit unserem Vorhaben bei einem Businessplan-Wettbewerb anmelden? Und wenn ja, bei welchem, oder besser: Bei welchen?

Für wen solche Businessplan-Wettbewerbe überhaupt sinnvoll sind, und auf was Du bei der Auswahl der einzelnen Wettbewerbe achten solltest, will ich in diesem Blogpost aufgreifen.

Bild zu Businessplan-WettbewerbenAm Wochenende war in Hamburg mal wieder Barcamp-Time. Über 400 Social-Media-Enthusiasten, ITler, Designer, Berater und auch ein paar Gründer strömten in die Hamburger Zentrale des Otto-Konzern, um neben dem guten Essen und dem Networking zu diskutierten über diverse Themen, vor allem aus dem Online-Bereich.

In meiner Session zum Thema Bootstrapping für Startups (Gründen ohne Kapital) kamen wir in der anschließenden Diskussion auch sehr stark auf ein Thema zu sprechen: Businessplan-Wettbewerbe, und ob, beziehungsweise inwieweit sie Startups überhaupt weiterbringen.

Ich hatte einige der Businessplan-Wettbewerbe kurz angerissen, an denen wir zum Start unseres Projektes “MeinSpiel” selbst teilgenommen hatten, und welche Learnings daraus bei mir hängen geblieben sind.

Welche Learnings sind das also im Einzelnen?

Für wen sich Businessplan-Wettbewerbe überhaupt eignen

Rechnest Du Dir den Erwartungswert der zu gewinnenden Preisgelder bei allen möglichen Businessplan-Wettbewerben aus, wird schnell ersichtlich: Rein finanziell sind die Wettbewerbe in Summe nicht wirklich lukrativ.

Wenn´s gut läuft, lässt sich ein kleines Gründerteam damit ein paar Monate über Wasser halten. Beziehst Du auch die Arbeitszeit für die Businessplan-Wettbewerbe mit ein, sind die Preisgelder eigentlich nur noch eine Art kleiner Monatslohn.

Soll heißen: Des Geldes wegen, musst Du Dir die Arbeit eigentlich nicht machen.

Wer vorhat, sich bei verschiedenen Ausschreibungen zu bewerben, sollte im Idealfall vorher relativ genau wissen, was er damit bezwecken will. Nur zu was sind die Businessplan-Wettbewerbe überhaupt gut, wenn es nicht die Preisgelder sind?

Nach den Erfahrungen unserer Wettbewerbsteilnahmen würde ich folgende Ziele sehen, die Du mit einer Teilnahme vorfolgen kannst:

Kontakte zu anderen Startups knüpfen

Auf Businessplan-Wettbewerben tummeln sich lauter andere Teams, die im gleichen Stadium stecken wie man selbst. Da kann es ganz interessant sein, wie andere Gründer ähnliche Probleme bewältigen. Und auch nach den Wettbewerben bleiben teils gute Kontakte bestehen.

Feedback erhalten

Wer ein Startup gründet, erntet im Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis oft neben wenigen kritischen Stimmen aufmunternde Worte und viel Schulterklopfen. Das mag für die eigene Motivation auch toll sein, inhaltlich bringt es Dich aber nicht weiter.

Ehrliche Kritik ist stattdessen gefragt. Und die kann es, je nachdem, wie eine Wettbewerbsjury besetzt ist, bei den Businessplan-Wettbewerben durchaus geben.

Mit potenziellen Investoren ins Gespräch kommen

Für Startups, die von Anfang an auf externes Kapital setzen wollen, können Businessplan-Wettbewerbe auch ein geeigneter Start sein. Denn hier und da sitzt natürlich auch der eine oder andere Investor in der Jury, oder Du hast auf der Rahmenveranstaltung eines Wettbewerbs gute Möglichkeiten entsprechende Leute anzusprechen.

Ob das nun erstrebenswert ist, sei mal dahingestellt, eine Chance ist es allemal.

PR zum Start bekommen

Die Siegerteams der Businessplan-Wettbewerbe können sich meist über ein paar gute Pressartikel freuen. Zumindest die einschlägigen Blogs und Magazine berichten in aller Regel über die Veranstaltungen und eben vor allem über die Teams.

An welchen Businessplan-Wettbewerben Du teilnehmen solltest, und an welchen nicht

Nun bringen wahrlich nicht alle Businessplan-Wettbewerbe alle genannten Vorteile in gleichem Maße mit sich. Im Gegenteil: Die von uns besuchten Businessplan-Wettbewerbe waren hinsichtlich des Ablaufs und des ganzen Rahmens äußerst unterschiedlich.

Insofern empfiehlt es sich im Vorfeld einige Dinge genau abzuklopfen, eh Du Dich auf ein womöglich aufwändiges Prozedere einlässt, das Dein Startup am Ende kein Stück weiterbringt:

Was wird an Bewerbungsunterlagen verlangt?

One-Pager oder kompletter Businessplan? Die Anforderungen der Veranstalter unterscheiden sich teils sehr stark.

Und wenn Du beispielsweise nicht schon einen fertigen Businessplan in der Schublade liegen hast, würde ich auch nicht empfehlen, extra für einen Businessplan-Wettbewerb einen solchen zu schreiben. Aufwand und Erwartunsgwert des Ertrags klaffen hier zu sehr auseinander. Verwende Deine Zeit lieber für sinnvollere Tätigkeiten an Deinem Startup.

Nach meiner (subjektiven) Erfahrung waren auch meist die Wettbewerbe mit den kompakteren Verfahren die interessanteren.

Wo findet der Businessplan-Wettbewerb statt?

Es liegt auf der Hand, zuallererst Wettbewerbe anzupeilen, die im näheren regionalen Umfeld stattfinden. Damit bleibt zumindest der Reiseaufwand in Grenzen.

Das soll nicht heißen, jeden beliebigen IHK-Wettbewerb auf Teufel komm´ raus mitzunehmen, und auch nicht perfekt passende Wettbewerbe abzusagen, nur weil Du ein paar hundert Kilometer reisen musst. Tendenziell, würde ich aber mal behaupten, haben Teams aus der Region bessere Gewinnchancen.

Wer sitzt in der Jury?

Hier lohnt es aus zweierlei Gründen genau hinzuschauen:

Zunächst mal kommen natürlich solche Veranstaltungen in Frage, bei denen Leute zur Jury zählen, die für das eigene Startup in irgendeiner Weise interessant sein könnten. Seien es Investoren, erfahrene Gründer oder vielleicht auch Journalisten.

Der zweite Grund beinhaltet einen ganz anderen Blickwinkel: Wenn Du weißt, welche Art von Juroren Deinen Pitch bewertet, kannst Du Dich auch entsprechend vorbereiten. Ich kann mich noch gut einen einen Businessplan-Wettbewerb erinnern, bei dem uns diese Erkenntnis (die wir leider erst später hatten) möglicherweise um einen fünfstelligen Betrag reicher gemacht hätte.

Also: Welchen beruflichen Hintergrund haben die Jury-Mitglieder im Einzelnen? Was ist sonst noch von Ihnen bekannt?

Kingt vielleicht banal, kann aber absolut entscheidend sein. So nützt es beispielsweise wenig, Deine Pläne zum Online-Marketing bis ins letzte Detail runterzurattern, wenn der Juror, mit dem Du sprichst, aus einer völlig anderen Branche kommt.

Diese Art der Vorbereitung soll nicht dazu führen, den Leute schlicht nach dem Mund zu reden, aber zu versuchen, deren Interessen- oder Kompetenzgebiet irgendwie aufzugreifen und eine Sprache zu wählen, die für denjenigen verständlich ist.

Fazit

Businessplan-Wettbewerbe lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Ziehst Du in Erwägung, an welchen teilzunehmen, solltest Du Dir definitiv Gedanken machen, aus welchen Gründen das überhaupt sinnvoll ist, welche Ziele Du damit also verfolgst.

Und anschließend schaue Dir die einzelnen Wettbewerbe genau an, und picke Dir wirklich nur die heraus, deren Aufwand überschaubar ist, und die Dich den Zielen Deines Startups wirklich näher bringen können.

Bildquelle: uLight.Me via photopin cc

2 Kommentare
  1. Hinnerk
    Hinnerk sagte:

    Danke für die guten Ratschläge, aber warum nicht konkreter?
    Bei aller Liebe zum kommt-auf-den-Einzelfall-an gibt es sicherlich Wettbewerbe im deutschsprachigen Raum welche generell empfehlenswerter und andere die in allen Belangen weniger empfehlenswert sind.

    Besteht die Gefahr einer Abmahnung bei der Nennung von Namen?

    Antworten
    • Thorsten
      Thorsten sagte:

      Die Gefahr einer Abmahnung besteht sicher nicht, wenn man mal denen einen oder anderen Wettbewerb in Frage stellt.

      Und ja, konkrete Empfehlungen wären sicher praktisch. Es ist in meinen Augen aber in der Tat nicht generalisierbar.

      Als Hamburger sage ich natürlich, den WebFuture Award finde ich gut, würde ich immer wieder hingehen. Einem Münchner Startup würde ich das natürlich nicht raten. Denn beispielsweise waren wir auf einem Wettbewerb in München, das aus Sicht der regionalen Teams gut organisiert war, für uns als Anreisende konnte man es jedoch ziemlich vergessen. Allein, dass wir zweimal anreisen mussten, war beknackt.

      Und dann kommt es bei vielen Wettbewerben auf das spezifische Geschäftsmodell an. Einige sind halt spezialisiert, oder man kann aufgrund der aktuellen Jury-Zusammensetzung erkennen, auf was der Schwerpunkt gelegt wird.

      Antworten

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