geschäftsidee präsentieren

Wenn ich mit angehenden Gründern über deren Geschäftsmodelle spreche, stoße ich häufig auf ein gewisses Herumlavieren. Das klingt dann in etwa so:

„Ich kann es noch nicht so genau sagen, denn wir sind ja noch nicht online. Und da wollen wir natürlich das Ganze noch nicht so rumerzählen, um Nachahmer zu vermeiden.“

Hmmmm, plant da jemand eine Weltrevolution?

Hat da jemand eine Idee, die so dermaßen die Welt aus den Angeln heben wird, dass sie sofort von den Googles, Facebooks, Amazons und natürlich den Samwers dieser Welt kopiert werden würde? Nicht zu vergessen, der Typ hinter uns im Café, der schon ganz heiß darauf ist, Erzählungen von fremden Geschäftsmodellen zu lauschen!

Um es vorwegzunehmen: Diese Ängste sind aus meiner Sicht vollkommen unbegründet. Mehr noch: Es lohnt sich stattdessen enorm, anderen von seiner Idee zu berichten.

Warum Du Dein Geschäftsmodell, Deine Idee vom nächsten großen Ding, jetzt rausposaunen solltest, dafür gebe ich Dir im Folgenden vier konkrete Gründe.

Keine Angst vor Copy Cats

In den Augen des Gründers mag die Gefahr von Copy Cats bestehen, also Leute oder Unternehmen, die einfach eine fremde Idee selbst umsetzen. Vor allem in der Euphorie der Startphase kann das für einen selbst so aussehen. Doch ich würde hier definitiv Entwarnung geben. Nach meiner Einschätzung sieht die Sache in 99,9999 Prozent aller Fälle anders aus. Die Sorge vor den besagten Nachahmern ist in der Regel ziemlich unbegründet.

Warum ist das so? Dazu will ich zunächst mal die Frage in den Raum stellen, wer überhaupt in der Lage wäre, Deine Idee zu kopieren und besser als Du oder vor Dir in den Markt zu bringen.

Klar ist doch, dass es sich dabei um wirklich talentierte und kreative Köpfe handeln müsste, die zudem einen gewissen Erfahrungsschatz mitbringen, um Dich zu überflügeln. Was machen solche Leute den lieben langen Tag? Lungern sie irgendwo herum, und warten, dass sie halbgare Konzepte zum Klauen finden? Diese talentierten und kreativen Leute, die fähig wären, Deine Idee umzusetzen, haben in aller Regel besseres zu tun, denn sie entwickeln eigene Ideen und setzen sie vor allem um.

Und mal anders herum betrachtet: Sollte es weniger fähige Leute geben mit weniger Talent und Kreativität, die Deine Idee klauen und selbst umsetzen könnten – Ist es dann wirklich eine gute Idee?

Vielleicht ist Dir ja auch schon mal folgendes Phänomen über den Weg gelaufen: Dir fällt plötzlich eine Geschäftsidee ein, weil Du Dich einfach irgendwo hast inspirieren lassen. Vielleicht sitzt Du in einem Restaurant, und hast ein tolles Gastronomie-Konzept im Kopf. Oder beim Lesen eines Artikels zu einer neuen Technologie kommt Dir eine Idee darüber, wo man diese Technologie einsetzen könnte. Du spinnst die Gedanken zu Deiner Idee noch ein wenig weiter, vielleicht hängst Du ihr auch noch ein paar Tage nach, aber irgendwann verfolgst Du sie nicht mehr weiter.

Was will ich Dir damit sagen?

Wenn Du Dir schon nicht die Mühe machst, Deine eigenen Ideen umzusetzen (was im übrigen gar nicht verwerflich ist, denn sonst würde man sich ja irgendwann in all den Projekten verzetteln), wenn Du Deine eigenen Ideen also teils links liegen lässt, wäre es da nicht noch um einiges unwahrscheinlicher, die Idee eines anderen umzusetzen? Kannst Du Dir vorstellen, für eine Idee dauerhaft zu brennen, sie gegen Widerstände durchzusetzen, wenn sie gar nicht von Dir ist?

Ich kann mir das persönlich definitiv nicht vorstellen. Und ich habe tatsächlich noch nie einen Fall beobachten können, bei dem jemand eine Geschäftsidee in der reinen Ideenphase nachgeahmt hätte. Wenn allein die Idee wirklich so wahnsinning gut wäre, könnte sie ohnehin kopiert werden, nachdem das Projekt im Markt ist.

Reine Ideen, das ist die bittere Erkenntnis, sind als solche erstmal nichts und wieder nichts wert. Denn Ideen gibt es wie Sand am Meer. Jeder denkende Mensch kann Ideen entwickeln, jeder kann Pläne machen und Konzepte erstellen.

Welche Geschäftsmodelle allerdings wirklich tauglich sind, und welche nicht, das lässt sich letztlich erst dem dem Sprung in den Markt beurteilen.

Nutze Feedbacks und feile an Deinem Geschäftsmodell

Was in der Ideen- und Konzeptphase viel wertvoller als die Geheimhaltung ist, sind Feedbacks von Außenstehenden über die eigene Geschäftsidee.

Diskussionen und konstruktive Kritik bringen Dir wichtige Impulse, um Dein Geschäftsmodell zu durchdenken, feinzujustieren, neue Aspekte einfließen zu lassen.

geschäftsidee präsentieren

Wer ein neues Geschäftsmodell plant, kann auch schnell betriebsblind werden und berauscht von der eigenen Idee. Deshalb ist das Feedback nicht zuletzt auch ein wichtiges Korrektiv.

Und: Nicht nur das Feedback aus dem Dialog kann Dir helfen. Allein der Vorgang des Formulierens Deiner Idee ist interessant. Egal ob, Du mit anderen über Deine Idee sprichst, oder sie zum Beispiel als Blogpost veröffentlichst – allein dieser Vorgang zwingt Dich, Deine Idee schlüssig zu formulieren. Und dabei können Dir möglicherweise Schwächen auffallen, die Du vorher nicht gesehen hättest, oder Dir können selbst schon Verbesserungsideen dabei einfallen.

Vielleicht ist Dein Geschäftsmodell untauglich, und Du weißt es noch nicht

Wenn Du ein neues Geschäftsmodell startest, hast Du Dich sicher bereits schon etwas über das gesamte Marktumfeld informiert. Doch Du kannst in dieser Phase normalerweise nicht alles über die Branche, die potenziellen Kunden, die geeigneten Marketingkanäle und so weiter wissen. Das musst Du auch nicht.

Es wird aber immer Leute geben, die sich genau mit diesen einzelnen Aspekten auskennen. Versuche also, dieses Wissen zu nutzen, wenn Du es durch Gespräche mit Branchenkennern et cetera bekommen kannst.

Möglicherweise wirst Du in solchen Gesprächen auch mal einen Schuss vor den Bug bekommen. Möglicherweise wird es Stimmen geben, die Dir abraten – sei es aus eigener Erfahrung, sei es aus einer Insider-Einschätzung oder einfach nur aus einem Bauchgefühl.

Klar sollte Dich nicht jedes negative Feedback aus der Bahn werfen, aber kann Dir beispielsweise jemand zeigen, dass andere mit Deinem geplanten Modell bereits gescheitert sind, oder dass Deine Kostenschätzungen im Marketing realitätsfern sind, dann lohnt es sich durchaus, darüber nachzudenken.

Auch wenn es im ersten Moment niederschmetternd ist, und Du innerlich versuchst solche Fakten zu verdrängen – solcherlei Informationen sind im Endeffekt extrem wertvoll, denn sie bewahren Dich davor, weiteres Geld und weitere Zeit in etwas zu investieren, das im Markt keine Chancen hat.

Schlechte Ideen für Geschäftsmodelle sind nicht peinlich

Eine weitere Sorge, die Dich vor dem offenen Gespräch über Deine Geschäftsidee abhalten könnte, könnte sein, dass Dein mit viel Herzblut erdachtes Konzept auf andere nur peinlich wirkt, dass andere es für lächerlich halten.

Okay, Deine Idee wird sicherlich nicht jedem gefallen, und der eine oder andere mag dabei nur Fragezeichen sehen oder sie tatsächlich für lächerlich halten. Aber: So what?!

Glaubst Du, derjenige wird jetzt ständig daran denken oder Dich mit dieser scheinbar dummen Idee in Verbindung bringen, es womöglich groß weitererzählen? Glücklicherweise sortiert das menschliche Hirn unnützes Zeug weitestgehend aus, sprich das Ganze wird für Deinen Zuhörer wahrscheinlich gar nicht einen so hohen Stellenwert bekommen, und er wird es schnell wieder vergessen.

Und dann gibt es natürlich auch noch Leute, für die jede Idee, die noch nicht in der Realität existiert, äußerst fragwürdig wirkt. Solchen Leuten fehlt in der Regel nichts anderes als ausreichend Fantasie und Vorstellungskraft. Sie können nur in bestehenden Bahnen denken. Und von daher musst Du auf deren Urteil ohnehin nicht viel geben.

Fazit

Mach´ aus Deiner Idee kein Geheimnis. Gehe einfach davon aus, dass sie Dir schon niemand wegnehmen wird, und nutze stattdessen das Feedback als wertvolle Inspirationsquelle zum Verbessern Deines Geschäftsmodells.

 

Bildquelle: lightpoet/Fotolia

7 Kommentare
  1. Mathias
    Mathias sagte:

    Hallo,
    ich finde die Idee zu diesem Beitrag sehr gut, die Argumentation dazu finde ich sogar großartig!
    Hat Spaß gemacht, zu lesen und kann von mir bestätigt werden. 🙂

    Antworten
  2. Martin
    Martin sagte:

    Moinsen,

    Hier die Antwort auf einen Absatz in deinem Blog:

    Ich kann mir das persönlich definitiv nicht vorstellen. Und ich habe tatsächlich noch nie einen Fall beobachten können, bei dem jemand eine Geschäftsidee in der reinen Ideenphase nachgeahmt hätte.

    Mark Zuckerberg vs. Cameron und Tyler Winklevoss

    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Social_Network

    alles klar soweit :-)))

    Antworten
    • Thorsten
      Thorsten sagte:

      Hallo Martin,
      der Fall geht in der Tat irgendwo in die Richtung Ideenklau, von daher will ich das nicht ganz von der Hand weisen.
      Allerdings stellt sich mir die Frage: Hätten die beiden Winklevosse dem Zuckerberg auch von ihrer Idee erzählt, wenn sie gar nicht hätten kooperieren wollen? So gesehen handelt es sich vielleicht doch eher um einen Verrat innerhalb einer Kooperation, also einen echten Vertrauensbruch (je nachdem, wie die Geschichte wirklich verlief).

      Antworten
  3. joerg koenig
    joerg koenig sagte:

    … im grossen ganzen stimmt das schon … ich habe schon oft versucht Leute von Ideen zu ueberzeugen und viel Energie darauf verwandt … wenn möglich besser gleich bootstrapping maessig realisieren und die leute mit Produkt/demonstrator über raschen .. meine Projekte sind alles hobbyprijekte .. aber mal sehen .. ich wuerde auf keinen Fall komplette Konzepte veröffentlichen .. weil dann kommen evtl. Wirklich irgendwelche xy brueder und setzen ein top Team darauf an und über holen dich ..

    Antworten
    • Thorsten
      Thorsten sagte:

      Ich glaube, es geht auch nicht um das Veröffentlichen kompletter Konzepte. Wenn ich einen Businessplan oder besser einen Action Plan erstellt habe, reiche ich den natürlich nicht in aller Welt herum.

      Wohl aber kann ich meine Grundidee oder den Elevator Pitch dazu anderen erzählen, um von deren Feedback zu profitieren. Unterm Strich wird das mehr bringen, als alles als Verschlusssache zu behandeln.

      Antworten
  4. Dieter
    Dieter sagte:

    Hallo Thorsten,
    vielen Dank für einen aufschlussreichen Artikel. Ich habe vor allem die Erfahrung gemacht, dass man nicht nur am Anfang Feedbacks für seine Geschäftsmodell in Betracht ziehen soll, sondern quasi ständig an seinem Business arbeiten soll, um zu wachsen.

    Antworten
  5. Kevin
    Kevin sagte:

    Hallo Thorsten, ich stimme auch zu. Ich habe vor einiger Zeit auf einem Startup-Weekend voller interessierter Gründer mit einer Gruppe ein durch Machine Learning automatisierbares Beraterkonzept komplett durchgeplant. Es hat mit Abstand gewonnen und trotzdem hat es niemand der Teilnehmer bisher auch nur im Ansatz umgesetzt. Ich selbst auch nicht.

    Meiner Meinung nach liegt es einfach daran, dass der Zuhörer sich im Normalfall nicht mit dem Thema Gründen beschäftigt und falls doch, er derzeit auf seine eigenen Plänen konzentriert ist und sich zudem wahrscheinlich auch nicht in dem Kontext befindet, in dem das fragliche Konzept lebt.

    Ob ich allerdings Oli Samwer unbedingt von meinem Projekt erzählen sollte, wenn ich wirklich überzeugt bin, es könnte etwas reißen? Ich denke nicht. Man sollte seine Idee halt gut kennen. Also: Habe ich einen neuen extrem leckren Latte kreiert oder tatsächlich das bessere Google entwickelt. Irgendwo dazwischen sollte ich mein Konzept verorten können.

    Grüße, Kevin

    Antworten

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