Nebenberuflich GründenMeinen allerersten Schritt in die Selbständigkeit habe ich gemacht, während ich noch in einem Hamburger Großverlag beschäftigt war. Ich hatte nebenbei meine Diplomarbeit (“Auswirkungen von Online-Medien auf Tageszeitungen”) per Postmailings an diverse Verlage verkauft und mir damit eine nette Nebeneinnahmequelle verschafft.

Das gab mir schließlich den Kick für den kompletten Übertritt in die Selbständigkeit.

Ein solcher Einstieg ist in meinen Augen für alle Leute ideal, die sich vielleicht noch nicht richtig sicher sind, ob ihre Idee wirklich marktreif ist, oder die auch einfach die (zumindest kurzfristige) Sicherheit der Festanstellung nicht missen wollen.

Mein aktuelles Projekt UltraPress ist im gewissen Sinne auch eine nebenberufliche Gründung, denn daneben arbeite ich weiter an MeinSpiel und natürlich an diesem Blog.

Der große Vorteil am nebenberuflichen Gründen ist vor allem, dass man grundsätzlich in die Selbständigkeit reinschnuppern und eine Geschäftsidee testen kann. Es gibt beim nebenberuflichen Gründen aber auch eine Reihe von Dingen, die im Vorfeld zu durchdenken sind, und davon will ich in diesem Artikel sechs näher beleuchten:

Suche Dir ein Homeoffice-kompatibles Geschäftsmodell

Wer nebenberuflich gründet, kann in der Regel keine eigene Fabrik hochziehen oder andere Großprojekte managen, die ein regelmäßige Präsenz erfordern. Suche Dir also ein Geschäftsmodell, das Du vom Homeoffice aus steuern kannst.

Ähnlich sieht es mit dem Thema Kunden aus. Regelmäßige Kundentermine, die sich flexibel nach den Wünschen der Kunden ausrichten, sind im begrenzten Zeitfenster der nebenberuflichen Selbständigkeit kaum zu machen. Die Art der Kundenbeziehung sollte also ebenso im Geschäftsmodell berücksichtigt werden.

Plane mit wenig Kapitalbedarf für die Gründung

Wer mit einem Nebenprojekt zu einem potenziellen Investor geht, hat dort grundsätzlich schlechtere Karten als jemand, der zeigt, dass er auf “All in” spielt, also sich mit vollem Arbeits- und Zeiteinsatz einem Projekt widmet.

Ebenso ist der Zeitaufwand für die Kapitalakquise selbst nicht zu unterschätzen. Das Finden eines Investors ist quasi ein eigenes Projekt, das die Arbeitszeit eines Nebenjobs bedarf. Deshalb mach´ es besser per Bootstrapping.

Und überhaupt: Willst Du das ganz große Ding mit Team und ordentlich Kapital stemmen, kannst Du Dich auch gleich komplett in die Selbständigkeit stürzen.

Stecke einen klaren Zeitrahmen ab

Faktor Zeit ist knappe Ressource in der Selbständigkeit – und das gilt umso mehr für die nebenberufliche Selbständigkeit. Du wirst voraussichtlich Freizeiteinbußen haben, und möglicherweise wird auch Dein Hauptjob leiden.

Um jetzt nicht permanent herumzueiern zwischen Hauptjob, Nebenprojekt und Freizeit, mache einen klaren Zeitrahmen für alle drei Bereiche. Wann genau bist Du wo präsent? Und wieviel Zeit widmest Du den einzelnen Bereichen?

Sprich über Deine Geschäftsidee

Viele Leute glauben, sie dürften niemandem von Ihrer weltrevolutionären Geschäftsidee erzählen. Es könnte ja Nachahmer auf den Plan rufen. In meinen Augen ist diese Sorge ziemlich unbegründet.

Nachahmer kommen normalerweise nicht aufgrund einer Idee, denn davon gibt es zigtausende, die immer irgendwo kursieren. Nachahmer werden vor allem durch Erfolg anderer angestachelt. Und spätestens wenn die eigene Geschäftsidee erfolgreich ist, kannst Du es sowieso nicht mehr verhindern, dass auch andere es mitbekommen.

Das Diskutieren mit anderen über die eigene Geschäftsidee bringt eher Vorteile, in erster Linie, dass Du wichtige Impulse und hilfreiche Kritik bekommst.

Und noch ein weiterer wichtiger Punkt: Sobald Du Teile Deiner Freizeit für Dein Nebenprojekt einsetzt, wird das auch Deine Familie und Freunde tangieren. Gemeinsame Zeiten werden weniger, und regelmäßige Treffen müssen vielleicht abgesagt oder eingedampft werden.

Damit Du hier auf Verständnis stößt, und die Zeiten anders regeln kannst, erzähle allen Betroffenen am besten so früh wie möglich von Deinem Vorhaben, und vor allem der zeitlichen Komponente.

Melde ein Gewerbe an

Diese verfluchte Bürokratie! Was ist da denn alles zu beachten?

Erstmal gar nicht so viel: Melde einfach bei Deiner örtlichen Behörde ein Gewerbe an. Denn die meisten Gewerbe brauchen zunächst nur einen Gewerbeschein. Und den bekommst Du ohne großes Tamtam.

Alles Steuerrechtliche und so weiter würde ich dann mal mit ´nem Steuerberater besprechen, wenn es aktuell ist, das heißt, wenn nennenswerte Einnahmen fließen oder entsprechende Kosten entstehen, die steuerlich absetzbar sind.

Ansonsten konzentriere Dich lieber auf die Umsetzung Deiner Geschäftsidee im Markt.

Mach´ es nicht halbherzig

Gerade das “neben” in “nebenberuflich” kann dazu verleiten, den Schlendrian einkehren zu lassen. Hach, es ist ja nur ein Nebenprojekt!

In meinen Augen braucht man mit so einer Einstellung eigentlich gar nicht erst loszulegen, dafür wäre mir die Zeit zu wertvoll.

Ohne den wirklichen Willen, ein Projekt zumindest in den Markt zu bringen und dort real zu testen, kann ein Projekt schnell Schiffbruch erleiden, indem es in einem Wust aus scheinbaren externen Verpflichtungen und Selbstentschuldigungen untergeht.

Mach´ es volle Pulle, oder geh´ lieber Angeln oder Eis essen.

Fazit

Nebenberuflich Gründen ist ein durchaus gangbarer Weg in die Selbständigkeit. Dank immer mehr Möglichkeiten zur Organisation einer virtuellen Unternehmensstruktur ist dieser Gang auch für immer mehr Arten von Geschäftsmodellen möglich. Welche das sind, sollte man im Vorfeld jedoch genau durchdenken, denn das nebenberufliche Gründen birgt zur vollen Selbständigkeit doch einige markante Unterschiede.

Ideal zum nebenberuflichen Gründen: Willst Du Deine Geschäftsidee für unter 1.000 Euro auf die Schiene setzen, hol´ Dir das kostenlose Ebook “Das 1.000-Euro-Startup”!

 

photo credit: Todo-Juanjo via photopin cc

5 Kommentare
  1. Dagmar Ruth Vogel
    Dagmar Ruth Vogel sagte:

    Danke für den Artikel! Gerade die angesprochenen moderen Möglichkeiten (Internet) eröffnen vielfältige Wege. Interessant finde ich den Aspekt: „Sprich darüber“, denn Nachahmer kommen automatisch mit dem Erfolg.
    Dagmar Ruth Vogel

    Antworten
  2. Ö-Elmar
    Ö-Elmar sagte:

    @ „Alles Steuerrechtliche“ –>ich habe mir Angebote von Steuerberatern eingeholt – jedoch waren die Ergebnisse ernüchternd – bei 1-5 Belegen pro Woche, die von einem Angestellten des Stb. ins BMD eingegeben werden + monatliche Meldungen ans Finanzamt („Steuertermine“), werden ca. € 100 pro Monat verlangt. Hat jemand günstigere Alternativen parat?

    Antworten
  3. Moritz
    Moritz sagte:

    Sich erst nebenberuflich selbständig zu machen halte ich auch für vernünftig. Ein Freund von mir hat es genau so gehandhabt, er hatte eine Vollzeitstelle und daneben sein Gewerbe. Als dies so gut lief dass er kaum mehr Zeit hatte, verringerte er seine Arbeitsstunden des Angestelltenverhältnisses von 40 auf 30 Stunden und als er es sich leisten konnte, kündigte er es ganz. Es gibt gennügend Leute, bei denen die Selbständigkeit ein Flop wurde.

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