Startup-Fachbücher

Startup-Fachbücher Es ist schon ein kleine Weile her, da hatte ich hier eine kleine Vorausschau auf das neue Startup-Buch “The Ultralight Startup”* von Jason Baptiste gegeben und eine Beurteilung dazu angekündigt. Durchgeackert habe ich das Ding auch längst, und jetzt will ich es auch richtig vorstellen.

Allerdings nicht als einziges Buch, denn ich bin der Meinung, wenn man von “The Ultralight Startup”* spricht, kommt man um das Buch “The Lean Startup”* von Eric Ries nicht herum. Das eine hat für mich eine Menge mit dem anderen zu tun.

Dabei lohnt es sich zu beginnen mit “The Lean Startup”. Here we go…

Lean Startup als fundierte Grundlage

Lean-Startup-Autor Eric Ries scheint sehr gründlich zu sein. Mit wissenschaftlicher Präzision hat er mit dem Lean-Startup-Konzept ein Verfahren entwickelt, das sich sehr verkürzt auf folgende Schritte zusammenfassen lässt:

  • Entwickle ein Produkt mit minimalem Umfang, also eines, das möglichst schnell auf den Markt gebracht werden kann. Er nennt es das “minimal viable product” (MVP).
  • Teste es im Markt mit realen Usern oder Kunden. Beobachte haargenau die entscheidenden Parameter, wie Klickraten, Kauf-Conversions etc.
  • Passe das Produkt an, und teste eine verbesserte Version.

Dabei muss das MVP in seiner minimalen Form keineswegs komplett funktionsfähig sein. Es genügt ein Design, das das fertige Produkt simuliert. Wenn im Backend anfangs noch improvisiert wird, kann es den ersten Kunden in der Regel egal sein.

In dem beschriebenen Zyklus spielen für Ries Ansätze wie Sales Funnel oder A/B-Tests eine große Rolle, die als statistische Zahlenbasis für die Tests und Anpassungen dienen.

Dabei ist besonders wichtig, den Wachstumsmotor eines Startups oder eines Produkts zu identifizieren, also die Parameter, die letztlich entscheidend sind für das weitere Wachstum.

Die reine Beobachtung des Umsatzes zum Beispiel zeigt in vielen Fällen nur eine Art End-Symptom. Umsatzzuwächse sind zwar toll, beweisen aber noch nicht, dass ein Geschäftsmodell besser wird. Verantwortlich für´s Wachstum können eher andere Größen sein, wie Marketingkosten pro Neuanmeldung und/oder Kundenwert.

Ich würde Lean Startup schon als eine Art Standardwerk bezeichnen, denn es enthält nicht nur ein Sammelsurium von Tipps, sondern basiert auf auf etlichen Statistiken und geht sehr in die wissenschaftliche Richtung.

Ab und an schießt Ries zwar für meinen Geschmack über´s Ziel hinaus, wenn er das Konzept neben Online-Startups auf diverse andere Felder ausweiten will, oder wenn es allzusehr statistisch wird, grundsätzlich lohnt sich die Lektüre aber auf jeden Fall, wenn man neue Produkte oder Online-Projekte launchen will.

Ultralight Startup gibt Praxistipps

Wie sieht es nun mit “The Ultralight Startup”* aus?

Jason Baptiste, Autor des Buches, hat “Lean Startup” gelesen – und zwar bevor er sein Buch an den Start gebracht hat.

Das soll keinesfalls heißen, Baptiste hätte abgekupfert, aber in gewisser Weise baut er auf dem Lean-Sartup-Ansatz auf. Und zwar tut er das, indem er den Ansatz in der Praxis mit dem eigenen Startup umsetzt und daraus lauter praktikable Tipps ableitet, die für sich genommen meist weniger strategisch sind als operative Todo´s für den Launch neuer Produkte.

Baptiste zeigt beispielsweise konkrete Vorgehensweisen auf, wie man die ersten Kunden gewinnen kann. Dazu illustriert er jede Strategie jeweils mit einem realen Startup als Praxisbeispiel. Dropbox ist eines dieser Beispiele, mit dem die Referral-Programm-Strategie erklärt wird.

Wie zuvor Eric Ries plädiert auch Baptiste für die Devise “Möglichst schnell launchen!”, um reales User-Feedback zu erhalten, um Kunden zu gewinnen, und damit die ersten Euros in der Kasse klimpern.

Die Akquise von externem Kapital kann dagegen ziemlich zeitaufwändig werden. Insgesamt kommen die wenigsten Startups für den kompletten Prozess vom Businessplan bis zur Freigabe des Kapitals durch den VC mit weniger als sechs Monaten aus. Schnelller geht´s vielleicht vom Crowdinvesting, Zeit und Arbeit muss aber auch in diese Art der Kapitalbeschaffung gesteckt werden.

Deshalb ist für Baptiste der schnelle Launch immer die bessere Alternative, so er ohne externes Geld machbar ist. Das Venture Capital kann dann im nächsten Schritt reingeholt werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Proof of Concept ist erbracht. Das Geschäftsmodell funktioniert also.
  • Es fließen Umsätze (was meist mit dem Proof of Concept einhergeht). So ist man gegenüber den VCs deutlich unabhängiger und in besserer Verhandlungsposition.

Leute, die ihr Business per Bootstrapping von Null aufbauen und ohne Kapital oder Branchen-Connections loslegen, bekommen mit “The Ultralight Startup” einen guten Fundus zum Vorantreiben ihrer Projekte.

Fazit

Das Ultralight Startup ist streng genommen kein wirklich eigenes Konzept, was aber nicht heißt, das Buch sei schlecht. Stattdessen greift es wie gesagt die Gedanken von Lean Startup auf und zeigt in einzelnen Schritten, was man als Gründer genau zu beachten hat, wie man konkret vorgehen sollte, um per Bootstrapping sein Startup ins Rollen zu bringen.

Von daher würde ich “The Lean Startup” als das Standardwerk sehen mit seinem fast wissenschaftlichem Anspruch, und “The Ultralight Startup” ist das Praxishandbuch für denjenigen, der nach dem Lean-Startup-Ansatz ganz praktisch loslegen will.

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4 Kommentare
    • Thorsten Kucklick
      Thorsten Kucklick sagte:

      Ja, es geht schon in die Richtung, was wirklich konkret umsetzbare Tipps bzw. Tutorials angeht. Im Unterschied zum „$100 Dollar Startup“ zielt es aber eher auf Startups, die nicht als „Small Business“ angelegt sind, sondern auf starkes Wachstum setzen.

      Antworten
  1. Philipp
    Philipp sagte:

    Hi Thorsten,
    ich habe mir „Lean Startup“ zu Gemüte geführt und ich bin wie du der Meinung, dass es sehr hilfreich ist und für (angehende) Gründer als Standardwerk zu sehen ist. Auch wenn es teilweise doch sehr in die Tiefe geht und damit nicht immer leicht zu lesen ist.

    Zum Thema Bootstrapping lese ich gerade „Business Model Generation“ von A. Osterwalder – ein super Buch, das an sich schon ein interessanter Business-Case ist: die Autoren haben sich vorgenommen, das Thema „Business-Bücher“ neu zu betrachten und haben stark auf Visualisierung gesetzt. Das Buch enthält also viele Bilder/ Zeichnungen und ist dadurch gut zu lesen und leicht verständlich. Sehr empfehlenswert – dazu passend hier ein link zum Autor bei einem interessanten Vortrag http://www.youtube.com/watch?v=jMxHApgcmoU

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