Timothy Ferris

Wer hier im Digitalbetrieb rumsurft, hat mit recht großer Wahrscheinlichkeit das Buch Die 4-Stunden-Woche“ von Tim Ferriss gelesen oder zumindest schon mal davon gehört. Schätze ich mal. Das liegt ganz einfach nahe, da Ferriss bei aller Streitbarkeit seiner Thesen einen echten Klassiker geschaffen hat, der in den letzten Jahren die Existenz einiger Unternehmen, vor allem rund um den Bereich Outsourcing,  geistig angestoßen hat. Und so manchen Blog dieser Liste würde es wohl ohne Ferriss´ Bestseller auch nicht geben.

So einleuchtend seine empfohlenen Methoden allerdings auch sind, so sehr hat Ferriss doch einen Baustein der „4-Stunden-Woche“ eher „unter ferner liefen“ abgehandelt, der in meinen Augen eine absolute Grundvoraussetzung zum Funktionieren des Ganzen ist:

Die „Muse“.

Nochmal kurz zum Verständnis sein Weg zur 4-Stunden-Woche:

Der DEAL – Definition, Elimination, Automation, Liberation

Timothy FerrissFerriss zeigt ziemlich nachvollziehbar und mit typisch amerikanisch lockerer Sprache vier elementare Schritte auf, über die man sein wöchentliches Arbeitspensum auf vier Stunden eindampfen kann – und das, während der (passive) Einkommensfluss aufs eigene Bankkonto immer größer wird. Na, wenn das nichts ist! Nur wie geht das?

Schritt 1: D = Definition

Hier geht´s erstmal um ganz grundsätzliche Einstellungen zum Business und auch zum Leben allgemein. Ferriss erklärt sich als Kritiker des Populären und ruft auf, allgemein akzeptierte Regeln zu hinterfragen und nötigenfalls zu überwinden. Hier wird sozusagen eine Art gedankliches Fundament gelegt.

Schritt 2: E = Elimination

Wer etwas auf die Beine stellen und sich dazu Freiräume schaffen will, sollte sich fokussieren. Das heißt: Weg mit allem, was stört: Unnütze Informationen, zum Beispiel. Ferriss empfiehlt dazu die „Low-Information Diet“ und selektive Ingoranz. Außerdem rät er des Nein-Sagen zu kultivieren und Störungen durch Mails, Telefon etc. abzustellen. Radikales Zeitmanagement.

Schritt 3: A = Automation

Jetzt wird´s langsam spannend. In diesem Kapitel bringt er nämlich eine recht praxisnahe Bauanleitung für ein Unternehmen, das die Basis des künftigen passiven Einkommens werden soll. Outsourcing ist der erste Grundsatz für die aufzubauende Company. Alles, was andere günstiger oder besser machen können, wird an externe Dienstleister ausgelagert. Eine konsequente Fortführung des Themas Elimination.

Und jetzt kommt der eigentliche Kern der Ferriss´schen Existenz, die materielle Basis alles weiteren: Die besagte Muse.

Die Muse nutzt Tim Ferriss quasi als Synonym für das eigentliche Geschäftsmodell. Man findet oder kreiert es, man testet es, und dann heißt es „Management By Absence“. Denn durch geschickte Automation sind die Unternehmsstrukturen und Geschäftsprozesse, so anzulegen, dass ein Rad ins andere greift, vom Verkauf über die Logistik bis in den Einkauf. Der Entrepreneur selbst kontrolliert seine Muse lediglich und ist zuständig fürs Finetuning. Zack, zack, zack und fertig.

So einfach es in diesem Kapitel klingen mag, so sehr ist es doch die Achillesferse des ganzen Buches.

Denn ein funktionierendes Business zu konzipieren und zum Laufen zu bringen, ist zwar bei den technologischen Möglichkeiten heute in der Tat schon mit wenig Mitteln möglich. Es erfordert dennoch erstmal einiges an kreativer Denkarbeit und kann streckenweise auch mal ein steiniger Weg sein. Allein dazu lohnt es sich ein komplettes Buch zu verfassen (wovon es ja auch schon so manche gibt). Bei Ferriss hingegen ist es ein kleines Unterkapitel, in dem die Muse schwuppdiwupp gefunden wird.

Aber nochmal weiter im Text, um die vier Schritte zu komplettieren…

Schritt 4: L = Liberation

Ab hier heißt es nur noch: Spaß haben. Ferriss erklärt in amüsanter Form, wie man dem Büro entflieht, wie man Mini-Ruhestände für sich gewinnt, und welche Vorteile ein mobiler Lebensstil mit sich bringt. Das macht Lust auf mehr und dient zudem als Motivation, die vorherigen Schritte 1 bis 3 auch so durchzuziehen.

Fazit

Mir hat das Buch trotz und teils auch wegen seiner Leichtigkeit wirklich gut gefallen, da es ganz einfach gute und praktikable Denkansätze liefert, die ich immer wieder versuche für mich zu nutzen.  Bei allem Enthusiasmus würde ich allerdings das Geschäftskonzept und seine praktische Umsetzung nicht unterschätzen.

Elimination, Outsourcing, Automation – all diese Dinge sind im Grunde für jeden Gründer absolut machbar. Tim Ferriss liefert die Anleitung dazu. Allein die Muse ist der Knackpunkt, mit ihrem Gelingen steht und fällt alles.

4 Kommentare
  1. Andrea
    Andrea sagte:

    Ja, das kann ich so unterstreichen 🙂 Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen – Aber der Teilbereich der Muse kommt zu kurz. Ferriss hat ja zum Beispiel mit einem Nahrungsergänzungsmittel seine Muse geschaffen (und inzwischen ergfolgreich verkauft). Was eigentlich einiges an Arbeit bedeuten sollte (Zulassungen, Rezeptur…) stellt er als ganz simpel hin. Und der Verkauf lief anscheinend auch sofort wie geschmiert… 🙂
    Welche guten Buchempfehlungen anderer Autoren gibt es denn zum Thema Muse? Gibt es hier im Blog bereits einen Artikel dazu?
    Danke, Andrea

    Antworten
    • Thorsten Kucklick
      Thorsten Kucklick sagte:

      Explizit zum Thema „Muse“ im Sinne von Tim Ferriss kenne ich eigentlich kein weiteres Buch. In die generelle Richtung geht sicher „Kopf schlägt Kapital“, und kürzlich ist auch von Chris Guillebeau das „100 $ Startup“ auf englisch erschienen, was ich da einordnen würde.
      Ansonsten gibt es hier im Blog ja das „Regal der Gründerbücher“ zum Durchschmökern.

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  2. Dominic
    Dominic sagte:

    Auch wenn etwas später… Das Buch „Kopf schlägt Kapital“ von Prof. Faltin ist sehr empfehlenswert. Ich lass es mir als Audiobook vorlesen und höre es immer wieder im Auto, wird nicht langweilig. Empfehlen kann ich auch „Like A Virgin“ von Richard Branson (er liest es selbst).

    Antworten

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