Kurz nachdem ich neulich beim Interview mit 9Flats-Gründer Stephan Uhrenbacher war, habe ich mir noch ein gänzlich anderes Interview angehört, beziehungsweise angeschaut. Diesmal als Video, und zwar Tim Ferris („Die 4-Stunden-Woche„), interviewt von Entrepreneurship-Professor Günther Faltin („Kopf schlägt Kapital„). Beide Interviewten haben zunächst mal etwas gemeinsam: Sie sind Gründer im Onlinebereich. Doch die Herangehensweise ein Unternehmen aufzubauen könnte kaum unterschiedlicher sein.

Die Kapitalvariante:

Die erste Variante basiert schematisch in etwa auf folgender Handlungsabfolge für den Entrepreneur:

  1. Businessmodell ausarbeiten
  2. Investoren finden und Kapital reinholen
  3. Viel Personal einstellen
  4. Geld in Marketing und Produktentwicklung pumpen
  5. Nötigenfalls weitere Kapitalrunden
  6. „Flughöhe“ erreichen nach Userzahl-Kriterien
  7. Exit: verbliebene eigene Firmenanteile „versilbern“

Schafft es das Unternehmen bis zum Exit, hat das Gründerteam eigentlich seinen Job getan. Hat es bis dahin auch schon positive Deckungsbeiträge erwirtschaftet, wurde der Job sogar richtig gut gemacht. Ab jetzt muss das Management der neuen Eigentümer zusehen, wie es mit der Firma ordentlich Umsatz und Gewinn macht, um die Kaufsumme wieder reinzuholen.

Die Umsatzvariante:

Gänzlich anderes haben die Gründer bei der Umsatzvariante zu tun:

  1. Businessmodell und Produkt (ansatzweise) entwickeln
  2. (Outsourcing-)Partner für diverse Unternehmensfunktionen finden
  3. Verkaufsplattform schaffen
  4. Marketingmöglichkeiten testen und Kunden finden
  5. Erste Umsätze machen für eigenes Einkommen
  6. Weitere Umsätze in Marketing und Produktentwicklung stecken
  7. Von den Unternehmensgewinnen als passivem Einkommen leben

Hat es der Gründer geschafft, bis zu Punkt 7 zu kommen, ohne externe Finanzquellen angezapft zuhaben, kann er sich drei Mal auf die Schulter klopfen, denn er ist unabhängig und kann sich mit dem passiven Einkommen auf neue Gründungen oder andere schöne Dinge des Lebens stürzen.

Die Realität:

Klar läuft es in der Realität in den wenigsten Fällen derart idealtypisch ab. In beiden Varianten sind verschiedenste Spielarten oder Umwege denkbar. Genauso gibt es gewissermaßen Mischformen, zum Beispiel, wenn sich ein Unternehmen zunächst auf dem Umsatzwege beweist und dann für stärkeres Wachstum externes Kapital reinholt. Oder die Gründer der Umsatzvariante verkaufen am Ende ihre komplette Company.

Welche Variante für welchen Unternehmenstyp?

Welchen Weg für das eigene Unternehmen der richtige ist, dürfte zum einen vom Gründertyp abhängen und zum anderen – und dies maßgeblich – von der Art des Unternehmens beziehungsweise seiner Produkte.

Will ich ein Biotech-Startup mit innovativen Produkten hochziehen, werde ich wohl kaum um externe Finanzspritzen herumkommen. Wer hingegen vorhat eine Online-Agentur oder einen Webshop aufzubauen, sollte sich beispielsweise mal mit WordPress (Blogsystem/CMS) oder Magento (Shopsoftware) vertraut  machen, um erste Produkttests aus Eigenmitteln im drei- oder vierstelligen Bereich zu fahren.

Aus meiner Sicht ist die Umsatzvariante heute bei immer mehr Businessmodellen ohne größere Hürden möglich. Daher finde ich sie auch reizvoller, gerade weil sie einem, wenn man es richtig angeht, Unabhängigkeit garantiert.

Ach, welche der beiden Varianten sind  jetzt eigentlich Uhrenbacher und Ferris jeweils zuzuordnen? Nein, jetzt beende ich diesen Artikel. Muss arbeiten, bin noch nicht in Stufe 7 angekommen.

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