Wer einmal ein Startup gegründet hat, kennt das unausweichliche Schicksal eines Businessplans: Nach dem Sprung ins kalte Wasser der Realität ist er zumeist in vielen Teilen obsolet. Man ist erstmal heiß auf den Start und will alle Planungen so schnell wie möglich umsetzen. Doch im Praxiseinsatz zeigen sich oftmals diverse Bereiche der Unternehmensstruktur, die es umzubauen gilt.

Sei es eine andere Technik für das Webprojekt, sei es ein wechselnder Personalbedarf, oder sei es schlicht die Größe der Büroräume. Schlecht, wenn man jetzt auf auf teuer aufgebauten Strukturen sitzt, die eigentlich gar nicht mehr so richtig zum realen Leben des Startups passen.

2 wegweisende Bücher als Grundlage

Ein wirklich gutes Konzept, mit dem man von Anfang an sowohl flexibel, mit wenig Startkapital, als auch professionell arbeiten kann, ist das sogenannte „Gründen mit Komponenten“.

Richtig populär wurde es vor allem durch zwei Bestseller der letzten Jahre: Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin und Die 4-Stunden-Woche“ von Tim Ferriss. Beide Autoren propagieren, Unternehmen baukastenartig aufzubauen. Das heißt, da wo es geht, keine eigenen starren Strukturen hochziehen, sondern auf Outsourcing-Dienstleister zu setzen und auf praktische Online-Tools mit denen man diese von überall aus koordinieren kann.

Beide Bücher tragen im Übrigen auch eine gewisse Mitschuld am Enstehen dieses Blogs hier.

Ideal für Start- und Umbauphasen

In der Anfangsphase unseres Unternehmens hatten wir zum Beispiel das Modell nicht kundenindividuelle (so wie heute), sondern fertige Spiele zu produzieren, um sie über Online-Kanäle aber auch über den Einzelhandel zu verkaufen. Glücklicherweise haben wir uns dafür weder Produktionskapazitäten aufgebaut, noch Lagerhallen oder eine Logistikorganisation.

Stattdessen suchten wir uns zum Druck der Spiele eine etablierten Hersteller und ließen die Ware dann direkt an einen Lager- und Logistikdienstleister liefern. Von dort gingen die Spiele in die Läden, wobei der Dienstleister auch gleich die Rechnungsstellung miterledigte. Für eingehende Anrufe buchten wir später noch das ebuero hinzu, da wir uns kein eigenes Sekretariat aufbauen wollten.

Wir selbst konnten uns so auf Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing konzentrieren. Hätten wir dies nicht so gemacht, wäre ein anschließender Unternehmnsumbau kaum möglich gewesen.

Und auch nach dem Umbau unseres Verlages zum Mass Customizer MeinSpiel versuchen wir, da wo es geht, auf externe Partner und onlinebasierte Tools wie Zoho oder neuderdings Zendesk zu setzen.

Geht es um Büroräume, sollte man am Anfang zudem darüber nachdenken, einzelne Arbeitsplätze monatsweise im Coworkingspace zu buchen. Denn wer weiß schon, wieviele Leute nach sechs Monaten zum Team gehören? Und normale Mietverträge binden hingegen nicht selten über mehrere Jahre.

Aber bei aller Euphorie für das Konzept: Bei zwei Dingen, finde ich, sind externe Komponenten nicht immer der Königsweg.

Eigene Kapazitäten für langfristige Geschäftsfelder

Irgendwann wird es nöglicherweise Geschäftsfelder geben, in denen sich das Unternehmen zum einen langfristig etabliert, und auf denen sich zum anderen auch erhebliche Konkurrenz tummelt. In solch Situationen kann es auf Dauer günstiger werden, mit eigenem Personal oder mit eigenen Maschinen zu arbeiten.

  1. Um Kosten zu senken, und…
  2. um eigene Kompetenzen aufzubauen und auszuspielen, die andere nicht gleichzeitig mieten können.

Spezialisiertes und ausgebildetes Personal

Es ist schon richtig, dass virtuelle Assistenten mittlerweile eine ganze Reihe von Tätigkeiten übernehmen können. Auch für  Projekte kann man Spezialisten temporär engagieren. Doch für das eigene spezielle Geschäftsfeld benötigt man teilweise eigene Kompetenzen, um überhaupt ein Alleinstellungsmerkmal zu erschaffen.

Anfangs geht das normalerweise durch die eigene Arbeit der Gründer, doch bei wachsendem Geschäft werden hier und da auch mal speziell geschulte Kompetenzen von ausgebildeten Mitarbeitern erforderlich. Oder zumindest wird es einfach praktischer mit Mitarbeitern vor Ort zu arbeiten als mit einem rein virtuellen Personal.

Fazit

„Gründen mit Komponenten“ ist ein hervorragendes Konzept für Startups, die sich flexibel und skalierbar halten müssen. Vereinen lässt es sich zudem ideal mit dem Bootstrapping-Konzept, da es kaum Investitionskosten erfordert. Mieten statt Kaufen ist die Devise.

Langfristig hingegen ist jeweils abzuwägen, wo einzelne Komponenten besser durch eigene Kapazitäten und Kompetenzen ersetzt werden.

Doch auch in der weiteren Entwicklung eines Startups gibt es in vielen Bereichen keinen Grund auf externe Komponenten zu verzichten. So erspart man sich den Ballast eines lästigen Wasserkopfes am Unternehmen und kann gleichzeitig auf professionelle externe Ressourcen zurückgreifen.

Dieser Blogpost ist Teil der Blogparade bei Entrepreneurship.de.

2 Kommentare
  1. Sebastian
    Sebastian sagte:

    Hallo,

    sehr spannender Artikel. Ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit Solopreneurship und verschlinge solche Artikel förmlich.

    Was ich mich nur immer frage: klar lassen sich Komponenten wie Logistik, Produktion, Assistenzen etc. auslagern. Aber wie sieht es denn mit dem Kapital aus? Um produzieren zu lassen, brauche ich doch erst einmal Kapital und gehe damit dann doch ein relativ hohes Risiko ein, oder?

    Antworten
    • Thorsten
      Thorsten sagte:

      Danke für Dein gutes Feedback!
      Und klar, Produktion kostet. Aber ob dafür zwingend größeres Kapital erforderlich ist, würde ich nicht zwingend daraus schließen. Beispielsweise könnte man erstmal sehr kleine Mengen produzieren lassen. Man verdient dabei vielleicht erstmal nichts aufgrund hoher Stückkosten, aber man sieht so, wie die Nachfrage ist. Und einen Schritt weiter wäre die On-Demand-Produktion. Man produziert erst, wenn es entsprechende Bestellungen gibt.

      Antworten

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