Bootstrapping ist auf den ersten Blick eigentlich ganz einfach: Es geht schlicht darum, ein Startup ohne externes Kapital in den Markt zu bringen, um es mit eigenen Erlösen weiterzuentwickeln. 

Doch vielleicht ist es gerade diese Einfachheit, die einige grundlegende Dinge ausblendet. Denn es spielt auch das richtige Mindset eine wichtige Rolle beim Bootstrapping:

  • Mit welcher Grundeinstellung gehe ich an ein Bootstrapping-Projekt heran?
  • Worüber muss ich mir beim Bootstrapping im Vorfeld klar sein?
  • Welche Erwartungen sind realistisch, welche sind unrealistisch?

Wie ich darauf komme?

In meinem Workshop zum Bootstrapping beim Solopreneurday (7. September 2013) ergaben sich vielfältige interessante Diskussionen rund um das Thema Bootstrapping (Der Inhalt meines Workshops ist übrigens sehr schön bei Deutsche-Startups zusammengefasst). Und am Ende des Solopreneurdays kristallisierten sich für mich drei wichtige Erkenntnisse heraus:

  • Die Resonanz auf den Solopreneurday war wirklich überwältigend. Alle Tickets waren innerhalb weniger Tage verkauft, und die Teilnehmer kamen sogar zum größten Teil von außerhalb Hamburg und nahmen damit teils größere Anreisen auf sich.
  • Das  Thema Bootstrapping ist gerade für Solopreneure interessant, da diese ihre Projekte ohne ein zu finanzierendes Team starten. Und das gilt sowohl für Einsteiger in die Selbständigkeit, als auch gestandene Unternehmer.
  • Unterschätzt habe ich das Thema Mindset zum Bootstrapping, ein Aspekt, der viel mehr in den Fokus gehört.

 

Plenum beim Solopreneurday

Plenum beim Solopreneurday

Welche Faktoren gehören nun zu diesem Mindset? Was ist also zu beachten?

Einiges, was mir davon im Nachgang des Events durch den Kopf gegangen ist, möchte ich hier mal ohne Anspruch auf Vollständigkeit auflisten:

Markttests statt Perfektionismus

Es kommt nicht auf Das perfekte Produkt oder die perfekte Startup-Infrastruktur an, sondern darum so schnell wie möglich in den Markt zu kommen, um sich mit ersten Umsätzen weiterzuentwickeln.

Schlüsselfaktor Marketing

Marketing ist beim Bootstrapping DIE zentrale Unternehmensfunktion. Denn: Ohne Marketing, keine Umsätze.

Schon vor dem Start solltest Du mögliche Marketingkanäle identifizieren, die es dann nacheinander zu testen gilt.

Prozesse anfangs selbst durchlaufen

Outsourcing oder Delegation an Mitarbeiter oder Partner sind in vielen Bereichen (vor allem im Marketing) erst der zweite Schritt.

Wer glaubt, schön in der Komfortzone bleiben zu können, um sich nicht auch selbst die Hände schmutzig zu machen, tappt schnell in die Bequemlichkeitsfalle.

Vergiss getting rich quickly

Bootstrapping und die Notwendigkeit, sich auf erste Umsätze zu fokussieren, haben nichts zu tun mit schell reich werden. So etwas versprechen nur Scharlatane und Vollidioten.

Beim Bootstrapping (so wie ich es interpretiere) geht es stattdessen um das Aufbauen von nachhaltigen und nutzenstiftenden Geschäftsmodellen.

Reinvestiere die Erlöse

Bootstrapping mit maximal 1.000 Euro heißt nicht, dass man insgesamt nur Ausgaben in diesem Maße hat. Sobald die ersten Umsätze reinkommen, gilt es diese zu großen Teilen zu reinvestieren.

Die 1.000 Euro müssen für die reine Infrastruktur reichen, um ein Produkt in den Markt zu bringen und mit ersten Low- und No-Budget-Marketing-Aktionen zu testen. Für die Weiterentwicklung und das kontinuierliche Marketing ist logischerweise auch ein permanenter  Zustrom an Erlösen nötig, der somit die Lebensader des Startups darstellt.

Jetzt! Machen!

Warte nicht auf ein Startzeichen von irgendwo oder irgendwem. Es wird nicht kommen, wenn Du nicht selbst die Initiative ergreifst. Starte Dein Projekt jetzt!

Diese Auflistung hat wie gesagt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hast Du weitere Faktoren zum Bootstrapping auf der Pfanne? Dann schreib´ Sie doch in die Kommentare.

4 Kommentare
  1. Elmar Kreß
    Elmar Kreß sagte:

    Hallo Thorsten, hallo an alle Leser,

    als Teilnehmer war für mich der Solopreneur Day eine gute Möglichkeit, mein Geschäftsmodell noch mal vorzustellen und Meinungen von Leuten einzuholen, die auch „im Thema“ sind. Hieraus ergab sich eine Tendenz, die ich noch als Faktor nennen möchte:

    Halte das Geschäftsmodell eher einfach und skalierbar.

    Zu viel Komplexität beeinflusst die Mehrzahl der oben genannten Faktoren direkt negativ. Sie schränkt einen insbesondere ein, wenn man sein Geschäftsmodell immer wieder durch Markttests anpasst und hierzu in kleinen und schnellen Schritten vorgeht.
    Die Gefahr, dass jemand anders das Geschäftsmodell kopiert, besteht natürlich. Aber die oben genannte Fortentwicklung durch kleine schnelle Schritte kompensiert dieses.

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  2. Torsten Oertel
    Torsten Oertel sagte:

    Hallo Thorsten,

    die „weite“ Anreise zum Solopreneurday hat sich auf alle Fälle gelohnt. Es war ein sehr inspirierender Tag, auch Dank Deines Workshops.

    Für mich gehört in die Auflistung noch der Gedanke nach Vernetzung und Gedankenaustausch. Gerade, wenn man als Solopreneur unterwegs ist, sollte das fehlende, eigene Team durch andere Formen der Kommunikation mit Gleichgesinnten ausgeglichen werden. Zumindest geht es mir so.

    Zum Mindset gehört auch dazu, seine Idee durchaus frühzeitig „öffentlich“ zu diskutieren und keine Angst davor zu haben, dass sie geklaut wird. Bessere Prüfsteine als die Fragen von unbeteiligten Dritten gibt es aus meiner Sicht nicht.

    Beste Grüße, Torsten

    Antworten
  3. Dagmar Ruth Vogel
    Dagmar Ruth Vogel sagte:

    Hallo Thorsten, hallo an alle anderen,
    auch für mich hat sich die Reise nach Hamburg sehr gelohnt. Unter gleichgesinnten „Solo´s“ zu sein, war sehr inspirierend. Und ich kann Dir, Torsten, nur zustimmen. Wenn die Idee mal eine gewisse Größe hat, dann mitteilen und besprechen. das hilft, dass sie schneller größer werden und wachsen kann.
    Beste Grüße an alle!
    Dagmar Ruth

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