Gastbeitrag von René S. Klein, Mitgründer von Für-Gründer.de – das Portal für den Weg in die erfolgreiche Selbstständigkeit.

Für Startups, die Kapital zum Aufbau benötigen, aber nicht unbedingt auf den einen großen Investor setzen wollen, entwickeln sich zur Zeit zwei interessante neue Formen zur Finanzierung: Crowdfunding und Crowdinvesting heißen die beiden Schlagworte. Beide setzen auf die Finanzierung von Projekten und Startups durch die „Crowd“, also durch eine ganze Menge von Kleininvestoren.

Die Idee zu Crowdfunding stammt ursprünglich aus den USA und wurde zunächst vor allem bei der Finanzierung von Musikproduktionen angewandt. Ins Deutsche übersetzt, bedeutet Crowd „Ansammlung“ oder „Menschenmenge“ – oft wird auch von Schwarmfinanzierung gesprochen.

Daten und Fakten zu Crowdfunding 2011

Fast 500.000 € für 170 Projekte aus den Bereichen Musik, Film, Theater, Design oder Kunst konnten auf den fünf deutschen Crowdfunding-Plattformen inkubato, mySherpas, pling, Startnext und VisionBakery im Jahr 2011 eingesammelt werden.

René Klein von Für-Gründer.de

Insgesamt haben auf den Portalen 442 Projekte im Jahresverlauf 2011 um die Gunst der Unterstützer geworben. Somit ergibt sich eine Erfolgsquote von 38 %, und der durchschnittliche Betrag pro Projekt lag bei 2.694 €. 24 Projekte konnten jedoch auch mehr als 5.000 € erzielen. Der Höchstbetrag von über 26.000 € stand für einen Dokumentarfilm Bar25 zu Buche.

Als populäre Plattform aus den USA hat kickstarter.com 2011 beispielsweise fast 12.000 erfolgreiche Projekte verzeichnet, und die kleinen Geldgeber stellten den Projekten nahezu 100 Mio. USD in Aussicht. In Deutschland markiert 2011 als Startjahr für Crowd funding, nachdem zunächst Ende 2010 die ersten zwei Projekte erfolgreich finanziert wurden.

Führende Crowdfunding-Plattform war zum Jahresabschluss 2011 weiterhin Startnext. So erreichte Startnext in Bezug auf das Gesamtjahr 2011 einen Anteil von etwas über 50 % des vermittelten Kapitals. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass mehr als jeder zweite Euro über Startnext ging. Auf Platz 2 beim vermittelten Kapital lag mySherpas (22 %), und Platz 3 belegte pling (10 %).

Startnext vereinte zudem 61 % der erfolgreichen Projekte und wies Ende 2011 73 aktive Projekte auf, während die anderen Plattformen zusammen auf 32 Projekte kamen. Ende 2011 befanden sich in der Projektpipeline der fünf Plattformen somit 105 Projekte, die ein sehr breites Spektrum an Vorhaben aufwiesen. Das daraus resultierende Finanzierungsvolumen dürfte zwischen 110.000 und 140.000 € liegen.

Wie funktioniert Crowdfunding?

Gründer, Kreative oder Initiativen können auf einer Internetplattform ihre Projekte per Text, Bild und Video vorstellen und für eine Finanzierung werben. Merkmal des Crowdfundings ist, dass die Unterstützung durch viele Menschen mit Kleinstbeträgen – oft schon ab 1 € – erfolgt.

Crowdsourcing

Die Gegenleistungen für die finanzielle Unterstützung sind häufig immaterieller Natur oder werden als Sachleistungen gewährt. Bei einer CD-Produktion können dies das Album als MP3 oder eine Erwähnung im Booklet sein – abhängig von der Höhe der Unterstützung.

Dabei funktioniert Crowd funding nach dem Prinzip „Alles oder nichts“ – nur wenn die angestrebte Summe im vorgegebenen Zeitraum erreicht ist, wird das Geld überwiesen.

Crowdfunding wird aber auch in Eigenregie durchgeführt, wie 2011 einige Projekte eindrucksvoll belegt haben. Gründer aus Bremen erreichten auf diesem Weg ihr Finanzierungsziel von 20.000 € für einen Cup Cake-Laden und die Macher des Kinofilms Stromberg sammelten in einer Woche 1 Mio. € ein.

Geld für Startups mit Crowdinvesting: viele kleine Business Angels

Während das Finanzierungsvolumen bei Crowdfunding-Projekten in Deutschland oft noch deutlich niedriger ist als in den USA, bietet Crowdinvesting einen vielversprechenden Ansatz zur Mittelaufnahme für kapitalintensive Startups. Die Geldgeber erwerben dabei Unternehmensanteile, die einen Anspruch auf einen Anteil am Unternehmensgewinn ermöglichen oder zu einem späteren Zeitpunkt weiterverkauft werden können.

Zu den Crowdinvesting-Plattformen zählen in Deutschland Innovestment, Mashup Finance und Seedmatch. Die Mindestbeteiligung reicht dabei je nach Plattform von 100 € bis 1.000 €.

Auf Seedmatch und Innovestment waren in den letzten 5 Monaten 2011 insgesamt sechs Finanzierungen erfolgreich. In Summe erreichte das eingesammelte Kapital 519.250 €. Oft wurde der angestrebte Betrag der Start-ups übertroffen und die Maximalsumme von 100.000 € pro Start-up erzielt.

Zu den finanzierten Startups auf den Portalen gehören bspw. Cosmopol – ein Onlineshop für besondere Souvenirs, NeuroNation – eine Plattform für Gedächtnisübungen oder Particular – ein Produzent von Nanopartikeln. In einer Rekordzeit von 60 Stunden erreichte das Unternehmen smarchive 100.000 € auf Seedmatch. Auf Mashup Finance ist im Januar 2012 mit Munich Distillers das erste Unternehmen an den Start gegangen.

Seedmatch hat interessante Daten zu den kleinen Business Angels veröffentlicht: So zählte die Plattform über 3.300 registrierte User von denen 350 aktive Investoren 557 Investments getätigt haben. Der Durchschnitt pro Investment lag bei 627 €. 95 % der Investoren sind männlich und zwei Drittel der Investoren haben in ein Start-up investiert. 24 % beteiligten sich an 2 Start-ups.

Fazit

Obwohl Crowdfunding und Crowdinvesting in Deutschland noch in den Kinderschuhen stecken, waren die ersten Gehversuche durchaus beeindruckend. Beide Finanzierungsformen richten sich an ein sehr unterschiedliches Publikum. Crowd funding eröffnet vor allem Kreativen eine Möglichkeit Projekte umzusetzen, für die aufgrund der geringen Größe und des Themenschwerpunkts keine klassischen Finanzierungswege offenstehen.

Crowdinvesting hingegen ist für innovative Startups interessant, die ein wachstumsstarkes Geschäftsmodell vorweisen können. Insbesondere die in Deutschland oftmals schwierige Anschubfinanzierung kann hierdurch deutlich erleichtert werden.

Wir (Für-Gründer.de) sehen enormes Potenzial für Crowdfunding in Deutschland. In unserem Basisszenario gehen wir von einem Zuwachs um mindestens 40 % auf 640.000 € im Jahr 2012 aus.  Wenn die kleineren Plattformen noch genügend Spielraum für eine Offensive besitzen, um auf den Marktführer Startnext aufzuschließen, ist auch eine Steigerung auf über 900.000 € möglich. Für Crowdinvesting halten wir 2012 einen Betrag von 4 bis 5 Mio. € auf den bestehenden Plattformen für machbar.

Der Crowdfunding-Monitor 2011 von Für-Gründer.de steht zum Herunterladen auf dem Portal zur Verfügung unter „Crowdfunding-Monitor“. Er erscheint jeweils vierteljährlich nach Quartalsende neu.

2 Kommentare
  1. Thomas
    Thomas sagte:

    Ein sehr informativer Artikel. Das Interesse an Crowdfunding wächst auch hier bei uns immer weiter an und einige können dadurch tatsächlich tolle Projekte auf die Beine stellen, obwohl das Eigenkapital dafür fehlt. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen darauf zurückgreifen.

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  1. […] Wir haben das Buch selbst mit einer großen Portion Startup-Spirit aufgezogen und es durch Crowdfunding finanziert und im Selfpublishing […]

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