Nerd beim programmieren

Nerd beim programmieren

Nachdem ich vor einiger Zeit bereits gebloggt hatte, warum BWL ohnehin nicht allzuviel für Gründer taugt, will ich heute über eine Möglichkeit schreiben, die es einem auch als BWLer oder anderweitiger Geisteswissenschaftler ermöglicht, eigene Webprojekte zügig auf die Beine zu stellen.

Lerne selbst Programmieren!

Okay, die Lösung klingt zwar naheliegend, aber auch irgendwie kompliziert. Nur bei näherem Hinsehen ist sie es im Grunde genommen nicht. Denn Programmieren geht auch ohne Informatik-Studium.

Daher geht es in diesem Artikel zunächst darum, warum Du als BWLer ohne Programmierkenntnisse aufgeschmissen bist, und schließlich wie Du einen Einstieg in die scheinbar kryptische Materie findest. 

Programmierer sind rar

Wer als klassischer BWLer ein Online-Startup aufbauen will, hat oftmals ein veritables Ressourcenproblem am Hals:

Es gibt zwar eine tolle Idee und jede Menge Pläne zur Umsetzung, nur ein IT-versierter Mitgründer, also jemand der die Programmierung in die Hand nehmen soll, ist nicht in Sicht. Denn diese Leute sind in der Regel extrem rar und oft schweineteuer.

Was also tun?

Natürlich, Du kannst Dir Geld besorgen und eine Agentur beauftragen. Nur weißt Du, was dort vor sich geht? Weißt Du, ob die Leute in die richtige Richtung arbeiten, ob sie das Ganze nicht womöglich komplexer aufbauen, als es sein muss, oder Dinge vernachlässigen, die Dir hingegen wichtig sind?

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es ziemlich nervenraubend sein kann, mit einer IT-Agentur ein Projekt umzusetzen, wenn man selbst keine wirkliche Ahnung hat, was sich hinter den vielen technischen Schlagworten, Programmiersprachen und Systemen verbirgt. Und den Agenturen und Freelancern kann man noch nicht einmal einen Vorwurf machen, denn sie sind nicht Ursache des Problems.

Mein Einstieg ins Reich des Codings

Um eines vorwegzunehmen, ein wirklicher Programmierer bin ich bei weitem definitiv nicht – und will es auch nicht werden. Mir als Gründer sind in erster Linie zwei Fragestellungen wichtig:

  • Welche Spielarten des Codings sind für welche Einsatzzwecke sinnvoll?
  • Wie kann ich selbst einfache Webprojekte umsetzen und weiterentwickeln?

Bei meinem ersten Web-Projekt zum Einstieg in die Selbstständigkeit vor rund 10 Jahren hatte ich zu keiner der beiden Fragen auch nur ansatzweise eine Antwort. Die Folge: Ich war voll und ganz auf externe Hilfe angewiesen.

Zum Glück griff mir mein Kumpel Yves bei dem Projekt tatkräftig unter die Arme, so dass am Ende doch ein funktionsfähiges und Produkt herauskam. Nur WIE es im Kern funktionierte, wusste ich eigentlich nicht hundertprozentig. Ergo war eine Weiterentwicklung immer nur sehr schwer möglich, da ich kaum eine Änderung selbst vornehmen konnte.

Eine blöde Situation, die wir in den Anfängen von MeinSpiel in ähnlicher Form hatten. Nicht zuletzt diese Abhängigkeit war ausschlaggebend, selbst einmal zu schauen, was man beim Aufbauen von Web-Projekten auch selbst machen kann.

Die Nerds sind schuld

Verdammte Hacke, und dabei hatte ich doch als 13-Jähriger mit der Programmiersprache Basic kleine Programme für meinen C64 geschrieben. Warum nur bin ich da nicht am Ball geblieben?

Ich glaube, es war deshalb, weil a) in dem Alter lauter andere interessante Freizeitvergnügungen das Thema Programmieren schlicht verdrängten, was b) dadurch verstärkt wurde, dass plötzlich nur noch die Nerds auf der Schule Hausarbeiten mit dem Amiga machten (und sogar ausdruckten!). Damit wollte ich nichts zu tun haben. Schließlich galten Nerds seinerzeit – anders als heute – definitiv nicht als cool.

Wobei: Das Wort “Nerd” war im allgemeinen Sprachgebrauch damals auch gar nicht verankert. So hatten die Jungs (und es waren nur Jungs) noch nicht einmal eine Art Label, unter dem sie ihre Subkultur leben konnten.

Egal, lassen wir die Nerds Nerds sein.

Mit HTML und CSS anfangen

Was kannst Du jetzt als ungelernter Programmierer tun, um dennoch eigene Web-Projekte aufzubauen oder zumindest den Aufbau zu organisieren?

Im Blog von Gründer Derek Sivers habe ich dazu kürzlich sehr erhellendes gelesen. Sivers empfiehlt, erstmal mit HTML und CSS anzufangen, um dann eventuell mit HTML5 weiterzumachen. Zu den Themen gibt es etliche Fachbücher, die man in wenigen Wochen abends durchackern kann. Laut Sivers weißt Du dann mehr als die Hälfte der Leute, die sich Webdesigner oder Programmierer nennen.

Eine wirklich gute und reichhaltige Quelle für HTML-Wissen ist aus meiner Sicht auch die Seite SELFHTML. Ich gebe zwar potenziellen Besuchern vorab eine Warnung vor Augenschäden, aber: So dermaßen schlecht die Seite aussieht, so gut ist doch der Content dort. Immer wenn ich irgendwas in Sachen HTML wissen will, schaue ich zunächst bei SELFHTML nach, und meistens werde ich auch recht schnell fündig.

WordPress als Basis für komplette Web-Projekte

Neben dem Sich-immer-weiter-in-die-HTML-Materie-Reinfuchsen lege ich persönlich einen Schwerpunkt auf WordPress als Content Management System (CMS). Für WordPress brauchst Du eigentlich überhaupt nicht programmieren zu können, denn mit dem CMS kannst Du komplette Web-Projekte selbst bauen. Die können dank etlicher Themes (Designvorlagen) auch noch vernünftig aussehen.

HTML ist jedoch flankierend zu WordPress nicht verkehrt, denn damit kannst Du leicht individuelle Anpassungen an Deiner Seite vornehmen.

Es reichen erstmal die Basics

Letztlich ist es aus meiner Perspektive nicht wichtig, der absolute Top-Experte in irgendeiner Programmiersprache zu werden.

Wichtiger ist es, die Basics zu kennen. So hast Du erstmal einen Überblick, kannst einzelne Aspekte oder Fragestellungen beurteilen, einordnen und je nach Bedarf ins Detail gehen, wo es nötig ist.

Und wenn plötzlich die erste Seite steht, oder ein neues Feature so funktioniert, wie Du es wolltest – dann kann es richtig Spaß machen.

photo credit: [martin] via photopin cc

17 Kommentare
  1. Ole
    Ole sagte:

    Da gehe ich absolut mit! Eine tolle, interaktive und kostenlose (!) Möglichkeit Programmieren online zu lernen (diverse Sprachen) gibts bei der Codeacademy (www.codecademy.com). Ich hab da bereits zwei Kurse gemacht, aber die waren sehr gut aufgebaut und man wird immer wieder spierlerisch (via Facebook) zum weiterlernen aufgefordert.

    Antworten
  2. Torsten von bwl24.net
    Torsten von bwl24.net sagte:

    Das kann ich nur unterschreiben, ich ärgere mich jeden Tag, dass ich nur BWL studiert habe und nicht programmieren kann. Denn so bin ich immer auf teure Programmierer angewiesen, obwohl ich drei Webseiten betreibe (u.a. das Gründerlexikon unter http://www.gruenderlexikon.de ) und mit dem BWL Wissen auch einiges anfangen kann. Aber man kann leider die Zeit nicht zurückdrehen und heuzutage bin ich auch irgendwie froh, denn wer programmiert kann nicht Führen und delegieren und das mache ich fast nur.

    Grüße
    Torsten

    Antworten
    • Daniel
      Daniel sagte:

      Richtig programmieren lernt man in keinem Studium (auch nicht im Inforamtikstudium, auch wenn dieses dabei helfen kann). Es ist lediglich die persönliche Motivation entscheidend.

      „…denn wer programmiert kann nicht Führen und delegieren und das mache ich fast nur.“
      Es gibt viele geniale Softwareentwickler, die entgegen deines offensichtlich einfachen Weltbildes führen und managen können. Joel Spolsky http://www.joelonsoftware.com/ hat ein Blog über Software und Unternehmensgründung (einer der Macher von Stack Exchange, Fog Creek Software). Schon mal was von Marc Zuckerberg oder Bill Gates gehört?

      Antworten
  3. Marco
    Marco sagte:

    Kann ich nur unterstreichen – mich hat im Studium eh immer gewundert warum alle vor den Informatik-Vorlesungen so Angst haben. BWLer müssen ziemlich schwierige Mathematik und Statistik lernen; einfaches Programmieren ist dagegen ein Witz.

    Neben Codecademy, kann ich noch wärmstens Udacity.com empfehlen, etwas anspruchsvoller, aber man kommt auch schneller voran.

    Hab da auch mal was drüber gebloggt: http://rockiger.com/de/blog/view/udacity

    Antworten
    • Daniel
      Daniel sagte:

      „BWLer müssen ziemlich schwierige Mathematik und Statistik lernen; einfaches Programmieren ist dagegen ein Witz.“

      mit einfachen Programmieren kann man keine Probleme lösen. Softwareentwicklung ist ein sehr komplexes Themenfeld, welches sich ständig ändert. Ich entwickel jetzt seit 15Jahren Software und lerne täglich dazu. Zu der angeblich so schwierigen Mathematik im BWL-Studium sag ich als Dipl-Ing.: beschäftige dich mal richtig mit Mathe. SCNR

      Antworten
      • Thorsten Kucklick
        Thorsten Kucklick sagte:

        Softwareentwicklung ist sicher ein hochkomplexes Thema, das sehe ich auch so. Mit einfacher Programmierung meine ich zum Beispiel eine Kombination aus ´nem WordPress-System, gepaart mit soliden HTML-Kenntnissen. Logisch, dass man damit keine hochkomplexe Plattform entwickeln kann. Etliche Online-Geschäftsideen lassen sich aber so mit relativ überschaubarem Aufwand umsetzen, und das sollte für den Start erstmal reichen. Wenn es dann komplex werden soll, würde ich immer die Spezialisten ranlassen.

        Antworten
        • Daniel
          Daniel sagte:

          Ok. Du verstehst was anderes unter Programmieren als ich. Generell stimme ich auch zu, dass sich BWLer möglichst viel mit technischen Aspekten beschäftigen sollten, weil:

          1. so einfachere Kommunikation mit den technisch versierten Leuten möglich ist
          2. sie so ehere abschätzen können, was geht und was aufwendig ist
          3. die Kernprozesse besser verstanden werden und sie idR näher an der eigentlichen Wertschöpfung sind.

          Übrigens:
          Eine Online-Geschäftsidee, welche sich einfach umsetzten lässt und tatsächlich erfolgreich sein sollte, wird extrem schnell (besser) kopiert.

          Ob ein Produkt am Markt angenommen wird, hängt aber häufig auch von der Usability und der User Expirience ab. Da können zum Teil Millisekunden entscheidend sein. Hierfür werden wiederum ensprechende Programmierkenntnisse benötigt.

          Antworten
  4. Olivera Wahl
    Olivera Wahl sagte:

    Deine Argumente hören sich gut an, aber aus mir wird keine Programmiererin mehr :0) Ich hatte mir 1996 etwas HTML und später Photoshop beigebracht. Im Schnitt brauche ich dieses Wissen alle 3-4 Jahre, wenn ich Lust auf eine neue Website habe. Bis dahin habe ich alles vergessen, es hat sich vieles verändert und ich fange auf geringem Niveau immer wieder neu an.

    Ich finde, es ist mit der Programmierung alleine auch nicht getan. Der Text sollte gut geschrieben sein, dass kann auch nicht jeder, die Seite sollte ansprechend aussehen und suchmaschinenoptimiert sollte es auch noch sein. Da kommen ganz verschiedene Aufgaben auf Gründer zu, für die man ganz unterschiedliche Fähigkeiten und Talente braucht.

    Ich bin ein großer Fan davon, dass jeder tut, was ihm am meisten Spaß macht und was man am besten kann. Alternativ kann man sich mit anderen Gründern vernetzen und sich gegenseitig helfen. Der Webdesigner macht dem Programmierer ein Website-Design und bekommt dafür die Programmierung für seine eigene Seite. Ich finde man kann einiges gut im Tausch machen und lernt auch noch nette Menschen kennen. Oder man holt sich Partner mit ins Boot, die die fehlenden Kompetenzen mitbringen.

    Ich habe gestern im Tausch eine Suchmaschinenoptimierung bekommen. Ich finde das praktisch, weil wenn ich unterschiedliche Infos zum Thema im Netz finde, weiß ich nicht, was stimmt, weil mir die Erfahrung fehlt. Vieles was wir gemacht haben (ich saß daneben, um zuzukucken) war leicht – wenn man weiß, wie es geht, aber das aneignen dauert. Ich bin mir bei technischen Sachen unsicher und bringe mir lieber neues Wissen bei, wenn ich das Gefühl habe, das es mir zufliegt.

    Antworten
  5. Farida Eckardt
    Farida Eckardt sagte:

    Habe vor einiger Zeit auch begriffen, dass BWL alleine nicht viel bringt und es gut ist programmieren zu können, selbst wenn man einen Programmierer im Haus hat.
    Bin daher bei Codecademy dabei und will versuchen in meiner Elternzeit noch an die FH zu gehen, um mit anderen zu lernen. An einem weiteren Titel allerdings liegt mir nichts, bin nur an praktische Fähigkeiten. Ich denke aber, dass html und CSS alleine nicht reichen um was Vernünftiges auf die Beine zu stellen.

    Antworten
    • Thorsten Kucklick
      Thorsten Kucklick sagte:

      Tja, wenn es richtig komplex wird, dann braucht man am Ende in den meisten Fällen wohl mehr als HTML + CSS. Ich denke aber, dass es sich bei vielen Projekten auch lohnt zunächst einmal mit einer relativ einfachen Programmierung zu starten, um die Sache überhaupt in der Zielgruppe anzutesten, um dann das Ganze komplexer auszubauen.

      Antworten
  6. Michael Kornobis
    Michael Kornobis sagte:

    Sehe ich genau so wie du Thorsten es beschreibst! Wer den Anfang mit HTML wagt und klar kommt, sollte auch direkt PHP-Grundlagen mitlernen. Dazu gibt es zahlreiche Portale die einem die einfachsten Funktionen beibringen, man müsse nur nach PHP Einführung googeln. Damit kann man seine Projekte ordentlich aufbohren und für die eigene Idee fertige PHP Module so anpassen, dass sich diese ins Gesamtprojekt besser integrieren lassen – und vor allem am Anfang kleinere Arbeiten selbst ausführen, bevor man teure Programmierer engagieren muss.

    Antworten
  7. Marie
    Marie sagte:

    Programmierkenntnisse zu erwerben schadet mit Sicherheit nicht aber ich frage mich oft, warum so viele Unternehmer ihre Internetseite selbst machen. Denn ganz ehrlich, in vielen Fällen sieht man das. Auf die Idee, den Katalog selbst zu machen, kommen doch auch die wenigsten. Das könnte man auch mit einem Programm hinbekommen aber da lässt man lieber den Fachmann ran. Das würde ich für die Internetseite auch empfehlen. Heutzutage kann man doch im Internet auf Bewertungsportalen herausfinden, welche Agentur gut ist und welche nicht. Oder man hört sich mal im Bekanntenkreis um. Aber ich denke, man sollte sich lieber auf seine eigene Arbeit konzentrieren, die man kann.

    Antworten
    • Thorsten Kucklick
      Thorsten Kucklick sagte:

      Ich denke auch, dass jedes halbwegs etablierte Unternehmen beim Aufbau der eigenen Website auf Fachleute setzen sollte. Allerdings können ein paar WordPress-Kenntnisse gepaart mit rudimentärem HTML-Wissen extrem weiterhelfen, wenn es darum geht, ein Projekt mit wenig Budget in kurzer Zeit überhaupt erstmal zu starten. Da muss es ja nicht immer gleich die absolut perfekte Lösung sein.
      Und auch im weiteren Verlauf, selbst wenn man dann mit einer Agentur zusammenarbeitet, sind Gründer in meinen Augen klar im Vorteil, wenn Sie die Sprache der Programmierer zumindest einigermaßen verstehen (damit meine ich nicht den Code selbst), einfach um eine effiziente Kommunikation bei Website- oder App-Projekten zu ermöglichen.

      Antworten
  8. keyreal
    keyreal sagte:

    Hi Leute! Wir verbinden tagtäglich irgendwelche crm oder marketing systeme mit online shops… WordPress oder HTML kommen da kaum in frage. Softwareentwicklung hat mit Webseiten wenig zu tun. Oder fängt noch gar nicht an:)

    Antworten
  9. Erik
    Erik sagte:

    Als studierter Betriebswirt mit ,,Spezialisierung“ Entrepreneurship (M.Sc.) kann ich Ihnen nur beipflichten.
    Als BWLer ist man auf all den Kongressen, Workshop, Guest Lectures, etc. ganz verliebt in die Idee, Gründer zu werden. Es mangelt mitunter auch nicht an Ideen. Wirklich gute finden sich aber fast immer nur im IT-Bereich, selbst wenn es nur ,,(digitales) Produkt plus fancy Webseite“ sein soll.
    Wer sich länger mit den Themen Kreativität und Innovation (theoretisch und praktisch) beschäftigt, weiß, was ich meine, wenn ich sage, dass die besten Ideen bei der intensiven Beschäftigung mit der Materie (hier Programmieren) kommen.
    Dementsprechend: Lernt programmieren und ruhig auch Java und Co. für Software-Programmierung. Die letzten Feinheiten kann ein professioneller Programmierer am Ende immer noch erledigen, aber echte USPs entstehen nur, wenn Andere (v. a. BWLer) Ideen, nicht so schnell nachahmen können, was wiederum gegeben ist, wenn man höhere Sphären der IT-Handhabung erreicht hat.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.