Suche nach geschäftsmodellen für B2BWenn ich das Aufkommen neuer Startups über die Zeit beobachte, fällt mir auf, dass sich die allermeisten Geschäftsmodelle auf Privatkunden ausrichten, während der Bereich B2B verhältnismäßig unterrepräsentiert ist.

Dieses Übergewicht für B2C bei Startups ist insofern verständlich, als dass letztlich jeder von uns sozusagen Privatkunde beziehungsweise Konsument ist.  Denn so lassen sich jede Menge Geschäftsmodelle für die eigenen Bedürfnisse oder aus der eigenen Lebenswelt zurechtstricken.

Bietet der B2B-Bereich daher möglicherweise Chancen, die noch zu großen Teilen ungenutzt sind? Und wie könnten solche B2B-Geschäftsmodelle aussehen?

Wird B2B unterschätzt?

Vielleicht liegt es auch nur am Wesen von B2B-Geschäftsmodellen, die weniger PR-trächtig sind. Der B2B-Sektor sieht auf den ersten Blick einfach weniger spektakulär aus.

Allgemein sichtbare Werbekampagnen sieht man als Privatmensch kaum, und auch die Produkte sind eben nicht für die private Lebenswelt gedacht, sondern eben für´s Business. Dennoch hat B2B wirtschaftlich eine Bedeutung, die möglicherweise unterschätzt wird.

Denn letztlich steht hinter allen Produkten, die im B2C-Bereich verkauft werden, eine Wertschöpfungskette aus lauter Produkten und Dienstleistungen, die sich im B2B-Bereich abspielen.

Mit welchen Produkten können Startups im B2B punkten?

Ein paar Fragen vorweg zum Identifizieren der Geschäftsmodelle im B2B:

  • Welche Geschäftsmodelle im B2B eignen sich also ganz konkret für Startups?
  • Welche Dienstleitungen, welche Teile der klassischen Wertschöpfungsketten kann man mit webbesierten Geschäftsmodellen effizienter anbieten?
  • Wo bieten sich Chancen, disruptive Ideen durchzusetzen, also Modelle, mit denen herkömmliche Wertschöpfungsketten und Organisationsformen umgekrempelt werden?

Die folgenden Bereiche aus B2B-Services und -Produkten sind zunächst einmal nur das Ergebnis eines Brainstormings und kurzer Systematisierung.

Was man daraus jedoch schon erkennen kann: B2B ist ein weites Feld mit unterschiedlichsten Möglichkeiten für Geschäftsmodelle, die von Startups auf die Beine gestellt werden können.

Und ein Großteil dessen lässt sich sogar per Bootstrapping stemmen, da in den meisten Modellen schon Erlöse zu machen sind, ohne dass man sich vorher eine wahnsinnige User-Basis oder ähnliches aufgebaut hat.

Klassische Büroarbeiten

In Büros fallen landauf landab relativ ähnliche Arbeiten an, die von Sekretärinnen, Assistenten oder sonstigem orstgebundenem Personal erledigt werden. Das können Recherchen sein, Aufbereitung von Zahlenmaterial, Organisieren von Veranstaltungen, Akquiesetätigkeiten oder die Bearbeitung von Emails.

Etliche dieser Aufgaben lassen sich ebenso aus der Ferne als einkaufbare Dienstleistung anbieten. Strandschicht ist hier ein gutes Beispiel. Ohne externes Kapital aufgebaut, nimmt das virtuell geführte Unternehmen anderen Unternehmen mit Hilfe von virtuellen Assistenten unterschiedlichste Büroarbeiten ab.

Gleiches gilt beispielsweise für das eBuero, das sich in erster Linie auf das Telefonsekretariat spezialisiert hat.

Business-Tools

Ein noch besser skalierbares Geschäftsmodell sind Business-Tools, die klassische Büroarbeiten in die Cloud auslagern. Also Aufgaben, die vorher viel Handarbeit erforderten oder mit stationärer Software erledigt wurden, und die jetzt mit Webtools bearbeitet werden.

Beispiel Fastbill: Das Startup bietet für kleine Unternehmen und Einzelunternehmer ein ziemlich einfach zu bedienedes und ansprechend designtes Tool zum Erstellen und Verwalten von Rechnungen. Der Papierkram, mit dem sich also normalerweise die Unternehmer selbst, deren Assistenten oder Steuerberater rumschlagen, kann damit deutlich praktischer gemanaget werden.

Neben dem Buchhaltungsbereich kann man praktisch jeden Teil der klassischen Büroarbeit durchdenken im Hinblick darauf, ob und wie er zu automatisieren ist. Viele solcher Businesss-Tools finden sich übrigens im Baukasten für virtuelle Unternehmen in diesem Blog.

Marketing

Automatisierung ist auch das Stichwort, mit sich vor allem im Marketing vielles effizienter machen lässt. Zu den Möglichkeiten der Automatierung stehen im Marketing eine Reihe von Dienstleistungen, die sich als spezialisierte Agentur oft besser machen lassen als mit Allround-Kräften vor Ort.

Ob SEO, SEM, Lead-Management oder Programmierung von Apps, der Bereich Online-Marketing hat in den letzten Jahren überall erheblich an Bedeutung gewonnen. Das ist mittlerweile auch in Teilen des klassischen Mittelstandes angekommen. Aber viele Unternehmen stehen hier erst absolut am Anfang oder haben dazu überhaupt keine Kompetenzen im Management.

Wer sich hier also spezialisiert, kann seine Leistungen nicht nur stetig verbessern, sondern dürfte sich gute Möglichkeiten zum Skalieren seines Geschäftsmodells schaffen, denn ein großer Teil von Aufgaben lässt sich modulweise organiseren, und die Nachfrage ist definitiv vorhanden.

Agentur-Geschäft

Neben dem Marketingbereich ist eigentlich generell ein Großteil des klassischen Agenturgeschäfts zu nennen, auf dem sich Startups ansiedeln können.

Örtliche Verfügbarkeit kann hier und da sicher sehr vorteilhaft sein, doch die Leistungen als solche sind grundsätzlich immer mehr ortsunanhängig und damit als Chance für neue Geschäftsmodelle, beziehungsweise Agenturmodelle zu sehen.

In unserem Unternehmen MeinSpiel betreiben wir neben dem Endkundengeschäft ebenso eine Sparte für B2B, also Firmenkunden. Dazu hab´ ich vor einiger Zeit auch mal aufgeschrieben, wie wir konkret dieses Projektgeschäft organisieren.

Welche B2B-Leistungen eignen sich noch für Startups?

Wie gesagt, diese Beispiele sollen einfach mal ansatzweise zeigen, in welche Richtungen es im B2B für Startups mitunter gehen kann. Der B2B-Sektor ist natürlich um etliches vielfältiger, und daher kann es sich durchaus lohnen, mal unterschiedliche Geschäftsmodelle durchzuspielen.

Welche Bereiche im B2B fallen Dir noch spontan ein, die sich für Startups eignen?

Bildquelle: © olly – Fotolia.com

3 Kommentare
  1. Alex
    Alex sagte:

    Hallo Thorsten,

    ich lese hier schon eine ganze Weile mit. Nun kommst du gerade zu meinem Liebslingsthema. Internetbasierte Geschäftsmodelle im B2B.

    Neben den oben angesprochenen Bereichen fallen mir einige Design-to-HTML Start-Ups, Bilderkaufdienste wie fotolia, eCommerce für Bürobedarf und so weiter ein. Die konzentrieren sich ja auch alle auf Unternehmen bzw. Freiberufler.

    Gruß

    Alex

    Antworten
    • Thorsten Kucklick
      Thorsten Kucklick sagte:

      Danke für die Ergänzungen! Am interessantesten aus Deiner Auflistung finde ich die Design-to-HTML Start-Ups, deren Geschäftsmodell auf diverse (Agentur-)Leistungen übertragbar ist. Wenn ich es richtig sehe, verfolgst Du mit Scoutify einen ähnlichen Ansatz, indem Du modulweise ganz klar definierte Leistungen anbietest, die ansonsten einer klassischen Consulting-Agentur zugefallen wären.

      Antworten
      • Alex
        Alex sagte:

        Parallelen zwischen Scoutify und Design-to-HTML Modellen kann man sicher ziehen. Wir wollen vor allem kleineren Unternehmen die Chance geben, mehr über die Konkurrenz zu erfahren. Bisher mussten kleine Unternehmen bei Wettbewerbsanalysen oft Abstriche bei der Qualität machen, oder sehr viel Geld für Beratungen investieren. Dies wollen wir ändern.

        Ich denke, das bei der Geschäftsmodellfindung im B2B-Bereich (genauso wie im B2C Bereich) der Mehrwert für die Zielgruppe im Vordergrund stehen sollte.

        Antworten

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