Experte Theme nebenberuflich selbständig
Experte Theme nebenberuflich selbständig

Erik Renk

Nebenberuflich selbständig zu sein ist sicher einer der elegantesten Wege zum eigenen Unternehmen. Erik Renk (einfachstartup.de) hat diesen Weg in die Selbständigkeit vor zehn Jahren angetreten und sich damit einen Lebenstraum verwirklicht. 

Im heutigen Gastbeitrag zeigt er, was Du alles beachten musst, wenn Du Dich nebenberuflich selbständig machen willst, und wie Dein Start per Bootstrapping gelingt.

Erik, it´s your turn!

Wer sich selbstständig macht, muss nicht nur seine Kosten reduzieren, sondern auch eine Doppelbelastung aushalten – dies gilt insbesondere für die nebenberufliche Selbstständigkeit. Nichtsdestotrotz ist es der ideale Einstieg in die Selbstständigkeit: Das finanzielle Risiko wird minimiert und neue Ideen, Produkte oder Dienstleistungen können problemlos und risikofrei am Markt getestet werden. Ich nenne es den Bootstrapping-Gründungsprozess.

Laut KFW Gründermonitor 2015 haben sich im Jahr 2014 915.000 Menschen selbstständig gemacht. Davon hat sich der Großteil von 522.000 Gründern dazu entschlossen, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Besonders bei Frauen ist der Start in die nebenberufliche Selbstständigkeit beliebt.

Definition der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Was heißt es überhaupt, nebenberuflich selbstständig zu sein? Nebenberuflich selbstständig ist, wer einen Hauptberuf ausübt und sich sozusagen als zweites Standbein eine nebenberufliche Tätigkeit aufbaut.

Wichtig dabei ist, dass der normale Job den Arbeitsmittelpunkt bildet und mit dem Nebengewerbe weniger verdient wird als mit dem Hauptjob. Der Zeiteinsatz von 18 Stunden pro Woche, der in die nebenberufliche Selbstständigkeit investiert wird.

Anmeldung eines Haupt- oder Nebengewerbes

Wer in § 18 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) genannt wird, gilt als Freiberufler. Unter anderem zählen hierzu Ärzte, Heilpraktiker, Rechtsanwälte, Notare, Architekten, Lehrer und Journalisten. Der große Vorteil für diese Berufsgruppen ist, das sie kein Gewerbe anmelden müssen und somit auch nicht gewerbesteuerpflichtig sind. Eine schriftliche Meldung über die Aufnahme der Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt reicht aus.

Zudem sind Freiberufler nicht Pflichtmitglieder in der Industrie- und Handelskammer wie alle anderen Gewerbetreibenden. Allerdings gibt es für einzelne Berufe wie Ärzte und Rechtsanwälte eigene Kammern und Zugehörigkeiten.

Egal, ob man sich nebenberuflich selbstständig macht oder hauptberuflich ins kalte Wasser springt, in beiden Fällen muss beim Gewerbeamt ein Gewerbe angemeldet werden, sofern man nicht unter den §18 EStG fällt. Die relevanten Daten werden vom Gewerbeamt an das Finanzamt, an die IHK sowie an die Berufsgenossenschaft zwecks Unfallversicherung weitergegeben.

Das Finanzamt sendet dir darauf hin den steuerlichen Erfassungsbogen zu. Als nebenberuflich Selbständiger musst du bei der Gewerbeanmeldung “wird vorerst im Nebenerwerb ausgeübt“ ankreuzen. Als Gewerbetreibender bist du gewerbesteuerpflichtig, allerdings hast du als Einzelunternehmer pro Gewerbe einen Freibetrag in Höhe von 24.500 € jährlich.

Als Gewerbetreibender ist die mit Mitgliedsbeiträgen verbundene Mitgliedschaft bei der IHK Pflicht. Sofern in den letzten fünf Jahren weder Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit noch aus der Land- oder Forstwirtschaft erzielt wurden, können Existenzgründer für die ersten zwei Jahre ganz von IHK-Beiträgen befreit werden und in den beiden darauffolgenden Jahren teilweise. Wichtig ist, dass der Gewerbeertrag in den Gründungsjahren 25.000 € nicht übersteigt.

Nebenberuflich selbständig und Sozialabgaben

Warum ist es überhaupt wichtig, die zeitlichen und wirtschaftlichen Grenzen einzuhalten? Der große Vorteil ist, dass du auf Einnahmen aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen musst, also auch keinen Krankenversicherungsbeitrag. Dies ist besser als eine Gehaltssteigerung, von der meistens nicht mal die Hälfte übrig bleibt. Krankenversichert bist du über deinen Arbeitgeber.

Wenn du den Status hauptberuflich selbstständig bekommst, muss die Krankenversicherung über die Selbstständigkeit finanziert werden. Das wären rund 15,5 % auf die erzielten Gewinne. Der Mindestbeitrag bei der Krankenversicherung liegt bei circa 300 Euro im Monat. Für Empfänger von Unterstützungsmaßnahmen wie Arbeitslosengeld 1 liegt der Betrag bei circa 200 € im Monat.

Wenn du hauptberuflich selbstständig bist, kannst du auch in die private Krankenversicherung wechseln. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, empfehle ich dir eine Statusfeststellung bei deiner Krankenversicherung.

Was in punkto Steuern zu beachten ist

Umsatzsteuer:

Auch im Hinblick auf die Steuern ist es unerheblich, ob eine neben- oder eine hauptberufliche Selbstständigkeit vorliegt. Sämtliche Geschäftsvorgänge müssen mittels einer Buchführung akribisch festgehalten werden. Mit Ausnahme von gewissen Pauschalen müssen bei der Steuererklärung sämtliche selbstständigen Einkünfte angegeben und versteuert werden.

Wenn abzusehen ist, dass die erzielten Umsätze vorerst eher gering sein werden, kann es sinnvoll sein, die Kleinunternehmerregelung nach §19 Umsatzsteuergesetz zu wählen. Du wirst aus Sicht des Finanzamtsamts als Nichtunternehmer gesehen und brauchst keine Umsatzsteuer abführen oder in den Rechnungen ausweisen. Das müsstest du als Regelunternehmer monatlich tun, was einen gewissen Zeitaufwand und finanziellen Einsatz für einen Buchhalter kostet.

Die Kleinunternehmerregelung kann in Anspruch nehmen, wer im vergangenen Jahr unter 17.500 € Umsatz gemacht hat und im voraussichtlichen Wirtschaftsjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 € Umsatz machen wird.

Einkommenssteuer:

Nach Ablauf des Geschäftsjahres ist jeder Unternehmer dazu verpflichtet, seinen Gewinn zu ermitteln. Eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung darf erstellen, wer weder im Handelsregister eingetragen ist, noch als Kaufmann gilt und die Grenze von 600.000 Euro für Umsätze und 60.00 Gewinn (§141 AO Abgabenordnung) unterschritten hat.

Werden diese Grenzen überschritten, muss eine Gewinn- und Verlustrechnung und eine Bilanz erstellt werden. Ich habe meine damaligen Einnahmen-Überschuss-Rechnungen ganz auf Bootstrapping-Art mit einer Software gemacht. Die Kosten der Software beliefen sich auf 24,90 € (Steuerspartipps) und etwa sechs Stunden Zeiteinsatz. Wer sich unsicher ist, sollte dennoch einen Steuerberater hinzuziehen, auch wenn diese hohe Stundensätze abrechnen.

Zusätzliche Regelungen für Angestellte, Beamte, Studenten und Arbeitslose

Angestellte:

Grundsätzlich sind Nebentätigkeiten nicht genehmigungspflichtig, sofern Sie folgende Kriterien erfüllen:

1) Die Nebentätigkeit steht nicht in Konkurrenz zur Haupttätigkeit.
2) Die Arbeitskraft wird voll eingesetzt.
3) Eine im Arbeitsvertrag vermerkte Informationspflicht sollte jedoch auch aus eigenem Interesse eingehalten werden.

Studenten:

1) Familienversicherte Studenten dürfen maximal einen Gewinn von 405 € monatlich erzielen, um familienversichert zu bleiben .
2) Es gibt keine Hinzuverdienstgrenze beim Kindergeld mehr.

Arbeitslose:

(Regelung bezieht sich auf ALG1)

1) Ab einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 15 Stunden gilt man nicht mehr als arbeitssuchend.
2) Maximaler Hinzuverdienst: maximal 165 € im Monat. Anrechnung auf das Arbeitslosengeld bis 405 €.

Gründe für die nebenberufliche Selbstständigkeit

Nebenberuflich in die Selbstständigkeit zu starten kann viele Gründe haben: Manche Menschen testen, ob es sich wirtschaftlich lohnt, das Hobby zum Hauptberuf zu machen, oder ob die Idee oder das Produkt überhaupt Absatz findet.

Andere fühlen sich durch ihren Hauptjob nicht ausgelastet und möchten sich in einem zusätzlichen Betätigungsfeld selbst verwirklichen.

Wieder andere möchten risikofrei feststellen, ob sie dem Abenteuer Selbstständigkeit gewachsen sind, einer drohenden Arbeitslosigkeit vorbeugen oder sich ein zweites Standbein aufbauen.

Meine Erfahrungen in der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Ich würde mich immer wieder selbstständig machen und kann nur jedem empfehlen, diesen Schritt zu wagen. Die nebenberufliche Selbstständigkeit bietet einen relativ geschützten Rahmen, um auszuprobieren, ob man als Unternehmer glücklich wird.

Selbst wenn das Produkt, die Dienstleistung oder die Idee nicht genügend Profit erwirtschaftet, gewinnt man wertvolle Erfahrungen und entwickelt sich in einem Maße weiter, wie man es als Angestellter oder Arbeiter höchstwahrscheinlich nicht getan hätte. Wer sich mit den Grundlagen des Geschäftslebens vertraut gemacht hat und als Selbstständiger praktische Erfahrungen gesammelt hat, bleibt außerdem flexibel und handlungsfähig – beides Eigenschaften, die in der heutigen Arbeitswelt echte Schlüsselqualitäten sind.

Gerade das Online-Business bietet hervorragende Chancen, um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Da das Einkommen durch den Hauptjob gesichert ist, kann wesentlich entspannter die Zeit investiert werden, die notwendig ist, um eine Website und mit ihr das beworbene Produkt oder die Dienstleistung bekannt zu machen.

Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass die nebenberuflich selbstständig zu sein mit einem hohen Zeiteinsatz verbunden ist, da die gleichen administrativen Anforderungen entstehen wie bei einer hauptberuflichen Selbstständigkeit. Es ist wichtig, sich ausreichende Erholungspausen und Zeit für Sport zu nehmen, damit man langfristig leistungsfähig und erfolgreich bleibt.

Auch wenn beim Start in die nebenberufliche Selbstständigkeit viele Fragen und Hürden auftauchen können, gibt es für mich keine bessere Möglichkeit seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, als mit dem Start in die neben- oder hauptberufliche Selbstständigkeit.

1 Antwort
  1. Simone
    Simone sagte:

    Toll geschrieben. Ja nebenberuflich selbständig machen ist definit zu empfehlen egal in was für einem Bereich. Solange man sich nicht auf eine dieser „schnell-reich-über-nacht“ Geschichten einlässt.
    Aber leider schauen die meisten doch lieber 3 Stunden TV jeden Tag, anstatt diese Zeit in den Aufbau eines eigenen Business zu investieren. Das sind pro Jahr ca. 130 – 8 Stunden Arbeitstage die man sinnlos vergeudet.
    Niemand will heutzutage mehr „geld verdienen“ sondern nur noch „Geld geschenkt“ bekommen, also mehr Geld ohne was dafür zu tun.

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