Selbstorganisation

Beknackt. Oder etwas präziser gesagt: demotivierend und resignativ.

So wirkt auf mich ein Spruch, der Dir als Solopreneur, Freelancer oder anderweitiger Gründer sicher schon mindestens einmal irgendwo untergekommen ist:

“Selbständig. Selbst und ständig.”

Gääähn! Für mich bedeutet dieser Spruch so ziemlich das Gegenteil meiner Vorstellung von unabhängigem Unternehmertum.

“Selbst und ständig” suggeriert ein vollkommen uninspiriertes Konzept von selbständigem Arbeiten. Und daher kann es, glaube ich, nicht schaden, hin und wieder klar zu machen, wie Du Deine Arbeitswelt anders ausrichten kannst. Wobei anders nicht einfach nur anders bedeutet, sondern vor allem besser, smarter oder auch effizienter.

Gefragt sind also Ansätze, mit denen Du unterm Strich weniger arbeitest und gleichzeitig mehr verdienst.

Das Ganze ist zugegebenermaßen einfacher gesagt/geschrieben als getan. Und so schwirren natürlich auch schon diverse Ansätze zur Selbst-Organisisation in der Welt herum. Wenig davon ist neu, und es lohnt auch kaum, hier das Rad neu erfinden zu wollen, wohl aber eine Schneise ins Dickicht der vielen Konzepte zu schlagen, um ein wenig klarer zu sehen.

Deshalb habe ich für diesen Beitrag genau die sieben Wege herausgepickt, die für mich am praktikabelsten erscheinen, wenn es darum geht, künftig weniger zu arbeiten und dabei mehr zu verdienen.

Bau´ Dir einen Master-Plan mit echten Zielen

Ziele sind bekanntermaßen immer sinnvoll, geben sie einem doch eine Art Orientierung, die das tägliche Tun leitet. Leider ist es mit den Zielen nicht immer ganz so trivial.

Grundsätzlich sehe ich beim Setzen und Erreichen von Zielen einige Stolpersteine:

  • Wie lassen sich Business- oder Arbeitsziele mit der eigenen Lebensplanung, beziehungsweise mit den aktuellen Lebensumständen vereinbaren?
  • Habe ich für einzelne Ziele überhaupt die nötige Motivation?
  • Und natürlich: Mit welchen konkreten Schritte kann ich die Ziele überhaupt erreichen?

Wie schön sind dagegen doch Tagträume, in denen Du Dir Dein Leben in tollen Farben malen kannst. Träume und Ziele sind nur leider nicht das Gleiche.

Ein Ziel erfordert ganz konkrete Handlungen, wohingegen ein Traum reine Fantasie im luftleeren Raum ist.

Von daher bin ich dazu übergegangen, immer mal wieder einen Drei-Jahres-Plan zu machen, in dem ich für mich formuliere, wo ich nach den drei Jahren stehen will. Das umfasst dann einmal die private Lebenssituation, mein Arbeitsumfeld und finanzielle Aspekte.

Selbstorganisation

Brich Deine Ziele auf praktikable Projekte und Aufgabenpakete herunter

Die Pyramiden im alten Ägypten sind nicht von heute auf morgen gebaut worden. Und ein reiner Bauplan hat dafür sicher ebenso nicht ausgereicht. Stattdessen mussten die Planer dieser gigantischen Bauwerke lauter Einzelthemen wie Logistik, Peronal, Finanzen, Material und etliches mehr durchdenken, und schließlich diese Themen und Projekte in einzelne Aufgaben überführen.

Sowas braucht Zeit.

Und auch wenn Du zur Zeit keinen Bau einer Pyramide planst, gilt das Gleiche für Deine Planung:

Nimm Dir hin und wieder die nötige Zeit, um Deine Vorhaben in handhabbare Einzelpakete zu zerlegen.

Aber bitte nicht übertreiben: In meinen Augen muss nicht von Anfang an alles bis ins allerkleinste Detail durchgeplant werden, das wäre viel zu starr.

Es genügt zunächst, sich über den groben Weg und die einzelnen Stationen dorthin klar zu werden und dies aufzuschreiben. Und dann gilt es, konkret zu planen, wie Du zu Station 1 kommst, um dann die weiteren Stationen anzupeilen.

Der große Vorteil: Wenn ich mir in meinen Planungen die großen, ich nenne sie mal Meta-Ziele anschaue, dann können diese schnell überwältigend wirken, und ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. Habe ich hingegen kleine Aufgabenpakete, geht alles schon viel leichter, auch wenn es mit ordentlich Arbeit verbunden ist.

Überlege Dir heute Abend, woran Du morgen arbeiten willst

Kennst Du das: Du stolperst morgens ins Büro, schaltest den Rechner ein, und hast überhaupt keinen Schimmer, womit Du gleich anfangen willst. Na gut, dann liest Du erstmal ein paar Mails und guckst, was es so Neues bei Facebook gibt. Und schon ist die erste Dreiviertelstunde rum.

Ich kann mich an solch unproduktive Tagesstarts durchaus erinnern und bin heilfroh, dass ich für mich eine Routine entdeckt habe, in der ich die konkreten Aufgaben meines Tages immer schon am Vorabend plane.

Als Morgenmensch würde ich mich nämlich nicht gerade bezeichnen, und von daher bin ich früh morgens meistens in einem Modus, bei dem ich froh bin, wenn ich zu meiner Tasse Tee ein paar Aufgaben habe, mit denen ich in den Tag reinkomme, ohne Zeit zu verdaddeln.

Wenn ich die Dinge vor mir sehe, bin ich auch motivierter, und insgesamt schaffe ich so mehr, als würde ich mich erst nach einem längeren Aufgalopp in den Tag reinlavieren.

Verbanne mögliche Ablenkungen

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber Ablenkungen und Störungen warten auf uns hinter jeder Ecke – vor allem im Internet.

Überlege Dir also gut, durch was Du so tagtäglich aus Deinem Arbeitsrhytmus gebracht wirst.

Sind es irgendwelche Popup-Benachrichtigungen für eingehende Mails, sind es Leute, die durch Dein Büro toben, sind es offene Social-Media-Accounts – versuche Dich nach Kräften dagegen abzuschotten, und richte lieber separate Phasen ein, wo Du Mails beantwortest oder mit Kollegen quatscht.

Auch bei neu hereinkommenden Aufgaben oder Aufträgen würde ich immer empfehlen, diese nicht sofort anzugehen. Mach´ Dir lieber eine kurze Notiz, die Du dann bearbeitest, wenn Du Deine aktuelle Aufgabe geschafft hast. Verliere nicht Deinen Fokus!

Respektiere Deine Arbeitszeit

Als Freelancer oder Solopreneur kennst Du das vielleicht auch: Einige Freunde oder Bekannte (in Festanstellung o.ä.) gehen davon aus, dass Du mehr oder weniger immer abkömmlich und somit für alle Aktivitäten zu haben bist. Denn: Du bist ja schließlich selbstständig, und kannst Dir Deine Zeit frei einteilen.

Rein sachlich ist das natürlich richtig, aber gleichzeitig ist es auch eine der größten Fallen, in die Solopreneure, Freelancer und Selbständige generell tappen können.

Wenn Du ein professionelles Business betreiben willst (und davon gehe ich mal aus), dann solltest Du auch Deine Arbeitszeiten professionell handhaben – nicht aus reinem Selbstzweck, sondern ganz einfach, weil Du so effizienter bist, und Dich nicht ständig fragen musst, hmmm, soll ich jetzt arbeiten oder lieber sonstwas machen.

Setze klare Arbeitszeiten, halte sie ein. Mit der Einstellung ist es nach meiner Erfahrung auch leichter, dies anderen klar zu machen und sich nicht davon abbringen zu lassen. Das bedeutet auch weniger Störungen, wodurch Du ebenso mehr in Deiner Zeit reißen kannst.

Nutze Time-Tracking

Früher habe ich überhaupt keine Notwendigkeit darin gesehen, die Zeiten für meine einzelnen Aufgaben oder Arbeitsphasen zu messen. Was sollte mir das bringen? Seit ich Toggl ausprobiert habe, weiß ich: Eine ganze Menge bringt es!

Unterm Strich bringt mich das Time-Tracking-Tool dazu, in weniger Arbeitszeit mehr auf die Reihe zu bekommen. Folgende zwei Hauptvorteile sehe ich in der Zeitaufzeichnung:

  • Du hast mehr Klarheit über den Umfang von bestimmten Aufgaben, und kannst so Deine Projekte realistischer planen.
  • Du kannst wiederkehrende Zeitfresser-Aufgaben identifizeiren, um sie zu delegieren (Outsourcing).

Und übrigens: Neben Toggl gibt es natürlich noch diverse andere Time-Tracking-Tools, und Du kannst Deine Zeiten ansonsten auch ganz einfach mit Bleistift und Papier aufzeichnen.

Kenne Dein “Warum”

Wenn Du Deine Ziele, Projekte und Aufgaben definierst und planst, frage Dich immer: Warum?

Warum gehst Du jetzt genau dieses Projekt an?

Warum bist Du überhaupt Gründer, Solopreneur oder Freelancer?

Welche übergeordneten Ziele stehen dahinter, die Du verwirklichen willst?

Ich versuche diese Dinge immer wieder zueinander zu bringen, um einerseits sicher zu gehen, dass ich überhaupt an Dingen arbeite, dessen Hintergrund mir wichtig ist, und um damit letztlich motiviert zu bleiben.

Fazit

Die sieben Tipps sind sicher keine Geheimnisse, als die sie hier und da ausgegeben werden. Für mich sind sie eher ziemlich solide Arbeitsgewohnheiten, die mich motiviert halten, Stress vermeiden, und von denen ich überzeugt bin, dass ich damit in weniger Zeit mehr verdienen kann.

Und die Tipps sind schon gar nicht allumfassend. Vielleicht wirst Du für Dich noch den einen oder anderen weiteren Kniff gefunden haben, um weniger Zeit zu vergeuden und stattdessen mehr zu verdienen. Wenn ja, hau´ ihn gern hier unten in die Kommentare rein.

 Bildquelle: Unsplash / irish-hands.jpg

5 Kommentare
  1. Ines
    Ines sagte:

    So simple, so clever, gerade der Punkt: Was willst Du morgen machen.
    Ich für meinen Teil mach mir ne Liste mit mindestens 3 Aufgaben und alles was über den Tag reinkommt, wird mit der Liste abgeglichen, wenns zu den Aufgaben passt, wirds gemacht, wenn nicht, muss es warten.
    Wenn ich die 3 Punkte abgearbeitet habe, gibt es automatisch ein gutes Gefühl und es darf auch mal ne Belohnung sein. Das cooleste ist aber, das ich am Abend den Kopf frei habe, weils ja für den nächsten Morgen/Tag auf meiner Liste steht. Gute Übung, um Disziplin zu bekommen, denn Freelancer heisst ja nicht Freischlunzer 🙂

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  2. Vladimir
    Vladimir sagte:

    Träume sind nichts anderes als Ziele.
    Ich glaube genau das vergessen die meisten Menschen heutzutage. Zu oft höre ich von Bekannten „Aber das ist nur ein Traum“ und muss immer wieder mit dem Kopf schütteln. Du hast einen Traum? Dann arbeite daran!

    Danke für den Tipp übrigens mit Toggle, ich hab ewig schon nach einem gutem Time Tracker für Windows gesucht, das Tool erleichtert mir das Leben. 🙂

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  3. Katharina Lewald
    Katharina Lewald sagte:

    Hi Thorsten, ich finde das Wichtigste ist, dass man sich auf genau die Aufgaben konzentriert, die wirklich wichtig sind und einen voranbringen. Wenn man das gemeistert hat – denn es ist zweifelsohne gar nicht so leicht – hat man den größten Knackpunkt eigentlich geschafft, glaube ich. Viele Grüße, Katharina

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  4. Joachim Tuchel
    Joachim Tuchel sagte:

    Hi Thorsten, toller Artikel.
    Die Sache mit dem großen Ziel, dem Masterplan und so finde ich persönlich nicht unbedingt überzeugend. Man muss nicht allem und jedem eine große Bedeutung andichten, und gerade als Gründer lässt sich die eigene Zielsetzung häufig gar nicht so abschliessend in Worte fassen.
    Alle anderen Tipps finde ich sehr gut und inspirierend. Bei der Zeiterfassung ist natürlich auch die Preisfindung nicht ganz zu übersehen. Ich meine jetzt nicht unbedingt fakturierbare Stunden, sondern eben genau die Zeiten, die eben einfach so investiert werden müssen. Selbst in Kundenprojekten, die nach Zeiten abgerechnet werden, gibt es diese „Rüstzeiten“. Es schadet nie, diese genauer zu kennen.
    Ich selbst habe den Zeitspareffekt bei der Aufzeichnung von Arbeitszeiten noch nicht erlebt, aber vielleicht habe ich bisher noch nicht genügend darüber reflektiert.

    Sich Ziele für den nächsten Tag zu setzen und auch am Abend zurück zu schauen, ob und wie die Ziele erreicht wurden, ist sicher der wichtigste Deiner Tipps. Oft lässt sich weiter gar nicht realistisch blicken, und oft ist genau das Zerlegen großer Aufgaben in Tagesportionen schon die halbe Miete zur Lösung komplexer Probleme.

    Viele Grüße

    Joachim

    Antworten
  5. Alex
    Alex sagte:

    Hallo Thorsten,

    danke für den Artikel! Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Spruch mit „selbst und ständig“ schon über mir ergehen lassen musste. Dieses Bild vom permanent arbeitenden Unternehmer ist einfach tief verankert – ich glaube, die meisten Menschen verbinden tatsächlich „Sehr viel arbeiten“ mit „erfolgreich“. Schade, wenn es doch auch anders geht!

    Beste Grüße
    Alex

    Antworten

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