Zum Arbeiten als Remote Team gibt es vielerorts immer noch eine ganze Reihe von Vorbehalten. Doch spätestens im Zuge von Corona sind selbst konservativste Mittelständler gezwungen, ihre Mitarbeiter und Teams ganz oder teilweise remote zu organisieren.

Wenn Du als Unternehmer Dein Team remote aufstellen willst, stellen sich natürlich nach wie vor die gleichen Fragen: Wer stellt sicher, dass alle an einem Strang ziehen, statt sich auf die faule Haut zu legen? Wie kommt der Einzelne mit dem Allein-Arbeiten klar?

Zu diesen und weiteren Aspekten der ortsunabhängigen Team-Arbeit gibt´s hier 10 Lektionen, die ich größtenteils durch eigene Erfahrungen gesammelt habe:

Vertrauen in die Verantwortung des Remote Teams

Remote arbeitende Mitarbeiter brauchen in meinen Augen mehr Vertrauen in ihre eigene Verantwortung. Es geht im Prinzip gleich morgens los. Niemand prüft, ob und wann wer zur Arbeit kommt. Jeder hat dies selbst in der Hand und muss dann auch wissen, was im Laufe des Tages zu tun ist.

Jeder im Remote Team muss selbst entscheiden, wie er seine Arbeit macht, und in welcher Zeit er es macht. Wenn man jemanden dafür abstellen würde, dies immer zu kontrollieren, würde die Sache wohl recht ineffizient werden.

Zwei Möglichkeiten tragen zum Funktionieren eines solchen Systems bei:

  • Du setzt auf Leute, die verlässlich gute Ergebnisse beisteuern. Und das klappt bei vielen umso besser, wenn diese ihren eigenen Rhythmus bestimmen.
  • Das Team steht tagtäglich in engem Austausch, wodurch letztlich eine Präsenz für jeden unabdingbar ist.

Remote Meetings mit Bedacht ansetzen

Ich kenne es noch aus meiner Zeit in der Konzernwelt: Etliche Meetings mit vielen Beteiligten werden angesetzt, wo es vielfach nur um Status-Updates und andere Abstimmungen geht. Nüchtern betrachtet kann davon vieles auch ruck zuck per Email oder mit ein paar Telefonaten abgehandelt werden.

Stattdessen wird in der klassischen Arbeitswelt mit dem Meeting-Aktionismus insgesamt aber eine Geschäftigkeit vorgetäuscht, die einzelne Akteure nicht selten zur reinen Selbstprofilierung nutzen. Meetings sind oft absolute Zeitfresser.

Und das ist eine Chance für´s Umstellen auf Remote Teams: Nutze die Umbruchsituation, und ändere die Meeting-Kultur.

Setze Video-Chats mit mehreren Leuten nur noch an, wenn es wirklich notwendig ist, dass ein Dialog stattfindet.

Daneben empfehle ich für das Remote Team ein wöchentliches Meeting, um einfach den Kontakt zu pflegen und Status-Updates zu geben. Da muss es auch keine Agenda geben. Es genügen in meinen Augen 30 Minuten, auch wenn es nur um Klatsch und Tratsch geht.

Routine zum Start in den Tag

Wann beginnt eigentlich der Arbeitstag? Im klassischen Business stellt sich die Frage gar nicht, in der Ortsunabhängigkeit können solche Fragen für einige hingegen zur Last werden.

routine fuer remote teamDu könntest zwar den ganzen Tag im Schlafanzug zuhause rumhängen und an den Rechner gehen, wann Du lustig bist. Was aber im ersten Moment vielleicht reizvoll klingt, bringt auf die Dauer aber nur Stress.

Der Stress entsteht durch die tägliche Notwendigkeit neu zu entscheiden, wann es denn wie losgehen soll. Zudem sind andere Team-Mitglieder immer im Ungewissen, wann wer ansprechbar ist.

Befreie Dich von diesem unnötigen Stress, indem Du eine Routine für Deine Arbeitszeiten und und den generellen Ablauf am Morgen etablierst. Das klingt zwar vielleicht banal, aber ich denke, jeder Selbständige weiß, wie wichtig solche Routinen sind.

Gesundheit hat Prio 1 im Remote Team

Auch wieder so eine scheinbare Binsenweisheit. Klar ist Gesundheit für jeden absolut wichtig, als unabhängiger Mitarbeiter muss das Augenmerk darauf jedoch größer sein als im klassischen Arbeitsverhältnis.

Der Grund liegt vor allem darin, dass Du im klassischen Business meist Strukturen vorfindest, durch die Du zum Beispiel feste Mittagszeiten oder Feierabendzeiten hast. Solche Strukturen begünstigen auch im Freizeitbereich feste Zeiten für Sport oder ähnliches.

Wenn Du täglich selbst über Deine Zeiten verfügen kannst, und nicht auf eine Kantine angewiesen bist, ist es Fluch und Segen zugleich.

Neben der Möglichkeit seine Arbeitszeiten dem eigenen natürlichen Rhythmus anzupassen und sich wirklich gesund zu ernähren, lauert die Gefahr genau das zu vernachlässigen, sei es aus Faulheit, sei es aus mangelnden Koch- oder Essengeh-Optionen, oder sei es ein Mangel an sozialer Kontrolle, die im Homeoffice in der Regel nicht da ist.

Nichtstun fliegt auch im Remote Team auf

nichts tun im remote teamWenn es um ortsunabhängige Arbeit mit einem Remote Team geht, habe ich schon öfter den Einwand gehört, dass einzelne Leute sich dann einfach unbemerkt ´nen lauen Lenz machen, während andere schuften. Hat ein Unternehmen jedoch Unternehmen funktionierende Strukturen, ist das Gegenteil der Fall.

Dass es Leute gibt, die versuchen zu schummeln, indem sie sich auf die Faule Haut legen, kann theoretisch überall vorkommen. Doch dass solche Leute in Remote Teams schneller auffallen als im normalen Großraumbüro, klingt zwar unlogisch, ist aber so.

Während es im klassischen Büro etliche Möglichkeiten gibt, Arbeit und Wichtigkeit durch allerlei schauspielerische Manöver vorzutäuschen, hat das Remote Team nur einen einzigen Gradmesser für die Arbeit. Und das sind schlicht die realen Ergebnisse dieser Arbeit.

Auf Dauer kann sich hier also keiner rausreden, wenn er regelmäßig nur dünne Ergebnisse beisteuert und sich aus der Sachdiskussion in Projekten heraushält.

Nutze Emoticons ✌️

Ich gebe zu, früher fand ich die ganzen Smiley in Chats, Emails und SMS ziemlich albern, und habe weitgehend darauf verzichtet. Mittlerweile habe ich mich aber damit angefreundet, denn diese sogenannten Emoticons sind doch recht nützlich, wenn man über längere Strecken nur schriftlich kommuniziert.

Nicht jeder hat schließlich den gleichen Humor, und so können einzelne Leute bestimmte Nachrichten auch mal “in den falschen Hals” bekommen 😉 . Gerade, wenn man sich noch nie physisch getroffen hat, lassen sich mit den grinsenden, besorgten, jubelnden und zwinkernden Gesichtern schnell Brücken schlagen.

Vor allem, wenn mal negatives Feedback angesagt ist, können Emoticons kleine diplomatische Dienste leisten.

Und es geht auch nicht nur darum, dass die “Chemie” stimmt. Es geht ganz grundsätzlich darum, überhaupt verstanden zu werden, und das ist nun mal die Basis aller Zusammenarbeit.

Remote arbeiten, aber eng verbunden sein

Stellt man sich ein Remote Team so vor, dass etliche Mitarbeiter alle allein an ihren einsamen kleinen Schreibtischen irgendwo auf der Welt sitzen, ist das ein irreführendes Bild.

Gut konstruiert kann es für die einzelnen Mitarbeiter tatsächlich so sein, als wenn man morgens in ein gemeinsames Büro kommt. Gemeinsame Tools und Kommunikationskanäle wie Skype oder Slack machen das möglich. Jeder Mitarbeiter sagt morgen „Hallo!“ und kann einfach angepingt werden, was oft zu schnelleren Feedbacks führt als interne Anrufe in klassischen Unternehmen.

Es ist einfach ein Mix aus direkter und asynchroner Kommunikation, der jeden Einzelnen zeitweise trennt aber auch immer wieder mit der allen anderen verbindet.

Das Remote Team braucht wenig Büro, aber gute Ausstattung

Für einen vernünftigen Arbeitsplatz sind keine großartigen Gerätschaften und ähnliches nötig. Um als Remote Team gut arbeiten zu können, ist im Grunde nur ein Rechner mit funktionierender Internet-Verbindung, ein Headset, ein Notizbuch und ein Stift. Ladekabel können auch nicht schaden.

arbeitsplatz für remote team

Mit diesem leichten Set lässt sich am Strand, auf der Terrasse, an Campingtischen, auf Sofas, in Hotels, in Coworking-Spaces und sogar im Bett arbeiten. Besser ist allerdings ein fest eingerichteter Arbeitsplatz. Denn da sparst Du Dir das ständige Technik-Gefrickel, bevor es losgeht.

Anmerkung: Dies ist eine überarbeitete Version eines früheren Artikels.

Das 1.000-Euro-Startup:
Wie kannst Du Dein Business mit minimalem Budget aufbauen?
Immer mehr Gründer machen sich die Strategien und Techniken des „Bootstrapping“ zunutze. Das wichtigste Rüstzeug zum Einstieg dazu bekommst Du im Gratis-Ebook "Das 1.000-Euro-Startup".
Trage deine Email Adresse unten ein, und Du bekommst das Ebook und weitere Bootstrapping-Tipps kostenlos.

Gratis-Ebook "Das 1.000-Euro-Startup" mit Newsletter anfordern!

Du kannst Dich mit 1 Klick abmelden. Datenschutz

Mit der Anmeldung stimmst Du zu, dass ich Dir meinen Newsletter per Mail sende, und dass ich Deine eingetragenen Daten zu diesem Zweck verarbeite. Du kannst dies jederzeit mit einem Klick widerrufen und Dich so vom Newsletter abmelden. Dann werde ich Deine Daten löschen, und Du bekommst keine Newsletter-Emails mehr. Mehr zum Datenschutz...

8 Kommentare
  1. Sebastian Fahrenkrog
    Sebastian Fahrenkrog sagte:

    Hi Thorsten

    Danke für den Artikel.

    Das Buch „The Year Without Pants: WordPress.com and the Future of Work“ ist hier auch absolut lesenswert für weitere Einblicke in die Arbeits und Teamkultur von WordPress.

    VG
    Sebastian

    Antworten
  2. Roland
    Roland sagte:

    Sehr interessanter Artikel. Da ich durch meine Selbstständigkeit nur im Homeoffice arbeite konnte ich viele Punkte wiedererkennen.
    Ich könnte mir derzeit garnicht vorstellen, in einem normalen Job in einem Büro zu arbeiten. Dafür habe ich in meinem Job im Homeoffe viel zu viele Freiheiten, die ich so nie hätte.

    Antworten
  3. Nikolai Shulgin
    Nikolai Shulgin sagte:

    Ich stimme Dir zu Thorsten, das Nichtstun bei dezentral organisierten Teams im Ergebnis schneller auffällt. Allerdings erst, wenn auch konkret Ergebnisse gefordert werden. Und dann kann es bereits zu spät sein. Daher stellt dezentrales Arbeiten einige Herausforderung an Führungskräfte, u.a. was die Leistungsmessung und Qualitätssicherung angeht. Darauf bin ich in meinem Blog eingegangen: http://www.bitrix24.de/for-entrepreneurs/home-sweet-home-so-gelingt-das-dezentrale-arbeiten-aus-dem-home-office.php

    Antworten
    • Thorsten
      Thorsten sagte:

      Da kann ich nur zustimmen. Leichtfertiges Delegieren ohne klare Ziele kann dezentral schnell zu Chaos führen. Deinen Post zu dem Thema ist hier in meinen Augen eine echt gute Ergänzung.

      Antworten
  4. Philipp
    Philipp sagte:

    Hallo Thorsten,

    toller Artikel. Habe viele Dinge aus meinem vergangenem Berufsleben wiedererkannt. Was dezentralen Teams glaube ich helfen kann, sind die richtigen Kommunikations-Tools. In unserem Team bei sipgate testen wir derzeit Slack. Wir haben das Tool in einem YouTube-Bericht mal durchleuchtet: http://www.arbeitaberanders.de

    Ich glaube besonders für das arbeiten und integrieren von Freelancern kann Slack sehr interessant sein.

    Beste Grüße
    Philipp von sipgate

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.