Per 4-Stunden-Startup nebenbei das eigene Ding machen – Interview mit Buchautor Felix Plötz

Von Kategorie Bootstrapping & Mindset mit 6 Kommentaren
Felix Plötz - Autor 4-Stunden-Startup

Felix Plötz

Felix Plötz arbeitete noch regulär in einem Großkonzern, während er gleichzeitig sein erstes Startup gründete. Er konnte so sein sein eigenes Ding machen, ohne gleich ins volle Risiko zu gehen. Ein Weg in die Selbständigkeit, der für immer mehr Angestellte interessant wird. Nachdem Felix mittlerweile mehrfach selbst nach dem Bootstrapping-Ansatz gründete, hat er jetzt seine Erfahrungen über den soften Weg in die Startup-Welt in einem Buch niedergeschrieben: Das 4-Stunden-Startup. Grund genug, ihm dazu ein paar Fragen zu stellen …

Felix, wie bist Du zum Thema Gründen gekommen, und was fasziniert Dich daran?

„Eigentlich würde ich gerne mal… etwas ganz anderes machen“ – dieser Gedanke hat mich lange begleitet. Ich war schon ein paar Jahre im Job, als ich irgendwann realisiert habe, dass mein Leben furchtbar eintönig geworden war. Eat, work, sleep, repeat – das konnte doch nicht alles sein!

Für mich war irgendwann klar: Ich wollte nicht mein gesamtes Berufsleben in einem Großraumbüro fristen. Ich wollte mein eigenes Ding machen. Und das hab ich dann auch. Allerdings neben dem Job. Ich war zu vorsichtig, oder meinetwegen auch zu ängstlich, um gleich alles aufzugeben, nur um meine Geschäftsidee verfolgen zu können.

Und wie hast Du dann konkret gegründet?

Ich habe mein erstes Unternehmen 2011 gegründet und erst 1 1/2 Jahre später den Sprung in das „angewärmte“ Wasser gewagt, also meinen alten Job gekündigt. Der Schritt war für mich erst „vernünftig“, nachdem ich gesehen hatte, dass meine Idee funktioniert. Ich hatte dabei nach dem Bootstrapping-Ansatz gegründet: Meine Geschäftsidee bestand in einem Spritspartraining für Firmenkunden mit eigener Fahrzeugflotte.

Ja, ich weiß, das ist nicht unbedingt eine Idee, mit der man die Mädels auf Partys beeindrucken kann. Aber für mich war es das Richtige und der geeignete Schritt, um endlich das Großraumbüro verlassen zu können.

Vier Jahre nach der Gründung habe ich das Business dann im letzten Jahr an den ADAC verkauft, um mich um meine nächste Idee intensiver zu kümmern – ebenfalls ein gebootstrapptes Unternehmen. Und auch dieses Startup ist nebenbei, also als „4-Stunden-Startup“, entstanden: ein Verlag für YouTube-Stars. Das war eigentlich auch nur so eine verrückte „Man-müsste-doch-mal“-Idee. Aber innerhalb nur eines Jahres ist das Ganze so durch die Decke gegangen, dass sich mehrere große Verlage für unser Projekt interessiert haben. Plötzlich stand die Frage an, ob wir unser 4-Stunden-Startup verkaufen wollen.

Und tatsächlich: Vor ein paar Tagen konnten wir bekannt geben, dass „Plötz & Betzholz“ von der Ullstein Verlagsgruppe übernommen wurde. So eine krasse Entwicklung hätten wir uns 12 Monate vorher wirklich nicht träumen lassen.

Jetzt hast Du gerade das Buch „Das 4-Stunden-Startup“ zum Theme nebenberufliches Gründen geschrieben. Was hat Dich dazu bewogen, und worum geht darin?

Der Stein des Anstoßes kam irgendwann im Jahr 2012. Ich selbst war gerade dabei, mein Unternehmen aufzubauen, als ich das erste Mal über die sogenannte „Generation Y“ las, zu der ich – per Definition – ebenfalls gehöre. Plötzlich konnte ich nachlesen, dass man uns bei allem ans Händchen nehmen müsste, da wir alleine nichts gebacken bekämen.

Nachdem die erste Empörung über diese Unverschämtheit langsam verschwunden war, wurde mir klar: Wir kriegen ganz viel gebacken. Aber was uns fehlt, sind authentische Vorbilder, die zeigen wie es geht. Es sind doch häufig ganz normale Typen, die die coolsten Ideen haben. Ich war auch satt von diesen Gründerstories, in denen Ex-McKinsey-Berater irgendein ein Ding züchten, um es ein paar Monate später für ein paar Millionen zu verticken.

Das war die Idee für unser erstes Buch „Palmen in Castrop-Rauxel“ – zu zeigen, wie man als normaler Mensch sein eigenes Ding aufziehen kann und welche Hürden, Zweifel und Ängste einem dabei begegnen. Wir haben das Buch selbst mit einer großen Portion Startup-Spirit aufgezogen und es durch Crowdfunding finanziert und im Selfpublishing veröffentlicht.

Die Resonanz darauf war riesig: das Buch wurde ein großer Überraschungserfolg. Und es wurde klar, den Weg von anderen zu zeigen, ist nur der Anfang. „Das 4-Stunden-Startup“ setzt genau da an, wo das erste Buch aufgehört hat: Es zeigt ganz konkret, wie man auf gute Geschäftsideen kommt, welche Tools es dazu braucht und was man machen muss, damit der Chef den Plan vom eigenen Business nicht verbieten kann.

Was möchtest Du mit dem Buch für Deine Leser erreichen?

Wenn sich mehr Menschen trauen, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und das tun, wofür sie wirklich brennen – dann ist das schon ein großer Erfolg. Ich hoffe, dass die Möglichkeiten, die ein „4-Stunden-Startup“ bietet, endlich in den Köpfen ankommen und wir noch ganz viele „Man-müsste-doch-mal“-Ideen sehen, die sonst für immer in den Köpfen geblieben wären. Eat, work, sleep, repeat – das kann einfach nicht alles sein.

Ganz zufällig erinnert Dein Buchtitel an die 4-Stunden-Woche von Tim Ferriss. Mit Informationsdiät, Outsourcing und Delegieren plädiert Ferriss dafür, möglichst viel zu eliminieren, um mehr Ruhe und Fokus zu haben. Ein Start-up hingegen als Nebenjob, so wie Du es propagierst – ist das nicht furchtbar stressig?

Nein, ist es nicht. In gewisser Weise knüpft „Das 4-Stunden-Startup“ sogar genau dort an, wo die „4-Stunden-Woche“ aufgehört hat. Daher rührt übrigens auch der Titel – mein Buch erscheint beim selben Verlag, der 2008 schon Tim Ferriss nach Deutschland geholt hat. Während bei Tim Ferriss die Idee im Wesentlichen darin besteht, ein automatisierbares Geschäftsmodell zu finden, zeige ich, wie du ein Geschäftsmodell findest, das dich erfüllt. Etwas, das du gerne machst, das deine Talente fordert und das eben nicht nur finanziell motiviert ist.

Ein „4-Stunden-Startup“ kann der Startpunkt zu etwas ganz Großem sein – und dann wirst du auch viel Zeit und Nachtschichten investieren. Aber genauso gut kann ein Nebenbusiness ein gutbezahltes Hobby sein. Und das ist überhaupt nicht stressig, sondern kann dein Leben extrem bereichern.

Ein 4-Stunden-Start-up für mehr Zufriedenheit und Lebenserfüllung ist schon mal schön und gut. Doch wann kommt der Punkt, wo Du mit der eigenen Unternehmung richtig durchstartest?

Wenn ich etwas gefunden habe, das mir Spaß macht und bei dem ich meine Talente sinnvoll einsetzen kann, dann halte ich das erstmal für eine tolle Situation. Wenn es dafür dann auch noch einen Markt gibt, also aus einem Hobby ein echtes „4-Stunden-Startup“ wird, noch besser. Aber natürlich kann auch die Gefahr aufkommen, dass man zu viel unter einen Hut bringen möchte.

Vielleicht ist aber auch das genau der richtige Zeitpunkt, um das Großraumbüro bzw. den normalen Job zu verlassen und es einfach mal zu probieren.

Felix, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit dem 4-Stunden-Startup!

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6 Kommentare

  • on 29. Februar 2016 Antworten

    Das Buch trifft für mich voll ins Schwarze. Habe schon ein ‚Buch voller Ideen‘, scheitere aber an der Umsetzung. Vielleicht gelingt diesmal der Ausstieg aus dem zwar bequemen dafür langweiligen Konzern’leben‘.

  • on 29. Februar 2016 Antworten

    „Man-müsste-doch-mal“-Ideen gibt es mehr als genug – aber die wenigsten kommen über diesen Gedanken hinaus. Ging mir auch lange so. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch sehr vielen über diesen Punkt hinaus helfen kann. Ich bin zumindest schon sehr neugierig 🙂

  • on 1. März 2016 Antworten

    Und gleich bestellt. Bin sehr gespannt. An Ideen mangelt es nicht, aber am Aussortieren und umsetzen. Und zwei Unternehmen aufzuziehen und erfolgreich zu verkaufen muss einem auch erstmal einer nachmachen…als Nebenjob 😉

  • on 4. März 2016 Antworten

    Ich finde es sehr schön das er neben dem Beruf die Selbständigkeit macht. So ist erst mal für seinen Lebensunterhalt gesorgt und er kann sich Geld zur Seite legen wenn er dann wirklich den Schritt macht. Leider trauen sich viel zu wenige diese Schritte zu machen. Gut wenn man die Risiken sieht dann kann man es auch irgendwo verstehen. Schade ist es trotzdem viele Menschen haben so tolle Ideen.

  • on 7. Juni 2016 Antworten

    Aus meiner Sicht könnte man sich als Gründer schon sehr viel Zeit „sparen“, wenn man lernt, richtig Prioritäten zu setzen. Alles – und möglichst alles gleichzeitig – anpacken geht eben nicht. Als Mitarbeiterin beim Rechnungsprogramm Debitoor werde ich oft mit diesem Problem unserer Kunden konfrontiert: Sehr viel Engagement aber zu wenig Struktur. Darum haben wir eine praktische Anleitung zum Thema „Prioritäten setzen“ geschrieben, die vielleicht auch dem einen oder anderen hier weiterhilft: https://debitoor.de/gruenderlounge/unternehmensgruendung/die-abc-analyse-so-setzt-du-erfolgreich-prioritaeten
    Die ABC-Analyse ist auf jeden Fall ein nützliches Tool, wenn es darum geht, Ideen zu priorisieren, Projekte effizient umzusetzen und seine Zeit möglichst optimal zu nutzen.

  • on 23. Juni 2016 Antworten

    Toller Artikel!

    Das Problem nach der Gründung ist ja das Unternehmen erstmal bekannt genug zu machen. Aus diesem Grund bieten Startups die Möglichkeit, ihr Produkt und Webseite mit einem Produktbericht auf unserem Blog vorzustellen und damit bekannt zu machen.

    Diese unkomplizierte Möglichkeit mehr Besucher zu generieren ist noch relativ unbekannt, weshalb wir diese Möglichkeit gern hier erwähnen möchten.

    Liebe Grüße
    DieProdukttestFamilie.de

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