Profilbild_Dirk_Fuhlhage 2012Heute gibt es mal wieder einen Gastbeitrag aus Praktikerpersepektive.

Dirk Fuhlhage schreibt darüber, wie Du als Gründer den Kern Deiner Geschäftsidee findest, zum Start unnötige Komplexität vermeidest, und Dir Deine Unabhängigkeit bewahrst.

Dirk ist Gründer und Betreiber von tafoto, einer Buchungs- und Bewertungsplattform für Fotografen. Außerdem hat er die Seite Websitebuilder-Test ins Leben gerufen, auf der er Homepage Baukästen testet und vergleicht, um Einsteigern eine solide Entscheidungsbasis für oder gegen ein System zu bieten.

Und los geht´s …

Weil einfach, einfach, einfach ist.

Dieser Werbespruch ist als Wortspiel genial und beinhaltet eine wesentliche Botschaft, die man sich auch als Gründer zu Herzen nehmen sollte:

Keep it simple!

Wenn man eine Idee für ein neues Unternehmen Projekt hat, dann fängt man gemeinhin mit einer Recherche an, was es in dem Bereich bereits gibt. Schon während dieser ersten Recherche sieht man vieles, was der jeweilige Themenbereich noch mit sich bringt und was auch die eigene Idee bereichern könnte. Hier lauert schon die erste Komplexitätsfalle, denn je mehr man sich in eine Thematik herein denkt, desto mehr Möglichkeiten sieht man. Dabei kann es passieren dass die Ursprungsidee auf der Strecke bleibt.

Ich möchte das am Beispiel meines Startups tafoto verdeutlichen.

Finde deinen Ball

Mit Geschäftsideen ist es ähnlich wie mit dem Fußball spielen. Wer spielen will braucht einen Ball, ohne Ball kein Fußball-Spiel. Es ist dabei egal ob man alleine ist, oder eine ganze Mannschaft zusammen hat, ohne Ball kein Spiel.

Es ist ebenfalls egal, ob der Ball ein Fußball, Tennisball, Volleyball oder eine alte Blechdose ist, man kann mit allem spielen, aber ohne den Ball geht es nicht. Zuschauer, Schiedsrichter, Flutlicht, grüner Rasen, Tore, Stadion, alles schön Features, aber das einzig essentielle zum spielen ist der Ball – ohne Ball kein Spiel.

Was ist der Ball deiner Idee? Was ist das Essentielle deines Plans, ohne das deine Idee nicht mehr funktioniert?

Diese Frage war für mich in der Konzeptionsphase sehr wichtig. Ich möchte mit tafoto eine Plattform für Fotografen aufbauen und das Essentielle an der Plattform ist: Fotografen. Alle tollen Features die ich mir überlegte stehen fein säuberlich in einer Liste, aber im ersten Schritt brauchte ich Fotografen. So banal es sich anhört, aber sich immer wieder vor Augen zu halten was das Essentielle ist stärkt den Fokus und die Klarheit einer Idee.

Starte klein

Während meiner Zeit bei einem Risikokapitalgeber habe ich gesehen, wie schnell Geld verbrannt werden konnte wenn es nicht das eigene ist. Eine neue Idee sollte von jetzt auf gleich wie ein großes Unternehmen mit dutzenden Mitarbeitern wirken, auch wenn es nur das Gründerteam mit ein paar Praktikanten gab.

Ideen werden schnell unflexibel, wenn man zu groß startet.

Oft merkt man erst mit der Zeit, dass das ursprüngliche Geschäftsmodell nicht funktioniert und daher angepasst werden muss. Wenn klein gestartet und getestet wird behält man die Beweglichkeit, an dem Projekt so lange zu schrauben, bis ein funktionierender Weg gefunden wurde.

So erging es mir auch bei tafoto, die Grundidee war es, Online Händler mit Produktfotografen zusammenzubringen. Die Produkte sollten dann per Post zum Fotografen geschickt werden und der Händler sollte die Produktfotos digital zugesendet bekommen. Ich wollte mir je vermittelten Auftrag eine kleine Provision vom Auftragsvolumen abschneiden.

Schöne Idee im ersten Schritt, aber ich habe die Komplexität dieses Modells gänzlich unterschätzt.

Von da an ging die Justierung und Vereinfachung des Modells los, um die Idee umsetzbar zu machen. Aktuell ist das Modell zu einer reinen online Buchungsplattform geworden, auf der Fotografen in der Nähe gefunden und angefragt werden können.

Von dem provisionsbasierten Geschäftsmodell bin ich auch ziemlich schnell wieder weggekommen, da jeder Auftraggeber vor dem Zuschlag mindestens einmal direkten Kontakt zum Fotografen gehabt haben sollte und ich als Plattform damit außen vor gewesen wäre. Stattdessen gibt es einen einfachen Mitgliedschaftspreis für Fotografen, ein einziger Preis für alle, keine 5 verschiedenen Modelle.

Flaschenhälse vermeiden

Der berühmte Bottleneck oder auch Flaschenhals gehört zu den gefährlichsten Ideenkillern und kann dazu noch in unterschiedlichsten Erscheinungsformen auftreten. Gemein haben sie alle, dass man sich in eine gewisse Abhängigkeit begibt. 3 mögliche Flaschenhälse, die mir bisher über den Weg gelaufen sind und gemieden werden sollten:

1. Potentielle Partner

Mit Partnern zu gründen, ist sicher nicht verkehrt, aber man sollte die Umsetzung seiner eigenen Idee nicht davon abhängig machen, ob jemand mit zieht oder nicht. Die Lebenssituation des potentiellen Partners kann durch den Job oder private Hindernisse entweder zu einem kompletten Scheitern der Idee oder zumindest zu einer enormen Verzögerung führen.

2. Abhängigkeiten bei Umsetzung

In meinem Beispiel tafoto arbeite ich bei der technischen Umsetzung mit einer Agentur zusammen, da ich leider nicht selber programmieren kann. Das hat den Vorteil, dass ich meine operative Arbeitszeit anderweitig einsetzen kann, aber gleichzeitig den großen Nachteil, dass Neuerungen und Änderungen immer auch in die Agenda der Agentur passen müssen und ich jeden Furz vorher kommunizieren muss. Das frisst richtig viel Zeit und manchmal auch Nerven.

3. Externes Kapital

Ein externer Geldgeber interessiert sich für die Rendite seines Investments, der Rest ist erstmal zweitrangig. Wenn bestimmte Milestones nicht erreicht werden ist der Geldhahn schnell zu und die aufgebauten Strukturen sind nicht mehr finanzierbar. Wann immer es geht sollte ein schneller Cash Flow generiert werden, mit dem sich das Projekt selbst finanziert, klappt das nicht von Anfang an, bieten sich Nebentätigkeiten an, um die Miete und Brötchen zahlen zu können, so habe ich auch die Startphase finanzieren können.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass einige Fallstricke auf dem Weg der Umsetzung einer Idee liegen, die es zu vermeiden gilt. Eine Idee an sich ist schnell da, aber nur wenn sie auch umgesetzt wird kann man herausfinden ob sie wirklich gut ist.

5 Kommentare
  1. stooni
    stooni sagte:

    Sehr guter Beitrag, finde ich wichtig!

    Wichtig ist auch diese Punkte nicht aus den Augen lassen, d.h. immer wieder mal überprüfen stimmt alles noch oder gibt es Bereiche wo man zu grosse Kompromisse eingegangen ist!

    Auch der Ablauf der Kommunikation in einer Geschäftsbeziehung ist nicht zu vernachlässigen, wenn diese konstant und transparent ist, kann man viele Probleme umschiffen!

    —stooni

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  2. Tobias
    Tobias sagte:

    Schön auf den Punkt gebracht.

    Zu tafoto: Finde es clever, mit Einladungscode zu arbeiten. So weckt man bei den Fotografen Begehrlichkeit und bei den Nachfragern erzeugt es die Sicherheit, dass nur qualitativ gute Fotografen auf der Plattform sind. Alles gute für den Auf- und Ausbau!

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  3. Dirk
    Dirk sagte:

    Danke für die Möglichkeit zum Gastartikel Thorsten.

    @Stooni: Gute Ergänzung, der Punkt mit der Kommunikation ist natürlich auch ein ganz wesentlicher, das kennt man ja auch aus dem Privatleben.

    @Tobias: Danke, die Idee mit dem Einladungscode soll genau das bezwecken was du schreibst, zum Start war die Anmeldung offen und es gab zu viele „Spaß“-Anmeldungen, mit denen die Qualität direkt versaut wird…

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  4. Elmar
    Elmar sagte:

    @Dirk: Merci für Deinen Gastbeitrag und vor allem für die offenen Worte bzgl. Flaschenhälse–>der „Furz“ wird mir in Erinnerung bleiben 😉

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