Warum Du als Freelancer besser fährst, wenn Du nicht wie ein Freelancer denkst

Von Kategorie Bootstrapping & Mindset, Solopreneure mit 13 Kommentaren

Du hast keine Lust, im Konzern zu arbeiten. Großraumbüros mit ihren Arbeitsplatzboxen ersticken Deine Kreativität. Du willst stattdessen möglichst unabhängig sein.

Deshalb hast Du Dich für einen Weg als Freelancer, Solopreneur oder Startup-Gründer entschieden. Wie schön!

Freelancer bei der ArbeitDoch Moment! Auch wenn Du kein Rädchen im Getriebe dieser Welt der Großunternehmen und Konzerne sein willst, kann sich ein Blick hinter die Kulissen dieser Welt durchaus lohnen.

Ein englischer Webdesigner und Agentur-Inhaber hat mir kürzlich diesen Blick wieder neu eröffnet, indem er mir gezeigt hat, wie ich vom Abkupfern einzelner Strukturen dieser Konzernwelt auch als Solo-Gründer profitieren kann.

Liam Veitch heißt der gute Mann. Persönlich getroffen habe ich ihn leider nicht, aber er hat ein Ebook geschrieben, das für mich den Nagel auf den Kopf trifft.

In „Stop Thinking Like A Freelancer“ erzählt er seine eigene Geschichte vom gestressten Freelancer, der sich von Auftrag zu Auftrag hangelt, ohne wirklich weiterzukommen, bis zum Aufbau seiner erfolgreichen Webdesign-Agentur Tone. Beim Aufbau seiner Agentur hat er vor allem eines gemacht: Seine Beobachtungen aus einem kurzzeitigen und notgedrungenen Ausflug in die klassische Unternehmenswelt in sein Freelancer-Business überführt.

Abgekupfert hat er natürlich nicht all die unschönen Konzern-Gepflogenheiten wie Präsenz-Wettbewerbe (Wer schafft es, am längsten im Büro zubleiben und Aktionismus vorzutäuschen) und Meeting-Wahnsinn, sondern einzig die organisatorischen Strukturen, zum Beispiel das Denken in Abteilungen.

Daher propapgiert er in seinem Ebook, die klassische Selbstsändigen- oder Freelancer-Denke abzulegen, und was Strukturen und Prozesse angeht, wie ein reguläres Unternehmen zu denken. Der Zweck, den dieses Abkupfern erfüllen soll, liegt schlicht darin Wachstum für Dich und Dein Business zu ermöglichen.

Veitch geht dabei in 5 Schritten vor:

Phase 1: Mach Dein Freelancer-Business entwicklungsfähig

Die meisten Freelancer arbeiten in einem Modus, in dem es „schon irgendwie gut läuft“, das heißt es gibt Kunden, es gibt Projekte, und es gibt mehr oder weniger regelmäßige Einkünfte. Alles schön.

Nur frage Dich selbst als Freelancer: Worin unterscheidet sich Deine Arbeit von vor drei Monaten zu heute?

  • Hast Du mehr Freiheit und Unabhängigkeit?
  • Hast Du mehr Einkommen?
  • Musst Du weniger arbeiten?
  • Hast Du neue Fähigkeiten erworben?

Im Prinzip ist es erstmal nicht so wild, wenn Du diese Fragen zum großen Teil mit Nein beantwortest. Wichtig ist jedoch, ob Du eine Art Vision entwickelst, ein Ziel, das beschreibt, wie Dein Business aufgebaut sein soll, wieviel Du verdienen willst, und wie Dein idealer Arbeitstag aussehen soll.

Mache also Dein „Warum“ klar, also die Essenz dessen, warum Du das tust, was Du tust. Genau wie ein Großunternehmen brauchst Du eine Strategie, einen Plan, wie Du diesen Zielzustand erreichen willst.

Keine Sorge, ein ausformulierter und ausgefeilter Businessplan ist dazu definitiv nicht nötig. Du willst ja niemanden Externen von Deinem Plan überzeugen. Die einzelnen Schritte können daher einfach stichwortartig notiert werden. Wichtig ist nur, dass Du es überhaupt verständlich in die Schriftform gießt und Deinen Plan immer vor Augen führst, um Deine aktuelle Position darin zu verorten, und um Deine aktuellen Aktionen oder den im Zeitablauf feinzujustieren. Denn wenn Du nicht weißt, wo Du hin willst, wie sollst Du jemals dorthin kommen?

Phase 2: Wirf einzelne Kunden raus, und strebe nach Deinen idealen Kunden

Ich glaube, hiervon kann jeder Freelancer ein Lied singen. Kunden, die nerven. Kunden, in deren Projekte man eintaucht, bei denen es aber irgendwann einen Punkt gibt, an dem Du sagst: Verdammt, hätte ich zu diesem Projekt und diesen Konditionen niemals „Ja“ gesagt. Hauptsache, ich bringe das Projekt jetzt so schnell wie möglich irgendwie zu Ende, weil es einfach nur Zeit und Nerven frisst.

Ich kenne solch Projekte genauso. Am Ende habe ich teils noch lauter Dinge in den Projekten gemacht, die eigentlich gar nicht gebucht waren, einzig und allein, um die Sache zu Ende zu bringen.

Doch nur auf die Kunden zu schimpfen, wäre viel zu kurz gegriffen und auch ungerecht. Schließlich habe ich diese Kunden mit meinem Angebot erst reingeholt. Ich habe die einzelnen Leistungen (vielleicht zu schwammig) definiert. Ich habe den Deadlines zugestimmt. Letztlich bin ich selbst an der Misere schuld.

Solche Projekte sind auf Dauer Gift für´s Business und letztlich auch für das eigene Wohlbefinden. Nur was lässt sich als Freelancer generell dagegen tun?

Einzelne Projekte mittendrin abbrechen, kann es nicht sein. Mal abgesehen von rechtlichen Konsequenzen, würdest Du damit Deine Zuverlässigkeit und Integrität in Frage stellen.

Zweierlei lässt sich jedoch tun:

  • Zum einen, den Mut haben, künftig bei einzelnen Kunden oder Projekten einfach „Nein“ sagen, wenn Du das Gefühl hast, dass es nicht so richtig passt.
  • Und zum anderen hast Du alle Stellschrauben Deines Angebotes in der Hand: Deine Leistungsbeschreibungen, Dein Pricing, Dein generelles Auftreten und die Kanäle, auf denen Du präsent bist – all das kannst Du beeinflussen, um die Kunden zu Dir zu führen, mit denen Du wirklich Lust hast, zusammenzuarbeiten.

Phase 3: Verstärke Deine Präsenz und bau´ Deine Plattform

Wo bekommen die Top-Leute oder Top-Agenturen eigentlich ihre Top-Kunden her?

Waren sie irgendwann zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort? War es Zufall?

Vielleicht hier und da.

Oder war es stattdessen eine konsequente Präsenz auf bestimmten Kanälen, das Geben von wertvollen Informationen, das öffentliche Aufzeigen der eigenen Möglichkeiten? Eine gute Online-Präsenz und -reputation tragen nicht unerheblich dazu bei, dass Dich die richtigen Kunden finden und auch die Preise zu zahlen, die für Dich angemessen sind.

Ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Immer wieder erwachsen beispielsweise aus der Leserschaft dieses Blogs hier Kunden in meinem Service UltraPress. Und ehrlich gesagt: Ohne jemandem Honig um den Bart schmieren zu wollen – die Projekte dieser Kunden sind mir am allerliebsten. Sie laufen in der Regel stressfrei und absolut angenehm in der Kommunikation.

Warum ist das so? In meinem Augen liegt der Grund vor allem darin, das die Erwartungen beiderseits klar und realistisch sind. Wir sprechen eine Sprache, haben eine ähnliche unternehmerische Denkweise.

Phase 4: Steigere Dein Einkommen und bringe Regelmäßigkeit rein

Einige Monate sind gut, andere wiederum etwas schwächer. Dieses Auf und Ab nervt auf Dauer. Schöner wäre es als Freelancer, dauerhaft nur gut Monate zu haben. Nur wie ist das machbar?

Die Zauberworte Liam Veich zufolge heißen Diversität und langfristige Kundenbeziehungen.

Projekte sollten also nicht isoliert gesehen werden, sondern vielmehr als Start einer längerfristigen Beziehung zu dem entsprechendem Kunden, damit diese idealen Kunden immer wieder einzelne Leistungen oder Produkte bei Dir buchen.

Auch Nebenprojekte können hier sinnvoll sein, die Angebote für Deine idealen Kunden beinhalten.

Phase 5: Weniger arbeiten, mehr verdienen

Das Problem – nicht nur von Freelancern, sondern von Selbständigen allgemein – ist, dass wir für alle Bereiche des Geschäftsmodells verantwortlich sind, und leider auch oft alle Bereiche managen wollen.

Problem 1 dabei besteht im Stress, der aus den vielen unterschiedlichen Aufgaben resultiert.

Und Problem 2 ist die Limitierung, die wir uns damit selbst auferlegen. Eine Limitierung unserer Wachstumsmöglichkeiten. Denn wer vom Marketing über die Buchhaltung bis hin zur Produktion oder zum Kundenservice wie eine Krake mit lauter Armen alles selbst macht, kann immer nur eine begrenzte Anzahl an Kunden, Projekten, Aufträgen oder Bestellungen bearbeiten. Raum für Wachstum gibt es somit kaum noch.

Und ganz nebenbei: Man selbst kann kaum für alles die wirklich beste personelle Besetzung sein.

Liam Veich gibt dazu eine schöne Faustregel aus:

Du hast ein Infrastrukturproblem, wenn Dein Business nicht ohne Dich funktionieren kann.

Untersuche also, welche Prozesse für Dein Geschäft essenziell sind, und wie Du diese effizienter, und vor allem in Zusammenarbeit mit anderen organisieren kannst. Organisiere Dich in Abteilungen nach Funktionsbereichen und gebe einzelne davon ab.

Das Abgeben von vielen der regelmäßig anfallenden Aufgaben ist der zentrale Schlüssel, um Dein Business auf eine neue Ebene zu heben.

Fazit

Ob Du als Freelancer unterwegs bist, eine Agentur aufbaust oder anderweitig Projektgeschäft betreibst – die Gedanken von Liam Veitch kann ich persönlich nur empfehlen.

Wer sich in den Strukturen und Prozessen von konventionellen Großunternehmen nur genau die Dinge herausgreift, die ein Business effizienter und skalierbarer – also ausbaufähig-  machen, löst für sein Business quasi die Handbremse.

Kennst Du ähnliche Erfahrungen, nach denen Du als Freelancer bestimmte Herangehensweisen oder Denkweisen über Bord werfen willst, oder dies bereits getan hast? Dann gern rein damit in die Kommentare!

Du baust ein unabhängiges Online-Business auf und willst mehr Kunden gewinnen?

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13 Kommentare

  • on 13. Oktober 2015 Antworten

    Danke für den Buchtipp! Den habe ich mal direkt auf meine Leseliste gesetzt.
    Gerade die Kreativ-Branche ist da aber auch ein Extremfall was selbstzerstörerisches Arbeiten angeht. 😉 Für alle anderen Kreativen, die nebenbei auch leben wollen, habe ich noch einen Lesetipp: Das Win Without Pitching Manifest von Blair Enns
    https://www.winwithoutpitching.com/the-manifesto/

    Viel Erfolg,
    Matthias

  • on 13. Oktober 2015 Antworten

    Danke für die Zusammenfassung dieser Punkte – gerade den dritten, also den Fokus auf die Wunschkunden, halte ich für sehr wichtig – und doch so schwer durchzuhalten, gerade für viele Freelancer. Aber es lohnt sich!!!

  • on 13. Oktober 2015 Antworten

    Lieber Thorsten
    Toller Beitrag! Skalierbare Produkte und Content Marketing sind für mich die Schlüssel aus dieser Zeit-gegen-Geld-Falle. Die Umsetzung kostet zu Beginn zwar ganz schön viel Zeit, aber dieses Investment lohnt sich meiner Erfahrung nach auf jeden Fall.
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz,
    Noëmi

  • on 13. Oktober 2015 Antworten

    Toller Beitrag, kann all dem nur zustimmen!

    Was einem in Sachen Dinge herausgreifen von Großunternehmen auch sehr weiterhilft ist sich intensiver mit der Gründerszene auseinanderzusetzen. Viel wertvolles Wissen wartet dort auf euch.

    Heute Abend DHDL, nicht vergessen 🙂

    Danny

  • on 13. Oktober 2015 Antworten

    Super Artikel, Thorsten! Viele Selbstständige scheinen sich damit zufrieden zu geben, wenn es irgendwie läuft und lassen dabei die Entwicklungsmöglichkeiten völlig aus dem Blick. Schade eigentlich, denn da wird viel Potential verschenkt!
    Herzliche Grüße,

    Kiwi

  • on 14. Oktober 2015 Antworten

    Klasse Artikel. Der Headline stimme ich voll und ganz zu! Ich kenne beide Seiten der Selbstständigkeit: Als Unternehmer und als Freelancer. Vielleicht hätte man diese beiden Funktionen noch einmal genauer im Artikel unterscheiden sollen, da er sich im Tagesablauf fundamental unterscheidet.

    Gerade als Freelancer neigt man dazu, seine eigene Produktivität und die Konstanz in der Arbeit zu vernachlässigen, da man oft auf Stundenbasis entlohn wird.
    Fabian

  • on 14. Oktober 2015 Antworten

    Toller Artikel! Ich bin gerade in letzter Zeit auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, wie man sein Angebot als Freelancer/Solopreneur an die neuen Vertriebskanäle anpassen kann. Ergänzend kann ich noch das Buch „The wealthy Freelancer“ von S. Slaunwhite, P. Savage und E. Gandia empfehlen (leider nur auf englisch).

    Herzliche Grüße,

    Hendrik

  • Autor
    on 14. Oktober 2015 Antworten

    Hallo nochmal,
    vielen Dank für´s gute Feedback und vor allem für die interessanten Ergänzungen!
    Schönen Gruß,
    Thorsten

  • on 18. Oktober 2015 Antworten

    Ich finde insbesondere Punkt 5 wichtig, bin seit fast 20 Jahren Freiberufler und musste das aber auch lernen…bzw. lerne das immer noch… 😉

  • on 27. November 2015 Antworten

    Mir gefällt vor allem der erste Abschnitt „Mach Dein Freelancer-Business entwicklungsfähig“. Ich benutze immer das Bild eines Taxifahrers, wenn ich wissen will, ob mein Weg der Richtige ist.
    Ein Taxifahrer kann „nur“ Geld verdienen, wenn er selber im Auto sitzt und ein Kunde seine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Ist er krank, schläft er oder ist das Auto kaputt, dann kann er kein Geld verdienen. Genauso, wenn gerade kein Fahrgast in der Nähe ist.
    Solch ein Business ist leider nicht skalierbar und daher nur begrenzt „entwicklungsfähig“.

  • on 29. Dezember 2015 Antworten

    Richtig guter Beitrag und vielen Dank für den Literaturtipp. Werde ich auf jeden Fall die Tage mal direkt angehen. Mal schauen, was man Neues noch da drin finden kann.

  • on 3. Januar 2016 Antworten

    Hallo Thorsten, danke für den Beitrag.

    Ich bin jetzt seit 4 Jahren Selbstständig und habe nach 3 Jahren genau diese Punkte aufgegriffen und vieles davon geändert und neu geordnet. Das war einfach nötig, denn sonst fehlt einem doch die ganze Struktur.

    Mein „Warum“ musste ich für mich noch einmal neu strukturieren. Ich hatte es irgendwie aus den Augen verloren. Auch mein Corporate Design passte nicht mehr zu mir. Also habe ich einfach alles neu geplant.

    Kunden auszusuchen kam mir am Anfang aus Angst einfach nicht in den Kopf. Also ich traute mich nicht dies umzusetzen und habe dann immer wieder Aufträge angenommen, die mehr Zeit gekostet haben, als so mancher großer Auftrag. Ebenso ging dann bei vielen meine Kreativität herunter… Jetzt habe ich auch dies geordnet und freue mich über alle Kunden 🙂

    Letztes Jahr im August habe ich dann einen Blog gestartet, da ich so schöner mit anderen Menschen in Kontakt kommen kann. Denn dadurch kommen nicht nur Kunden auf mich zu, sondern auch viele andere Unternehmer und Künstler. Man bekommt dann wieder das Gefühl des Miteinander, was in der Selbstständigkeit als Einzelkämpfer ja auch oft fehlt.

    Regelmäßige Aufträge von Bestandskunden sind oft auch schön in der Umsetzung. Man kennt die Bedürfnisse der Kunden und kann dann wesentlich gezielter deren Wünsche umsetzen.

    Auch an dem Outsourcing bin ich gerade dran. Das war auch am Anfang eine Überwindung, da ich immer lieber alles selbst mache. Doch es nimmt mir sehr viel Arbeit ab und lässt mir Zeit für anderes.

    Ich denke, dass man viele der Punkte auch erst einmal lernen muss. Das kommt vielleicht auch mit der Zeit und den Erfahrungen die man macht. Ebenso war es für mich erst einmal wichtig wirklich zu wissen, wo ich hin will. Deswegen ist für mich das „Warum“ wirklich der alles entscheidene Punkt.

    Grüße
    Verena

    • Autor
      on 4. Januar 2016 Antworten

      Hallo Verena,
      vielen Dank für das Berichten über Deine Erfahrungen!
      Schönen Gruß,
      Thorsten

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