Kevin Heusinger zur UG-GründungDies ist ein Gastbeitrag von Kevin Heusinger. Kevin ist einer der Gründer der Kehrwasser UG (haftungsbeschränkt), die ganzheitliche und individuelle Projekte vorwiegend im Bereich Outdoorsport umsetzt. Zuletzt mit Rencoe.com eine Plattform zum Mieten und Vermieten von Kanus.

Direkt Nägel mit Köpfen machen und eine Kapitalgesellschaft gründen, kann oft Sinn machen. Welche Rechtsform ist für mich die Richtig? Wer gründen will, muss diese Frage beantworten.

Meist lautet die Antwort Einzelunternehmen, denn das macht am wenigsten Arbeit und ist günstig angemeldet. Der große Nachteil ist allerdings, dass man mit dem eigenen Vermögen haftet. Wird der Gründer abgemahnt oder gar verklagt, weil er vielleicht nicht sorgsam genug mit Kundendaten umgegangen ist, oder seine AGBs nicht korrekt formuliert hat, der Zahlt alle Kosten aus eigener Tasche. Dazu kommt, dass potentielle Partner, Lieferanten und Hersteller eine Einzelunternehmung nicht ernstnehmen.

Eine Kapitalgesellschaft dagegen untermauert die Ernsthaftigkeit der eigenen Gründung. Das weckt Vertrauen auch bei (potenziellen) Kunden.

Schon beim Betreiben eines Onlineshops gibt es zahlreiche Gesetze zu beachten. Wer das ignoriert, hat schnell Ärger im Briefkasten. Sobald es um innovativere Bezahlmodelle geht, ist die korrekte Einhaltung aller Bestimmungen um ein Vielfaches schwieriger. Das mussten wir bei unserem KanushopKanuboxCorner und vor allem bei unserer Kanuverleihplattform Rencoe.com lernen, für die wir die Kehrwasser UG (haftungsbeschränkt) gegründet haben. Wer ernsthaft Gründen will, muss sich nicht selten weit aus dem Fenster lehnen.

Eine Kapitalgesellschaft gibt einem dabei Sicherheit, da man weiß: Baut man mal richtig Mist, ist möglicherweise die Firma hin, aber zumindest bleibt das Portemonnaie verschont.

Mit Thorstens Bootstrappingg-Ansatz und 1000 Euro zum Start hat man genau eine Möglichkeit eine Kapitalgesellschaft auf die Beine zu bringen: Die Unternehmergesellschaft, kurz: UG. Die UG ist die einzige Vorform der klassischen GmbH.

Erste Station: Handelsregister und IHK

Zuallererst muss gecheckt werden, ob der Firmenname noch frei ist. Online kann man schonmal selbst im Handelsregister nachschauen.

Oft treten Konflikte mit Vereinen und anderen Gesellschaften etc. auf. Dazu kann die IHK klären, ob der angestrebte Firmenname okay ist.

Zweite Station: Notar

Alle Gründer einer Kapitalgesellschaft müssen den Gesellschaftsvertrag unterzeichnen. Sie sind später die Eigentümer, die sich „die Gesellschafter“ nennen dürfen. Der Gesellschaftsvertrag dient dabei nicht nur als Beurkundung der Geschäftsschließung, sondern regelt das Zusammenspiel der Gesellschafter, ähnlich einer Verfassung.

Wer hält wie viele Geschäftsanteile, was ist der Zweck der Unternehmung, wie ist der Name der Gesellschaft, was passiert, wenn einer keinen Bock mehr hat?

Für Gründer, die keine Kohle haben, gibt es die sogenannte Mustergründung. Der Gesetzgeber, Vater Staat, hat dort eine gängige und sinnvolle Vorlage verfasst. Euer Notar muss sich im Gegenzug für diese Arbeitsersparnis an einen festen Satz halten: Die Gründung nach Muster kostet 40 Euro.

Die Frage des Geschäftsführers muss dann noch geklärt werden. Mitnichten ist es nämlich so einfach, dass die Gesellschafter automatisch die Geschäftsführer sind.

Üblich ist tatsächlich das Gegenteil: Der Geschäftsführer ist gar kein Gesellschafter. Ein normaler Angestellter also. Die Gesellschafter haben das letzte Wort, da sie in Gesellschafterversammlungen die Möglichkeit haben, einen oder mehrere Geschäftsführer zu benennen und zu entlassen. Die Geschäftsführer müssen gegenüber den Gesellschaftern Rechenschaft ablegen. Natürlich können Gesellschafter auch Geschäftsführer sein. Bei einer Mustergründung allerdings, kann es insgesamt nur einen Geschäftsführer geben.

Die Haftungsbeschränkung hat ihre Grenzen. Sollte ein Wirtschaftsprüfer mitkriegen, dass ein Geschäftsführer oder ein Gesellschafter irgendwie Geld aus der Kasse für private Zwecke nimmt, gibt es Konsequenzen. Verdeckte Gewinnauszahlung heißt das und ist verboten.

Auch darf nicht einfach Geld in die Gesellschaft gesteckt werden. Mal kurz 100 Euro auf das Firmenkonto überweisen ist so einfach nicht möglich. Insolvenz muss umgehend angezeigt werden. Über die Rechte und Pflichten von Gesellschaftern und Geschäftsführern muss der Gründer gut informiert sein.

Wer Schwierigkeiten hat, den Zweck der Gesellschaft zu formulieren, ist damit nicht allein. Das ist so etwas wie „Handel mit Lebensmitteln jeglicher Art, schwerpunktmäßig über das Internet“. „Vermittlung von Vermietung und Verkauf von Automobilen und/oder Zubehör“. Der Notar hilft einem dabei. Zumindest einen Versuch vorweisen zu können, schadet der eigenen Glaubwürdigkeit allerdings nicht.

Dritte Station: Bank

Nun ist die Beurkundung abgeschlossen. Stammkapital 1000 Euro. Mit der Urkunde geht es direkt zur Bank. Die Kontoführungsgebühren müssen bereits beachtet werden, denn sie sind eine Position im Leben der künftigen Gesellschaft, die sie begleiten wird. Das mag nicht viel sein, muss aber von dem Stammkapital bezahlt werden. Und wie gesagt, Kapital nachschießen ist nicht so einfach.

Man wähle seine Bank mit Bedacht. Wer im Hinterkopf hat, irgendwann Risikokapital zu benötigen, der geht besser nicht zu Volksbanken und Sparkassen. Wer ein solides Bootstrapping vor hat, ist dort genau richtig.

Die Eröffnung wird also vorgenommen und die Einzahlung des Stammkapitals schriftlich bestätigt. Damit geht es dann zurück zum Notar. Dieser reicht nun alle Papiere bei dem zuständigen Amtsgericht ein. Ab jetzt sollte an der Betriebsstätte – in unserem Fall also meist die eigene Wohnung – der Firmenname am Briefkasten stehen.

Vierte Station: Gewerbeamt

Nachdem die Post vom Handelsregister da war und die knapp 200 Euro für die Eintragung bezahlt wurden, wird nun das Gewerbeamt mit dem Auszug des Handelsregisters aufgesucht. Denn formal meldet nun die aus der Gründung hervorgegangene juristische Person ein Gewerbe an. Kosten sind hier weitere 20 Euro.

Fünfte Station: Schriftverkehr

Die Eintragung ins Handelsregister veranlasst alle möglichen Gestalten, mit den Gründern Kontakt aufzunehmen. Da wird einem gern erzählt, die Gesellschaft würde wieder aus dem Register entfernt, wenn nicht weitere 400 Euro bezahlt würden. Spam ist eben keine Erfindung des Internets.

Ich empfand den Schriftverkehr mit dem Finanzamt und der Stadt als seltsam beruhigend. Ein Tipp: Rufen Sie Ihren Sachbearbeiter an. Reden Sie mit ihm und klären sie Besonderheiten. Zeigen Sie ihm, dass sie Verständnis für die Umwege der Bürokratie und die Position Ihres Beamten haben. Wer glaubt, hier käme er mit Dominanz zum Ziel, der lernt auf die harte Tour, wie Anträge ganz unbürokratisch ganz unten im Stapel landen. Sich in Geduld zu üben und Respekt zu zeigen wirkt wunder. Meine Sachbearbeiterin rief mich sogar an, als meine Steuernummer fertig war, damit ich sie schon hatte, bevor der Brief seinen Weg zu mir finden konnte.

Nun ist die Gesellschaft komplett

Einen bis zwei Monate dauert das Prozedere schon. Nach der Anmeldung des Gewerbes kann auch ohne Steuernummer bereits losgelegt werden. Die Steuernummer darf nachträglich an Kunden übermittelt werden, die schon zuvor eine Rechnung erhalten haben.

So, nun ziehen wir Bilanz und haben von den 1000 Euro bereits ungefähr 265 Euro weggefressen. Zusätzlich muss die Gesellschaft der IHK beitreten und das kostet erneut 140 Euro pro Jahr. Da kommt man nicht drumherum. Die Gründungskosten liegen also bei 405 Euro und gerade die fehlen uns für unsere 1000-Euro-Bootstrapping-Strategie. Ein Steuerberater ist so nicht mehr drin. Für eine Unternehmung in dieser Größenordnung nimmt ein Steuerberater ungefähr 600 bis 700 Euro für den Jahresabschluss. Wer also das Konzept von Thorsten mit einer Kapitalgesellschaft untermauern will, der sollte statt 1000 Euro mindestens 2000 Euro für den Start einplanen.

 

14 Kommentare
  1. Steffen | Alphelden.de
    Steffen | Alphelden.de sagte:

    „Dazu kommt, dass potentielle Partner, Lieferanten und Hersteller eine Einzelunternehmung nicht ernstnehmen.“

    Eigene Erfahrung oder Vermutung? Ich schätze mal Vermutung sonst würde man so etwas nicht schreiben, das ist absoluter Blödsinn! Gerade dies ist doch der große Nachteil einer UG. Geringes Stammkapital = nicht kreditwürdig.

    Antworten
    • Kevin Heusinger
      Kevin Heusinger sagte:

      Servus Steffen,

      ich gebe Dir recht: Bzgl. der Kreditwürdigkeit hast Du bei der Einzelunternehmung bessere Karten. Jeder gibt Dir natürlich lieber einen Kredit, wenn Du mit Deinem Privatvermögen haftest. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob er sich einen Kredit ans Bein binden will, für den er mit seinem Privatvermögen haftet, oder eben nicht.

      Mein Punkt ist eher der erste Eindruck. Ob Du Partnern beweist, welchen Aufwand Du bereit bist zu betreiben, um Deinen Betrieb zu führen.

      Antworten
      • Florian
        Florian sagte:

        In erster Linie geht es bei der Unternehmensform um die eigenen Interessen, Absicherung oder andere Umstände.

        Deinen potentiellen Kunden wird es egal sein, welche Form du gewählt hast, denn du solltest mit deinen Produkten und nicht mit der Unternehmensform überzeugen !!!!!
        Deine Kunden haben auch keinen Vor-/Nachteil ob du eine Einzelunternehmung oder eine GmbH bist.

        Antworten
        • Kevin Heusinger
          Kevin Heusinger sagte:

          Naja, Du kannst Leute mit Deinen Leistungen überzeugen. Du kannst mit Deiner Flow Rian UG aber zusätzlich diejenigen mit Deinen Leistungen überzeugen, die Dich als „Flo Rian, Einzelunternehmer, Kannkaufmann“ vor der Tür stehen lassen.

          Antworten
          • Florian
            Florian sagte:

            ich wüsste ehrlich gesagt keinen plausiblen Grund, mich aufgrund einer Gesellschaftsform vor der Tür stehen zu lassen. Das ist leider sowas von realitätsfern und höchstens ein theoretischer Gedanke.
            Ich habe noch nie gehört “ Sind sind Einzelunternehmer ?? Nein danke, wir kaufen nur Produkte von einer GmbH“ oder auch andersrum.
            Oder hast du da persönlich schon mal andere Erfahrungen gemacht ?? Denn einen richtigen Grund, habe ich noch keinen lesen können …

  2. Florian
    Florian sagte:

    Ich empfehle jedem der eine UG gründen möchte ca. 1000-1500,- € an Kosten einzuplanen.

    Zu beachten ist noch:
    -Erstellung Eröffnungsbilanz
    -ggf. GEZ Gebühren
    -Buchhaltungssoftware

    Antworten
  3. Kevin Heusinger
    Kevin Heusinger sagte:

    Hier mal zwei direkte Erfahrungswerte: Erst vor ein paar Wochen, war ich dabei einen Paymentanbieter zu organisieren. Die Konditionen beinhalteten eine monatliche Grundgebühr für das Modul Kreditkartenzahlung. Ich hakte nach, ob diese Grundgebühr zumindest für einen Testzeitraum ausbleiben könne. Die nette Dame antwortete, dass das nicht ginge. Das würden sie nur Kapitalgesellschaften anbieten. War ich froh, dass ich ihr sagen konnte, dass wir eine UG sind. Andersherum: Als ich vor Jahren ein Geschäftskonto bei der Bank für die – damals noch – Einzelunternehmung eröffnen wollte und der Kundenbetreuer sich Tage Zeit lies um mich nur zurückzurufen, reagierte er auf leichtes Drängen meinerseits mit der Frage „Eilt es? Was ist das denn, eine GmbH?“.

    Über die Erfahrungen aus dem Aussendienst könnte ich noch zwei Gastbeiträge schreiben. Dann mal die Frage an Dich: Hast Du denn die Erfahrung machen können, dass Du als Kapitalgesellschaft nicht ernster genommen wirst?

    Antworten
    • Florian
      Florian sagte:

      Also ich konnte in 5 Jahren Einzelunternehmung und 2 Jahren UG keinen Unterschied, was Kunden oder Lieferantenseite angeht, feststellen. Auch nicht bei Banken oder anderen Institution. ( Natürlich abgesehen, von der aufwendigeren Gründung etc. ) Es kam nie eine solche Frage auf und auch so habe ich noch nie davon gehört.

      Ich kann nur jedem raten sich NICHT wegen der äußeren Präsenz für das ein oder andere zu entscheiden. Die Wahl sollte vielmehr von persönlichen Umständen / Faktoren abhängig gemacht werden. ( Anzahl Gesellschafter/Haftungsgrenze/Kreditwürdigkeit usw. usw.)

      Antworten
  4. Viktor
    Viktor sagte:

    ja, gut beschrieben, aber hab mich noch bisschen mehr informiert und noch rausgefunden, dass man bei der UG Rücklagen bilden muss und dann muss man wissen, was passiert, wenn mandiese Pflicht nicht erfüllt: http://www.firma.de/ratgeber/gewinnverteilung-bei-der-ug-haftungsbeschraenkt-risiken-und-ruecklagen/
    Muss man wissen, wenn man UG gründet. und zu Florian: Ich glaube auch, dass sich bei UG und Einzelunternehmer niemand denkt, UG sei seriöser oder sowas.

    Antworten
  5. Kevin Heusinger
    Kevin Heusinger sagte:

    Hallo Viktor,

    ja natürlich, Rücklagen musst du bilden. 25% vom Jahresüberschuss. Wenn du ein positives Jahresendergebnis ausweisen kannst und die Rücklagen bilanziell nicht bildest, meldet sich das Finanzamt bei dir. Dein Steuerberater ist dein Freund und weiß, was zu tun ist.

    An dieser Stelle vielleicht noch ein Tipp: Plant den Steuerberater mit ein! Es muss sein, die haben das nicht umsonst studiert. Der kostet etwa 800 bis 900€ pro Jahr bei der Kapitalgesellschaft. D.h. von den 1000€ bleibt nicht mehr viel übrig, um das Geschäft irgendwie nach vorne zu bringen.

    Ich empfehle das Konzept genau zu durchdenken und so viel wie möglich (good news: und das ist das Meiste bei den meisten Gründungen) als variable Kosten zu planen, also quasi On-Demand. Kontaktiert mich dazu gerne. z.B. via Twitter @dielok oder über meinen Blog auf http://www.fivetwenty.de.

    Und zum Thema „UG wirkt besser“: Ich bleibe dabei, ein großes Unternehmen wird niemals die Rechtsform Einzelunternehmer haben, ganz einfach weil der Einzelunternehmer mit seinem Privatvermögen haftet. So geschehen bei Schlecker und niemand hat verstanden, warum Anton Schlecker seine Einzelunternehmung nicht wenigstens in eine GmbH umgewandelt hat. Beim Einzelunternehmer wittert man, dass das Konzept nicht groß genug ist oder der Gründer nicht glaubt, dass es groß werden könnte. Anekdote: Meinem Payment-Anbieter stellte ich mich Anfangs nicht als UG vor. Irgendwann hieß es, gewisse Konditionen seien nur für Kapitalgesellschaften verfügbar. Hervorragend also für mich. Natürlich ist die Haftungsbeschränkung bzgl. Fremdkapital unvorteilhaft. Aber hier geht es ja um Bootstrapping und kapitalunabhängige Gründungen. Der Nachteil sind die Fixkosten bzgl. Steuerberater, keine Frage. Jedoch mit einem vernünftigen Konzept sind <100€ pro Monat niemals ein Problem. Z.B. als Gründen mit Komponente (Günter Faltin), mit Bausteinen etc.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.