Wie Du in 3 Schritten eine Geschäftsidee zum Bootstrapping findest und die Marktchancen auslotest

Von
20140415-Björn Erkens

Björn Erkens

Wer auf der Suche nach einer Geschäftsidee ist, stellt sich bei jeder Idee oft auch gleich die Frage nach den Chancen im Markt. Im heutigen Gastbeitrag zeigt uns Björn Erkens ein paar smarte Tools und Techniken, mit denen Du in 3 einfachen Schritten für Deine Ideen die Marktchachen ausloten kannst.

Björn hat sein eigenes Startup Explainr erfolgreich gebootstrapped und innerhalb von 2 Jahren auf einen sechsstelligen Jahresumsatz gebracht. Er interviewt beim Startuperfolg Podcast erfolgreiche Gründer zu ihren Umsätzen, Marketingabläufen und Strategien. In seiner täglichen Arbeit unterstützt Björn Gründer dabei, aus eigener Kraft heraus zu wachsen oder Investoren zu finden. Dazu hat er eine Liste mit 650 kostenlosen Startup Tools zum kostenlosen Download zusammengestellt. Björn ist zweifacher Vater wohnt mit seiner Familie in München.

Also Björn, let´s go!

Ich hatte schon immer das Bedürfnis mich mit einer klasse Geschäftsidee selbstständig zu machen und im Bootstrapping Geld zu verdienen.

Allerdings sind diese klasse Geschäftsideen auch meist genau das geblieben: Ideen. Ich habe lange gekämpft, um den Schritt von Wantrepreneur zu Entrepreneur zu schaffen.

Heute möchte ich dir einen 3-Schritte-Plan vorstellen mit dem du innerhalb eines Tages von Idee zum verkaufsfähigem Produkt kommst. Du lernst wie du:

  • Deine Geschäftsidee findest,
  • Evaluieren kannst, ob es für diese Idee einen Markt und zahlbereite Kunden gibt,
  • die Idee dann im Bootstrapping groß machst.

Diese Taktiken haben mir dabei geholfen, mein eigenes Startup innerhalb von 2 Jahren auf einen 6-stelligen Jahresumsatz zu bringen. Ich hoffe sie bringen auch dich dem Traum des eigenen Startups ein Stück näher.

Geschäftsidee finden

Du hast keine Idee für ein neues Business? Kein Problem, hier sind ein paar Wege um schnell auf Ideen zu kommen:

  • Sammle die Dinge, die dich aufregen und über die du dich oft beschwerst
  • Guck dir an über was sich Leute in Foren aufregen und was sie fragen, also bei was sie Hilfe suchen. Ein Quell an Ideen ist z.B. gutefrage.net
  • Guck dir an was die Bestseller bei Amazon sind

Lass uns das Ganze doch mal durchspielen:

Vor kurzem ist meine Uhr stehengeblieben. Ich also zu Karstadt, um die Batterie wechseln zu lassen. Die Dame, die die Batterie gewechselt hat, hat dazu ca. 2 Minuten gebraucht. Jetzt rate mal wie teuer das war… 10 €. Und das Beste, die Batterie ist jetzt schon wieder leer. Regt mich ganz schön auf.

Mal gucken, ob die Menschen in Foren das gleiche Problem haben:

Screenshot1

Lass uns doch mal gucken, was es bei Amazon aktuell für Bestseller gibt. Hier etwas das irgendwie ganz gut zu dem passt, was mich aktuell aufregt:

Screenshot2

Ideen, die mir durch diese kurze Recherche kommen sind:

  • Ein „So reparierst du deine eigene Uhr“-Infoprodukt
  • Ein eigenes Uhrenwerkzeugset zur Selbstreparatur entwerfen und verkaufen
  • Ein bereits am Markt vorhandenes Uhrenwerkzeugset verkaufen

Marktgröße bestimmen

Lass uns nun die Marktgröße bestimmen. Wir wollen herausfinden, ob es tatsächlich einen ausreichend großen Markt für deine neue Geschäftsidee gibt. Dazu gibt es folgende Möglichkeiten:

Google Suche

Zunächst einmal der Klassiker: die Google Suche. Lass uns zunächst herausfinden, ob es da draußen in der weiten Welt genug Menschen Uhren besitzen. OK, alleine die Schweiz exportierte in 2012 29,2 Millionen Uhren. Und werden Uhren oft repariert? Laut Statista wird in 2016 in Deutschland ein Umsatz von knapp 40 Millionen € mit der Reparatur von Uhren und Schmuck gemacht.

Google Keyword Planer

Um uns dem tatsächlichen Markt weiter anzunähern, sollten wir im nächsten Schritt recherchieren, wie viele Google Suchanfragen es monatlich zu Keywords wie z.B. „Uhr Batterie wechseln“ gibt. Um mehr interessante Keywords zu recherchieren, können wir unten in den von Google vorgeschlagenen verwandten Suchanfragen gucken:

Screenshot3

Dann schmeißen wir alle relevanten Keywords in den Keyword Planer:

Screenshot4

Und gucken wie viele Suchanfragen es monatlich zu den einzelnen Keywords gibt:

Screenshot5

Über die Google Suche suchen monatlich ca. 1500 – 2000 nach unseren Keywords. Gehen wir mal davon aus, dass das nicht immer die gleichen Personen sind. Dann heißt das im Jahr 12*1500 = 18000 Suchanfragen.

Facebook

Screenshot6Als nächstes gucken wir uns in Facebook Ads an, wie viele Menschen wir dort erreichen können. Da wir in unserer Google Recherche herausgefunden haben, dass eigentlich jeder eine Uhr besitzt, definiere ich die Zielgruppe als Menschen in Deutschland, die als Interesse Do-it-yourself angegeben haben. Ich denke mir, dass Menschen, die gerne Dinge selbst reparieren oder bauen, genau unserer Zielgruppe entsprechen:

 

Hinweis: Je besser du deine Zielgruppe eingrenzen kannst, desto zielgerichteter wird dein Ergebnis ausfallen.

Facebook zeigt mir an, dass es 170.000 Do-it-yourself-Enthusiasten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt.

Kurzfazit

Was heißt das jetzt? Ist der Gesamtmarkt für deine Geschäftsidee groß genug? Dazu gucken wir uns jetzt an für wie viel Geld Uhrenwerkzeugsets aktuell weggehen. Ein kurzer Blick auf den Amazon Bestseller verrät uns folgendes:

Screenshot7

Nehmen wir als Preis für unsere Business Idee also 10 € an.

Heißt der Markt in Facebook wäre: 170.000 * 10 € = 1,7 Mio €

Heißt der Markt in Google wäre: 18.000 * 10 € = 180.000 €

Alles was einen Gesamtmarkt von über 1 Mio € ausmacht, lohnt sich meiner Meinung nach für ein Bootstrapping Business.

Zahlbereitschaft der Kunden testen

Bevor wir Uhrenwerkzeugsets einkaufen, gilt es die Zahlungsbereitschaft der Kunden zu validieren.

Diese Validierung sollte immer ein hartes Commitment sein, also nicht die mündliche Aussage von Freunden, dass sie das Produkt kaufen würden. Sagen tun die Leute viel, um dann im Moment wenn sie ihr Portemonnaie zücken sollen tausende von Ausreden zu finden warum sie das Produkt doch nicht brauchen. Hartes Commitment ist für mich: Die Eingabe einer Email oder das Zahlen von Geld.

Hier einige Vorschläge wie du konkret validieren kannst:

Facebook Ads

Nimm ein kleines bisschen Geld in die Hand, um bei Facebook innerhalb der vorher definierten Zielgruppe Werbung zu schalten. Mit 100 € kann man laut Facebook 9700 – 26000 Menschen erreichen:

Screenshot8

Der Facebook Ads Guide hilft dir bei der Erstellung deiner Werbekampagne.

Natürlich wird nur ein Bruchteil der Menschen, die deine Werbung sehen auch auf dein Banner klicken. Mit dem Klick auf deine Facebook-Werbung, landen die Interessenten auf deiner Landing/Sales Page. Wie eine gute Landing Page gestaltet sein sollte, Tools mit denen du diese erstellen kannst und wie dein Call to Action aussehen sollte, findest du in diesem Medium-Artikel.

Google Adwords

Alternativ kannst du bei Google Adwords schalten. Wir haben ja bereits gesehen, dass die Costs per Click für unsere Keywords recht günstig sind. Hier nochmal der Screenshot:

Screenshot9

Der Klick auf deine Werbung kostet dich 0,23 – 0,77 €, das heißt dass du hier mit 100 € mehr als 100 Interessenten auf deine Landing Page kriegen solltest. Das reicht meiner Meinung nach dicke, um zu testen, wie viele dieser Interessenten auf deiner Landing Page in Kunden (Email eingeben oder Kauf-Knopf drücken) konvertieren würden.

Geld von Freunden

Der wahrscheinlich direkteste Weg, um dein Produkt zu validieren geht über deine Freunde. Identifiziere die Freunde, die deiner Meinung nach deiner Zielgruppe entsprechen. Stell ihnen kurz dein Produkt vor und wenn sie Interesse zeigen, schicke ihnen deine Kontodaten und bitte sie um die Überweisung der 10 €.

Fazit

Es geht mir nicht darum, dass du Uhrenwerkzeugsets verkaufst – obwohl das eventuell eine gar nicht so schlechte Idee ist ;-). Es geht mir darum, dir aufzuzeigen, dass du nicht weit von deinem eigenen Business entfernt bist.

Der Schritt eine Geschäftsidee umzusetzen ist sicherlich der schwierigste und angsteinflößendste – ich für meinen Teil hatte damit jedenfalls immer viele Probleme und habe die auch heute zum Teil noch.

Doch wenn du einen Weg hast, wie du deine Ideen schnell und kostengünstig validieren kannst, wird dein neues Unterfangen gleich viel greifbarer.

Hast du deine Geschäftsidee validiert, dann heißt es Traffic auf deine Sales/Landing Page zu bekommen. Zum Abschluss möchte ich dir noch ein Tool aus meiner Startup-Tool-Liste vorstellen mit dem du das kostengünstig schaffst. Es heißt snip.ly.

Wir haben unsere Uhren-Reparatur-Zielgruppe ja als do-it-yourself Enthusiasten definiert. Seiten, die coole Artikel zu dem Thema do-it-yourself haben wären z.B. Lifehacker oder IKEA Hackers.

Wenn du jetzt solche Artikel über Social Media teilst, dann kippe die URL des Artikels vorher in snip.ly. Das Tool lässt dich einen eigenen Call to Action (z.B. zu deiner Landing Page) formulieren und legt diesen über den fremden Inhalt, den du teilst. So kannst du kostenlos deine Landing Page promoten, obwohl du fremde Inhalte teilst. Hier ein Beispiel:

Screenshot10

Das wars. Das ist der exakte Validierung und Bootstrapping-Schlachtplan, den ich für meine neuen Projekte anwende und der sich für mich bewiesen hat.

 

Bildquelle Hauptbild: Pixabay

 

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8 Kommentare

  • on 21. März 2016 Antworten

    Toller Artikel & sehr praxisorientiert. Ein weiterer wichtiger Schritt bei den Überlegungen für ein Business ist natürlich noch der reale Umsatz, der zu erzielende Marktanteil und der übrig bleibende Gewinn.

    1. Realer Umsatz
    Wenn ich das Werkzeugset nicht selbst herstelle, sondern direkt an Amazon weiterleite bekomme ich als Umsatz nur meine Provision von 5% – 10% (je nach Produktkategorie).

    Bei einem Umsatz von 1.000.000 wäre das dann ein Realumsatz von 100.000 Euro (bei 10% Provision).

    2. Marktanteil
    In allen Märkten hat man mit Wettbewerb zu kämpfen, daher ist es wichtig einen realistischen Marktanteil anzusetzen. Gehen wir einmal optimistisch von 10% Marktanteil aus.

    Bei einem Realumsatz von 100.000 Euro wäre unser Anteil dann 10.000 Euro.

    3. Realer Umsatz minus anfallende Kosten ist gleich Gewinn (vor Steuern)
    Neben der eigenen Arbeitszeit, die auch bewertet werden sollte, fallen noch Aufwände für Website-Erstellung und Vermarktung an. Nehmen wir mal 5.000 Euro Kosten pro Jahr an.

    Realer Umsatz 10.000 – Aufwand 5.000 = 5.000 Gewinn pro Jahr.

    An diesen Stellschrauben kann man drehen und so den Gewinn nach ober ziehen. Ein Ansatz wäre das Produkt selbst herzustellen (bzw. herstellen zu lassen).

    Beste Grüße
    Johannes

    • on 21. März 2016 Antworten

      Hi Johannes,

      sehr gute Punkte. Eine andere Möglichkeit wäre es z.B. ein Infoprodukt „Wie ich meine Uhr mit diesen Haushaltsgeräten repariere“ zu machen und zu verkaufen.

      Viele Grüße
      Björn

  • on 21. März 2016 Antworten

    Morgen liebe Autaak Community,
    Björn hier, der Autor des Beitrags. Ich werde hier immer mal wieder reinschauen und gerne eure Rückfragen beantworten und mit euch diskutieren.
    Euch allen einen wunderschönen Montag

  • on 21. März 2016 Antworten

    Hey Björn,
    wie Du die Wege beschreibst kann ich großteils gut nachvollziehen oder sogar aus eigener Erfahrung bestätigen.
    Aber am meisten hat mir gefallen, dass Du so ehrlich warst und den wichtigsten und schwierigsten Schritt aufzuzeigen: der vom Wantrepreneur zum Entrepreneur. Davon kann ich ein Lied singen 😉
    Snip.ly klingt übrigens interessant – werde ich die Tage mal testen.
    Merci und Gruß
    Oli

    • on 21. März 2016 Antworten

      Hey Oli,
      genau der Schritt ist für uns alle der Schwierigste. Dank dir für dein Feedback. Hoffe ich konnte ein bisschen dabei helfen wieder ein Stück im Puzzle dazu zufügen. Bei mir hats auch echt eine Zeit lang gebraucht bis ich das geschafft habe. Man muss halt probieren und testen und machen. Nach einigen Tiefschlägen schafft man den Schritt von Wantrepreneur zu Entrepreneur. Ganz sicher. Dir einen schönen Abend. Björn

  • on 5. April 2016 Antworten

    Hi, das ist eine sehr schöne aber nicht zu komplexe Anleitung für eine kleine und feine Nischenseite. Man könnte es natürlich noch durch verschiedene SEO Plugins in Chrome oder Market Samurai erweitern aber zum Großteil mache ich keyword Analysen auch nur mit dem AdWords Tool. Grüße David

  • on 9. Mai 2016 Antworten

    Hallo Björn und autaak,

    Danke für den tollen Artikel mit einem schönen, roten Faden. Sniply klingt auch sehr geil.

    VG Pierre

    • on 9. Mai 2016 Antworten

      Hi Pierre, sehr gerne. Sniply ist auf jeden Fall einen Test Wert. VG Björn

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